Männer dezentrieren ist der neue Leitspruch des Feminismus geworden. Auch ich habe ihn dankend angenommen und wild geteilt. Er ist Imperativ, Zeitgeist und Moralvorstellung zugleich, ein Gradmesser für die „Richtigkeit“ und Ernsthaftigkeit des eigenen Feminismus oder dem der besten Freundin. Besonders in linken Bubbles, eh klar. Wir sind doch längst over men und ihren approval, sind wir nicht?

Ich habe kürzlich auf Substack eine Note gepostet, die ganz gut lief. I don’t wanna read about men ever again – und jetzt sitze ich wieder hier, und schreibe einen Text, der sich um Männer dreht. Oder zumindest unsere Reaktion auf sie; unsere korrekte Abgrenzung von ihnen, um irgendwo, irgendwann ein neues Leben zu beginnen.
Ohne sie.

Nur, kommen wir jemals dort an? Oder werden wir noch die nächsten 100 Jahre damit beschäftigt sein die Traumata zu bewältigen, die uns von ihnen zugefügt wurden?

Touché.

Ist „Decentering Men“ das neue „Kapitalismus abschaffen“: Also unmöglich?

Genauso wie beim Kapitalismus abschaffen gibt es auch mit „Decentering Men“ ein paar Probleme: Wie soll das Individuum ein System abschaffen, in dem es gefangen ist? In dem es aufgewachsen ist, sozialisiert wurde? Nur weil ich gegen den Kapitalismus bin, heißt das noch lange nicht, dass er weggeht oder mich in Ruhe lässt. Ich kann mir Spaces schaffen, in denen ich nicht so stark von ihm betroffen bin, indem ich anti-kapitalistischen Kollektiven und genossenschaftlich organisierten Supermärkten beitrete – aber trotzdem wird es weiterhin ReWe geben.

Außerdem leben verdammt viele Frauen immer noch halbwegs gerne mit Männern zusammen oder sehen zumindest noch keine funktionierende Alternative außerhalb dieses Lebensentwurfes. Wir müssen aufpassen, dass wir ihnen das nicht zum Vorwurf machen. So a la: „Selbst Schuld, wenn du dich noch nicht emanzipiert hast und immer noch in einer Heten-Beziehung lebst!“
Es ist der kleine Bruder von „Selbst Schuld, wenn du ihn nicht verlässt“ und riecht nach Victim Blaming.

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„Decenter men“ klingt so sassy, aber der Imperativ ist für viele Frauen gar nicht realisierbar, weil sie finanziell, strukturell oder emotional von ihnen abhängig sind. Und dann gibt es noch die, die gar keine Chance haben ihre Compulsory Heterosexuality loszuwerden, weil sie nicht über die Ressourcen verfügen ihre Queerness nach der geglückten Scheidung im Berghain Summer Garden zu entdecken.

Ich komme immer mehr zu der Vermutung, dass „Decenter Men“ eine Forderung ist, die nur von privilegierten girls wie mir stammen kann. Personen, die über die Bildung, Zeit, Gesundheit und finanziellen Mittel verfügen, um sich ein Leben fernab von Heteronormativität aufzubauen. Frauen, die tatsächlich gehen können. Und das auch gerne tun. Darum geht’s doch, oder?

Oder Moment…

Was genau ist überhaupt mit „Decentering men“ gemeint?
Hating men, not dating men, never marrying men?
Keinen Boyfriend haben?

Wir erinnern uns an diesen Vogue-Artikel wo stand having a boyfriend …

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