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01.12.2021

Groschenphilosophinnen: Nach 7 Jahren Solo-Bloggen zum Magazin

Wäre ich ein alter, weißer Mann würde ich gerade meine Laudatio vorbereiten, um sie später in einem prestigeträchtigen Saal vorzutragen. 500 Mitarbeiter würden kommen, und nach dem Sektempfang langsam zu ihren Sitzplätzen rübergehen. Sie würden sich über die Firmenstrategie der letzten Monate unterhalten, und danach über ihre bevorstehenden Urlaube sprechen. Vielleicht würde mir später auch jemand persönlich die Hand schütteln. Danke sagen.

Aber ich bin nur eine Stimme im Internet. Also bleibe ich bei meinen Leisten und verkünde die freudige Botschaft in meinem Immer-Noch-Lieblingsmedium, aus meinem Immer-Noch-Nichtbüro.

Groschenphilosophin wird ein Magazin.

Und zwar das erste deutsche medienwissenschaftliche Pop-Magazin, das ausschließlich von Frauen unter 35 geschrieben und gedacht wird.

Mit als feste Autorinnen dabei sind meine Podcast-Kollegin Esther Ecke sowie Lea Schäfer, Hannah Pfeiffer und Selina Staniczek vom Kollektiv im-kontext. Herzlich willkommen. Wir sind also jetzt offiziell zu fünft. <3

Was uns alle eint, ist das Interesse an der Medienwissenschaft – und eine bequeme Couch, von der aus wir uns Trends im Internet, TV und auf Streaming-Portalen widmen können. Wir alle beschäftigen uns miteinander, und unabhängig voneinander damit, wie subtile Botschaften in Medien gewoben, kommuniziert und verbreitet werden. Trotzdem hat jede von uns ihren eigenen Schwerpunkt, der sich im Laufe der nächsten drei Monate in Textform äußern wird.

Lea beispielsweise setzt sich momentan verstärkt mit der Macht großer Digitalkonzerne auseinander. Hannah sieht ganz genau hin, wenn eure Lieblingsfilme Bullshit reproduzieren und Esther hat ihrem Themenschwerpunkt Frauen und Gewalt schon in der einen oder anderen Podcast-Episode von Tired Women (jetzt: Death, Taxes and Neglecting my Fitness) Raum gewährt.

Wie sind wir zusammengekommen?

Tatsächlich habe ich nicht einfach meine vier besten Freundinnen beauftragt, sondern eine ganze Weile suchen müssen, um auf genau diese Kombination zu stoßen. Ich wollte, dass der Kern von groschenphilosophin mit seinen Werten und der Vision erhalten bleibt – und nicht einfach das „nächste feministische Mag“ machen, weil es gerade trendy ist.

Das Kollektiv im-kontext ist mir per Mail empfohlen worden – und ich war auf den ersten Blick verliebt. Und dann auch auf den zweiten. „KRASS“, dachte ich mir. „Die machen ja genau das, was ich eigentlich auch mache. Nur vielleicht noch besser.“

Neun Monate später sind wir ins Gespräch gekommen, und wurden uns schnell einig, dass wir die Kollaboration im-kontext x groschenphilosophin im ersten Quartal 2022 ausprobieren möchten. Frei nach dem Motto: Wenn schon Nische, dann gemeinsam! So erreichen wir mehr. Mehr Leser*innen, und damit auch mehr Impact hinsichtlich digitaler Medienkompetenz.

Was wird neu

Der Instagram-Account von groschenphilosophin wird zu einem gemeinsamen Magazin-Account. Ich bin höchstens ein paar Mal im Monat zu sehen, wenn ich gerade Fotos von meiner Wohnungs-Renovierung teilen möchte (oder so).

Ich wollte den Fokus nicht weiter auf mich, sondern eher weg von mir verlagern – und statt Personal Branding lieber einem Thema Raum geben. Schließlich habe ich Groschi vor 7 Jahren aus genau diesem Grund ins Leben gerufen. Um die nischigen und oftmals schwer verständlichen Inhalte meines Publizistikstudiums für die Nachwelt aufzubereiten.

Es gibt nach wie vor kein mir bekanntes Online-Magazin mit dieser Reichweite im deutschsprachigen Raum, das sich dem großen Überthema „Medien verstehen“ aus einer witzigen, niederschwelligen und dennoch persönlichen Perspektive widmet.

Das soll sich jetzt auch wieder verstärkt auf dem Instagram-Account widerspiegeln.

Was bleibt alt

Die Werte, die hinter dem Magazin stehen. Groschenphilosophin ist nach wie vor: unangepasst. Widerspenstig. Herausfordernd. Anders. Es wird hier weiterhin Perspektiven geben, die nicht immer dem Mainstream entsprechen. Meinungen, die aufrütteln und Themen fernab einer schwarz-weiß Manier bearbeiten.

Außerdem ist es mir nach meinem eigenen langen Leidensweg im Journalismus wichtig, dass alle Autorinnen zu 100 Prozent hinter ihren Texten stehen. Das heißt: von mir gibt es keine klassisch journalistische Schlaumeier-Redigatur, die nur dazu dient, meine Position als „Boss“ zu verfestigen.

Wir arbeiten hier auf Augenhöhe. Jede Autorin kann genau das schreiben, was sie möchte – und so viel von sich preisgeben, wie es angenehm erscheint.

Natürlich wird es auch von mir weiterhin Rezensionen, Unpopular Opinions und Kolumnen geben.

