Während die meisten politischen Blogs von Frauen, die ich vor fünf Jahren gerne gelesen habe, spätestens 2019 entweder stillgelegt oder offline genommen wurden, habe ich mich für das visionäre Gegenteil entschieden: diesem Ort ein ordentliches Face-Lift zu verpassen und als diskursiven Ausstellungsraum für unsagbare Gedanken zu behalten.

Wir schreiben das Jahr fünf, in dem ich Groschenphilosophin bespiele, betreue, verändere und mit mir durch den Alltag trage. Fünf Jahre klingen, nein – sind lang. So lange wie ein Diplomstudium. Eine ausgereizte Beziehung in den Zwanzigern. Der Unterschied zwischen gerade noch Gegenwart und endgültiger Vergangenheit.

Es war im November 2014, als ich groschenphilosophin.at auf meinem alten Kinderzimmersessel in Antwerpen registrierte und wordpress installierte. Ich wollte die nerdigen Inhalte meines theorielastigen Politik und Publizistik-Studiums kritisch für die Nachwelt aufarbeiten. Ein bisschen auf die Kacke hauen, wenn andere die Puderdose zückten. Zumindest erzähle ich das in Interviews.

Die Wahrheit ist: groschenphilosophin war für mich. Entschuldigung, ist. Es macht mir nach all den Neuerungen der letzten Jahre im Blogger-Game, trotz oder gerade aufgrund des generischen Content-Überflusses auf Instagram, der sich wiederholenden Empowerment-Artikeln in Frauenmagazinen und all der vermeintlichen Konkurrenz da draußen immer noch Freude, mich in Ruhe hinzusetzen und Argumente für meinen schlechten Musikgeschmack zu finden. Mit welchem Thema auch immer abzuschließen. Auf „Veröffentlichen“ zu drücken – und die Reaktionen abzuwarten.

Wäre Groschenphilosophin eine Person, sie würde sich nicht von Trends beeindrucken lassen. Dann sprechen, wenn es wirklich etwas zu sagen gibt. Sie würde versuchen, weniger und dafür bewusster erreichbar zu sein. Nicht in die Falle einer authentischen Selbstrepräsentation tappen, weil es keine wahrhaftige Authentizität in einem kuratierten Feed gibt und wissen, dass Technologie meist schneller kommt als der gesunde Umgang mit dieser.

Schritt für Schritt keine Handlungsanleitung, sondern Ähnlichdenkenden eine digitale Hand reichen, mit der sich die Paradoxa des modernen Lebens gemeinsam anpacken und verändern lassen.

Sei es nun hier auf dem Blog und Instagram, im monatlichen Newsletter “Badass by Nature” oder dem gleichnamigen, gecrowdfundeten Podcast.

Ein Hoch auf ihre widerspenstige, vom Blogsterben nicht beeindruckte Existenz.

Bianca Jankovska