Ich mach sowas ja nur noch ganz selten, gell? Mich vor irgendein Gebäude stellen, Pose einnehmen, auf meinen Insta-Husband oder wahlweise meine Mutter warten, bis das Foto im Kasten ist. Mich extra schick anziehen, und dann ganz locker und mühelos die Straße entlanglaufen, bis ein Schnappschuss mit Bewegung dabei ist, den ich mit einem Tagebuchauszug auf meinen Blog stellen kann.

Dabei habe ich mir früher Lifestyle-Blogs sehr gerne angesehen. Ich folgte zum Beispiel Karla’s Closet und war fasziniert von ihrem Leben.

Sie zeigte nicht nur ihren Kleiderschrank, sondern nahm Leserinnen auch immer ein Stück weit mit in ihre Welt, ihren Freundeskreis und ihre Ästhetik. Karla’s Closet ist inzwischen down. Und auch Madeleine von Dariadaria  hatte ihren Blog 2017 in ein Archiv verlagert. Viele der ehemaligen Lifestyle-Bloggerinnen haben inzwischen Podcasts und eine „starke Meinung“. Es ist nicht mehr genug, nur schön auszusehen; die modeaffine, durchtrainierte Frau von heute muss immer und überall politisch sein und mitreden (Selbst, wenn sie keine Ahnung von einem Thema hat). Auch darüber wird es ein längeres Think-Piece geben. Aber nicht heute, nicht jetzt. #goodvibesonly (:P)

Ich vermisse es jedenfalls, Blogs in Ruhe anzusehen. Auf einer Website zu scrollen – statt auf Instagram. Klar haben sich dort diverse Lifestyle-Accounts etabliert und wir haben sicherlich keinen Mangel an hohlkreuzigen Fashionistas, die ihren Krempel in die Kamera halten. Was mir dabei jedoch fehlt, ist das Non-Kommerzielle, das Genuine.

Der „Ich bekomme einen beiläufig dokumentierten Einblick in den Alltag dieser Person“-Faktor.

In einem Blogartikel bleibt schlicht mehr Platz für Eindrücke. Es gibt genug Raum, um verschiedene Fotos und Blickwinkel zu posten und die Erlebnisse in halb-prosaischer, halb-informativer Manier festzuhalten. Wie ein Fotoalbum, in dem Bilder kleben – nur eben digital. Ein Fotoalbum, für das man sich auch mal fünf Minuten Zeit nimmt, und nicht nach einem schnell vergebenen Herz wieder in der Masse an anderen Posts verschwindet.

Deshalb starte ich das Experiment: Retro-Blogging as if it was 2014. In Nummer #1 nehme ich euch exklusiv (;)) mit in mein ganz privates Leben in Berlin.

Der sich anbahnende Besuch meiner Mutter war ein ideales Ereignis, um meinem neuentfachten Verlangen nach fotolastigen, ästhetischen Lifestyle-Blogbeiträgen nachzufühlen.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr Elternbesuch in der Stadt eurer Wahl habt. Aber mir wird das Rumgelaufe schnell zu viel. Meine Mutter ist 57 und hat mehr Energie als ich. Wenn sie den frühesten Flieger um 6 Uhr in Wien nimmt, heißt das also nicht automatisch, dass sie nach ihrer Ankunft erstmal eine Runde schlafen will. Wenn es nach ihr geht, würden wir jeden Tag drei Museen besuchen und zum Wachbleiben Kaffee mit Rum bestellen.

 

FREITAG

Meist hat sie schon zuhause recherchiert (Streber!) und ihre Wünsche in Form von Zeitungsschnipseln mitgebracht, die sie mir dann auf den Tisch legt. Dieses Mal wollte sie an den Weißensee, in eine Ausstellung und natürlich gut essen. Wir verbrachten also den ersten Tag an dem mittlerweile gekippten See („I…