Ich wollte es ganz lange nicht wahrhaben; habe die Tatsache wieder und wieder von mir weggeschoben, solange, bis sie sich in mageren Kontoständen, unmöglichen Plänen und allgemeiner Ratlosigkeit auf dem Sofa manifestierte. Meist kurz, nachdem Caren Miosga über den Bildschirm flatterte. Darf ich vorstellen? Die Krise. Die nicht mehr wegzudenkende, wegzulächelnde oder gar schönzuredende Pandemie.

Dabei dachte ich noch, dass wir die Welt ignorieren könnten. Dass wir einfach nur nicht mehr Tagesschau streamen müssten, um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: uns. Ich dachte, dass es unsere Körper schon richten würden. Dass ich nach jedem weiteren, Hoffnungen zerstörenden Kommentar Zuflucht in deinem Nacken fände, bis es vorbei ist.

Aber du willst ein neues Kissen. Auf meinem, sagst du, kannst du nicht schlafen. Außerdem ist es draußen so laut ab fünf Uhr morgens. Die, die noch Jobs haben, parken dann ihre Autos aus. Die Post kommt erst später und ich warte jeden Tag auf eine schlechte Nachricht. Wenn die Werbung für den Pizzalieferdienst durch den Schlitz in meiner Tür auf den Boden gleitet, bekomme ich jedes Mal einen kleinen Herzinfarkt. Als ob die Nachrichtenmeldungen nicht reichen würden, entgleitet mir auch in meinem höchstpersönlichen Machtbereich täglich die Kontrolle.

Deshalb arbeite ich nur noch im Schlafzimmer. Wenn ich mich konzentrieren kann. Wenn mein Handy aus ist. Und…