Jedes Mal wenn ich diesen Satz höre, sterben zehn meiner noch übrigen Eizellen. Weil Menschen fundamental missverstehen, was diese „Politics“ eigentlich sind.

Wenn wir uns bei der Frage nach dem richtigen Brotaufstrich uneinig sind, fühlt sich eine Beziehung vielleicht noch „rettbar“ an. Aber wenn wir uns nicht einig sind, ob bestimmte Menschen Rechte haben oder nicht wird es schnell … unlustig.
Denn dann reden wir über persönliche Moral, Würde und Existenzrechte im Allgemeinen. Was deine Politics formt, was sie nährt, was sie rechtfertigt bildet am Ende des Tages nicht weniger als den Kern deines Selbst.

Beispiel gefällig?

Gerade wird im deutschen Bundestag wieder über reproduktive Gerechtigkeit gestritten (ein lustiger Dauerbrenner!). Die Linke fordert in ihrem Antrag Schwangerschaftsabbrüche aus dem Strafgesetzbuch zu streichen und die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen im 5. Sozialgesetzbuch zu regeln – inklusive Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung.

https://ko-fi.com/fckgurl

Es geht: Um das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, um die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft. In zahlreichen deutschen Regionen besteht bereits heute eine unzureichende Versorgung mit wohnortnahen Angeboten zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen.

Außerdem prangert Die Linke (zurecht) an, dass die Kostenübernahme für eine künstliche Befruchtung durch die gesetzliche Krankenversicherung unverheiratete Paare, lesbische Frauen sowie Personen, die ohne dauerhafte Partnerschaft schwanger werden können, diskriminiert.

Faktisch fördert die Gesetzgebung also wohlhabende, heterosexuelle Elternschaft in Ehe.

Und jetzt erklär mir nochmal, das sei „nur Politics ; )))“.

Bei solch existenziellen Themen geht es nicht um eine abstrakte „Meinungsverschiedenheit“. Es geht um die Frage, ob Menschen mit Uterus vollumfänglich über ihre Körper bestimmen dürfen – oder ob der Staat sich das letzte Wort vorbehält.

Wer Parteien unterstützt, die reproduktive Rechte einschränken, das Selbstbestimmungsgesetz rückabwickeln oder queere Menschen rechtlich und gesellschaftlich delegitimieren wollen, positioniert sich nicht bloß „anders“. Er entscheidet indirekt darüber,  wer um grundlegende Rechte kämpfen müssen sollte.

TL;DR: Wenn dein Weltbild meine Sicherheit gefährdet, gibt es kein softes „agree to disagree hehe“.

Politik ist kein angenehmes Talkshow-Hintergrundgeräusch beim Abendessen. Politik strukturiert unseren Alltag. Sie entscheidet, wer Zugang zu medizinischer Versorgung hat. Sie bestimmt, welche Träume für wen realisierbar sind – und welche systematisch verhindert werden.

Menschen, die sagen, man „solle seine nervigen Politics nicht in seine Beziehungen reinbringen“, sind oft die, die am meisten vom Status quo profitieren. Die, deren Rechte nie zur Debatte stehen. Die nie Angst haben müssen, dass ihre Ehe, ihr Körper oder ihre Existenz politisch verhandelbar wird.

„It’s just politics“ klingt nach Deeskalation. Nach einer Brücke, die geschlagen werden muss, damit man auch wieder mit seinen Trump- oder Merz-wählenden Eltern am Tisch sitzen kann.

In Wahrheit ist es ein Versuch, strukturelle Macht als bloße Meinungsverschiedenheit zu framen.

Als etwas Lächerliches, Kleines; worüber ausgerechnet diejenigen hinwegsehen sollen, die ohnehin schon ein großes Päckchen zu tragen haben.

+ posts