Wie könnt ihr uns unterstützen

Bis zum 15. Dezember könnt ihr jetzt zu jeder Steady-Mitgliedschaft (auch: Verlängerung) ein Goodie aus dem Merch-Store auswählen. Zustellung erfolgt damit bis Weihnachten.

Vielleicht wollt ihr ja euch oder euren Freund*innen ein Geschenk machen und ein multi-mediales – und damit super umweltfreundliches (;)) – Magazin schenken, das man hören, scrollen und lesen kann. Ob zuhause im Bett, beim Spazieren mit dem Hund oder in der Bahn.

Ich freu mich.

Auf alles, was bald in diesem neuen/alten Magazin erscheinen wird.

Eure Bianca Jankovska

Herausgeberin von groschenphilsophin.at

(yes. THIS feels great.)

2019

Während die meisten politischen Blogs von Frauen, die ich vor fünf Jahren gerne gelesen habe, spätestens 2019 entweder stillgelegt oder offline genommen wurden, habe ich mich für das visionäre Gegenteil entschieden: diesem Ort ein ordentliches Face-Lift zu verpassen und als diskursiven Ausstellungsraum für unsagbare Gedanken zu behalten.

Wir schreiben das Jahr fünf, in dem ich Groschenphilosophin bespiele, betreue, verändere und mit mir durch den Alltag trage. Fünf Jahre klingen, nein – sind lang. So lange wie ein Diplomstudium. Eine ausgereizte Beziehung in den Zwanzigern. Der Unterschied zwischen gerade noch Gegenwart und endgültiger Vergangenheit.

Es war im November 2014, als ich groschenphilosophin.at auf meinem alten Kinderzimmersessel in Antwerpen registrierte und wordpress installierte. Ich wollte die nerdigen Inhalte meines theorielastigen Politik und Publizistik-Studiums kritisch für die Nachwelt aufarbeiten. Ein bisschen auf die Kacke hauen, wenn andere die Puderdose zückten. Zumindest erzähle ich das in Interviews.

Die Wahrheit ist: groschenphilosophin war für mich. Entschuldigung, ist. Es macht mir nach all den Neuerungen der letzten Jahre im Blogger-Game, trotz oder gerade aufgrund des generischen Content-Überflusses auf Instagram, der sich wiederholenden Empowerment-Artikeln in Frauenmagazinen und all der vermeintlichen Konkurrenz da draußen immer noch Freude, mich in Ruhe hinzusetzen und Argumente für meinen schlechten Musikgeschmack zu finden. Mit welchem Thema auch immer abzuschließen. Auf „Veröffentlichen“ zu drücken – und die Reaktionen abzuwarten.

Wäre Groschenphilosophin eine Person, sie würde sich nicht von Trends beeindrucken lassen. Dann sprechen, wenn es wirklich etwas zu sagen gibt. Sie würde versuchen, weniger und dafür bewusster erreichbar zu sein. Nicht in die Falle einer authentischen Selbstrepräsentation tappen, weil es keine wahrhaftige Authentizität in einem kuratierten Feed gibt und wissen, dass Technologie meist schneller kommt als der gesunde Umgang mit dieser.

Schritt für Schritt keine Handlungsanleitung, sondern Ähnlichdenkenden eine digitale Hand reichen, mit der sich die Paradoxa des modernen Lebens gemeinsam anpacken und verändern lassen.

Sei es nun hier auf dem Blog und Instagram, im monatlichen Newsletter “Badass by Nature” oder dem gleichnamigen, gecrowdfundeten Podcast.

Ein Hoch auf ihre widerspenstige, vom Blogsterben nicht beeindruckte Existenz.

Bianca Jankovska

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4 Comments

  1. says: Doris

    Liebe Bianca,

    ich weiss gar nicht, wie ich es am besten ausdrücken kann, aber ich genieße jedes deiner Worte! Ich bin mittendrin in deinem Buch und habe auch schon hier ein paar Texte gelesen und ich fühle mich soooo verstanden – es ist einfach nur wow – und das, obwohl ich mittlerweile die 40 (in Jahren) erreicht habe- deine Texte hätte ich damals gebraucht, als ich 20 war und auch Publizistik (und Soziologie) in Wien studiert habe- und all die Erfahrungen machte, von denen du schreibst- aber nicht nur das, deine – meiner Meinung – nach vollkommen richtige Sicht auf das Arbeitsleben, Beziehungen zwischen Menschen allgemein und Kollegen und Chefs, das ganze Mindset, die irren Annahmen und Erwartungen der Gesellschaft, und so vieles mehr. Balsam auf meiner Seele- endlich, jemand, der all das Wahnwitzige in Worte fasst. Ich habe auch so vieles davon erlebt – u.a. auch in einem schnell wachsenden Start-up – “wir sind eine Familie, aber work hard, harder- bis Mitternacht für fast kein Geld, dafür mit Wutzltisch und in einer coolen – “das Unternemen ist ja so cool und geil” -Mythos-Blase… und vieles mehr. Und auch all die anderen Themen, die du ansprichst- ja, ja – und ja! Genau-so – und ja, leider… wie du in deinem Buch schreibst: “Wie alle anderen sein zu wollen ist offenbar immer noch ein besserer Überlebensmechanismus, als in den falschen Momenten, das Richtige zu sagen. Keinen Eindruck zu hinterlassen, als unangenehm in einer Horde Schafe aufzufallen.” So wahr… leider… Danke, Danke, Danke für dein Schaffen, ich hoffe, dass noch viele auf deine Texte aufmerksam werden.

    Mit lieben Grüßen,
    Dodo

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