Ich gebe es hiermit offiziell zu.

Ja, auch ich als Grantnudel habe schon einmal ein quasi-biografisches Influencer Self-Help-Buch aufgeschlagen. Sie tragen meist Titel wie „How to navigate through life“, „We’ve all been there“ oder “Didn’t see that coming” und bekommen die Heldinnen der Geschichte mit perfektem Make-Up aufs Cover gedruckt. In der deutschen Variante findet sich auch oft der Satz: “Wie ich lernte, XY zu lieben” im Subtitel.

Die Autorinnen sind bekannt, weil sie … a) eine Lifestyle-Brand sind, b) gute Connections haben oder c) irgendetwas Schlimmes (oder auch einfach nur … Menschliches) durchgemacht haben, das fast alle Bewohner*innen dieses Planeten im Laufe ihres Lebens durchmachen müssen. Seien es Scheidungen, Tode, Burn-Outs, Depressionen oder Geburten.

Der Unterschied zwischen uns und den Influencer-Autorinnen ist, dass wir keinen Buchvertrag angeboten bekommen, um unsere wissenschaftlich nicht besonders fundierten und auch sonst relativ inhaltsleeren Ratschläge unters Volk zu bringen. Meist haben wir auch keinen Ex-Husband, der bei Disney gearbeitet hat oder einen Elternteil, der erfolgreich in der Politikszene oder als Schauspieler tätig ist.

Bevor ich meine Analyse starte kommt noch ein kurzer Disclaimer über meine Eigenmotivation; den Unterschied zwischen Self-Help und Essay-Writing und zwei Beispiele, anhand derer wir uns in die Untiefen dieses schmuddeligen Buch-Genres begeben werden.

Enjoy!

Ok, Groschi, warum hörst du dir dieses Zeug überhaupt an?

Meine Mutter hat mir schon als Kind Biografien berühmter Menschen vorgelesen und so habe ich mein Interesse an Gossip-Entertainment nie ganz loswerden können (siehe auch: TIRED WOMEN Podcast „Eine große Portion … Gossip). Wenn eine Influencerin ein neues Sachbuch herausgibt, kann es also schon mal sein, dass ich es mir anhöre – wenn es in meinem kostenlosen Audiobook-Abo dabei ist. Einfach so, weil ich manchmal was Seichtes beim Corona-Spaziergang brauche. Manchmal erwarte ich mir auch ein wenig Guidance. Ein paar nette Worte hier und da.

Ich höre dann so lange zu, wie ich es eben schaffe. Höre mir an, was dieser oder jener Person alles Traumatisches zugestoßen ist – und schlafe trotzdem regelmäßig bei Ratschlägen wie: „Vergiss die Person, auf die du wütend bist – und konzentriere dich auf das Hier und Jetzt“ ein.

Okay, aber sind nicht alle Sachbücher irg…