Nur um das klarzustellen: Nein, ich produziere nicht mehr ausschließlich „Listenjournalismus“ (Haha, Journalismus), aber bei manchen Themen bietet sich diese leicht konsumierbare Form des Schwadronierens einfach an.

Falls du noch studierst, befindest du dich vermutlich gerade in der Phase der Prüfungszeit, in der nichts mehr weiter geht. Du hast schon genug gemacht, um irgendwie durchzukommen, kannst die Nachmittage aber trotzdem nicht kiffend im Park verbringen, weil das schlechte Gewissen an deiner bereits ohnehin strapazierten Seele nagt. Du möchtest, dass der Sommer endlich losgeht, zwischen dir und dem Jumbo Caipirinha liegt nur noch der unübersehbare Bücherstapel auf deinem Schreibtisch. Du bekommst schon morgens Magenkrämpfe, nach dem viel zu süßen Müsli, wenn du dich hinsetzt und erstmal Facebook oder Twitter oder beides gleichzeitig öffnest. Auch das arbeitende Volk fiebert vermutlich dem viel zu knapp bemessenen Urlaub entgegen. Zwei Wochen Freiheit für ein ganzes Jahr Gefängnis ist auch aus meiner Sicht nicht unbedingt der Deal des Jahrtausends.

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Deshalb, kurz und knackig, meine persönlich getesteten Anti-Prokrastinationsmaßnahmen, um den Qualen der vor sich hingeschobenen Arbeit zu entkommen und endlich den Kinoabend unter Sternen zu genießen, den du dir die ganzen letzten Wochen verkniffen hast.

1. Say no to Wifi
Steh auf, zieh dich an, geh dazwischen eventuell noch duschen und dann raus, verdammt. Und zwar nicht in die Bibliothek, wo du dieselbe Internet Morgenroutine durchziehst wie zuhause, sondern in ein abgeranztes Beisl bei dir ums Eck, wo du dich Samstagabends besser nicht blicken lassen solltest. Es gibt Gulasch um 4 Euro und garantiert kein Wifi. Versuch erst gar nicht danach zu fragen, du wirst als überprivilegierter und natürlich höchstgebildeter Vollzeitstudent womöglich von der Internet Literacy der Durchschnittsbevölkerung überrumpelt werden. Und nein, natürlich sollst du nicht die ganze Zeit auf deinem Handy rumfummeln, dadurch führst du die ganze Aktion gekonnt ad absurdum. Was mich zu Punkt 2 bringt.

2. Gönn deinem Smartphone auch mal eine Pause
Studien haben gezeigt, dass es nichts Schlimmeres für den Schreibfluss gibt, als ihn zu unterbrechen. Wenn du schon den Störfaktor free wifi eliminiert hast, darf es jetzt bitte nicht an deinem Smartphone scheitern, dass du die SIP zum zweiten Mal nicht schaffst. Oder das kleine Latinum. Ja, deine beste Freundin hat dir eine achtminütige Sprachnachricht über das zweite Date mit ihrem Exfreund hinterlassen, aber das muss dir für den Zeitraum von drei bis fünf Stunden einfach mal egal sein. Klingt hart, ist es auch. Länger als fünf Stunden ohne Internet halte ich es im Alltag schwer aus, danach ist meine Konzentration auch ohne das ständige Aufploppen diverser Apps am Ende. Talking bout my generation.

3. Vergiss das Ladekabel
Wenn dir Punkt eins und zwei zu radikal erscheinen, kann ich dir leider auch nur bedingt helfen. Eine Methode, die letztens ganz gut beim Zusammenfassen eines Textes geholfen hat, war mein sich dem Ende neigender Akku. Man stelle sich das Ganze wie eine künstliche Prüfungssituation vor. Du stehst unheimlich unter Druck, weißt, dass du bis fünf vor eine kompetente Analyse zum vierten Akt von MacBeth abliefern musst, obwohl du nur die Hälfte gelesen hast. Genau dieser Stresslevel ist für deinen Erfolg entscheidend! Noch 7 Prozent? TIPP SCHNELLER, GODDAMIT! Für die ganz Harten unter euch kann ich einen Extra-Nervenkitzel empfehlen, auch genannt: NICHT SPEICHERN. Zumindest, bis 1 Prozent der Akkulaufzeit erreicht ist.

4. Lass dich von deiner Mutter/Mitbewohnerin/Bruder einsperren 
Was beim ersten Drüberlesen vielleicht ein bisschen rabiat erscheint, hat meine Matura gerettet. Wer zu Panikattacken oder Angstzuständen neigt, sollte diese Methode wahrscheinlich nicht wählen. Ich habe durch diesen bewussten Kontrollverlust profitiert. Also, wenn man einen Schulabschluss in Österreich als Erfolg verbuchen kann. Es ist fast wie beim Sicherheitscheck am Flughafen. Alle wichtigen Dinge (Handy, Laptop, Geldbörse, Essen) werden dir am Schalter abgenommen. Mit dem Unterschied, dass du sie im Regelfall gleich wieder zurückbekommst. Heute nicht! Du kannst dich in das Abhängigkeitsverhältnis deiner Jugend zurückversetzen und wirst deiner Mutter danach sogar dankbar sein. Denn vergiss eines nie: Sie wollte immer nur das Beste für dich! Und das waren eben gute Noten.

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5. Veranstalte einen Regentanz
Wie wir alle wissen: Nichts hat in der Vergangenheit zu mehr abgegebenen Diplom- und Masterarbeiten geführt, wie ein grauenhaft kalter Winter. Oder eben schlechtes Sommerwetter. Draußen gibt es nichts bis wenig zu sehen, die Open-Airs, an denen du dich mit tierversuchsfreier Faschingsschminke verunstalten kannst, sind abgesagt worden. Drinnen ist es warm, kuschelig und auch dieses kleine bisschen langweilig, das man braucht, um ohne FOMO durch den Tag zu kommen.

Alternativ kannst du versuchen dich im Keller deiner Großeltern zum Lernen zu zwingen. Während alle anderen im Freibad sind.

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Ich wünsche uns allen, dass diese Zeit bald vorbei ist. Sagt mir doch in den Kommentaren, was eure besten Abgrenzungsmanöver sind.