Derselbe Enthusiasmus, der mir beim Öffnen von TikTok seit Beginn des Jahres fehlte, hat endlich ein neues Ventil gefunden. Und zwar ausgerechnet bei Onlyfans – einer Plattform, die den moralinsauren Konservativen und sexarbeitsfeindlichen „Es gibt keine gute Prostitution“-Martins des Internets so richtig gegen den unrasierten Strich gehen wird.

Im klassischen Journalismus schwirren bereits zahlreiche vorurteilsbehaftete Headlines zu Onlyfans herum: „Empowerment oder Pornofalle?“ möchte zum Beispiel die junge Redaktion „Puls“ vom Bayrischen Rundfunk wissen. Der Stern fragt, welche Promis auf „Sex sells“ setzen (eh klar) und der ZDF reist extra nach Barcelona, um sich das Setting von Home-Productions anzusehen.

Mich interessiert als selbstständige Content-Produzentin vor allem eines: Geld – und wie neue crowdbasierte Monetarisierungsoptionen dabei helfen, künstlerische Freiheit herzustellen und uns finanziell unabhängiger zu machen.

In diesem Think-Piece (12.000 Zeichen) suche ich Antworten auf folgende Fragen:

  • Wer profitiert eigentlich statistisch betrachtet von einem Onlyfans-Account?
  • Könnte sich Onlyfans auch abseits der Erotik-Branche durchsetzen
  • – und wer würde schon für das „ganz normale“ Privatleben einer Journalistin bezahlen?
  1. FUCK YOU, PAY ME

First things first. Ich liebe den Namen ONLYFANS, weil er genau das ausdrückt, wofür die Plattform steht. Exklusiven Content für treue Fans (oder Stalker, hust). Die Monetarisierung des Selbst wird anders als bei „seriösen“, journalistischen PayWalls nicht kleingeredet oder verborgen, nein. Es herrscht das Motto: PAY YOUR FUCKING PRINCESS! Sei stolz darauf, was du hast, wer du bist und was du täglich leistest. Arbeit ist Arbeit. Punkt.

Seit vier Jahren ist das 18+-Netzwerk bereits am Markt, weltweit gibt es mehr als 25 Millionen registrierte Nutzer, von denen eine halbe Million selbst kostenpflichtige „Sex does still sell“-Inhalte in unterschiedlicher Regelmäßigkeit und Qualität anbieten.

Was man als zahlende Kundin für sein Geld bekommt, ist ganz unterschiedlich. Ob Fitness- oder Kochvideos – erlaubt ist, was produziert wird. So steht es zumindest auf der Startseite.

Wenn wir mal ehrlich sind, komme…