Meine Sucht begann unschuldig. Vor zwei, drei Jahren folgte ich lediglich ein paar Hundeaccounts auf Instagram. So, wie das viele Stadtmenschen tun, die vermeintlich keine Zeit für ein Haustier haben und sich ihren monotonen Büroalltag mit Videos von skateboardfahrenden Bulldoggen vertreiben.

Seit letztem Jahr suchte ich auch immer öfters auf Tierheimseiten nach Hunden, die ich nicht nur durch den Screen anglotzen, sondern theoretisch am übernächsten Tag abholen konnte.

Ich suchte, wenn ich traurig war. Zu Weihnachten, zum Beispiel. Es gab nichts, das mich im richtigen Moment so berührte wie unschuldige Hundeaugen und vor Pathos triefende Bildunterschriften wie „Für Rocky suchen wir ein Zuhause, in dem er endlich zur Ruhe kommen kann“. Oder: „Findus war es nicht gewöhnt, liebevoll und mit Verständnis behandelt zu werden.

Schleichend verkam das Googeln und Suchen nach Hunden zu einer seltsamen Gewohnheit. Ähnlich wie auf Klo tindern, matchen – und dann nie schreiben. Ich speicherte mir passende Hundeprofile ab, und sandte den Link zu Freunden. Meinem Internet-Brain gefiel es, immer wieder die Chance zu haben, etwas Neues zu entdecken, ohne handeln zu müssen.

Mich durch die Galerien von Bennis, Rockys, Pacos, Freddies und Timbas zu klicken, die noch nicht stubenrein oder an Bezugspersonen gewöhnt waren. Statt anzurufen, begnügte ich mich vorerst mit den Schnappschüssen aus dem Garten. Studierte die Gesichter, die mich anzulächeln schienen. Fast so, als sei das Foto extra für mich geschossen worden.