Es ist wieder soweit. Alle drei bis sechs Monate landet eine E-Mail meiner Großmutter (die ich über alles liebe) in meinem Postfach, in der sie mir gänzlich ungefragt und kontextlos eine Wunder-Diät empfiehlt. Diesmal im Angebot: irgendein „Gesunde Ernährung“-Merkblatt eines Kardiologen, begleitet von folgenden Worten:

„Schau dir das unbedingt an. DAS IST DIE ERSTE DIÄT, DIE BEI MIR FUNKTIONIERTE! Ich bin überhaupt nicht hungrig, und von Sonntag bis Mittwoch habe ich bereits von 63 auf 60 kg abgenommen. Ich fühle mich großartig. Jeden Tag esse ich hauptsächlich den Salat, ein kleines Frühstück und einen Apfel oder eine Orange.

Ich umarme dich!“

Meine Babka ist fast 80 Jahre alt. Sie war ihr Leben lang normschön, auch ohne Sport. Sie ist klein, zierlich, hat weibliche Füße und Hände, grazile Beine und einen schlanken Hals. Niemals wäre jemand auf die Idee gekommen, sie als „zu dick“ zu bezeichnen. Außer vielleicht sie selbst.

Ich frage mich, was mir diese E-Mail suggerieren soll, die – Funfact – auch in CC bei meiner Mutter landete. Dass ich auch abnehmen müsse? Zum Glück hatte ich abseits von ein paar Diätversuchen als Teenager nie eine Essstörung und auch meine Mutter blieb erstaunlicherweise davon verschont, was mir einen halbwegs gesunden Umgang mit meinem Körper ermöglichte und die nicht abreißenden Versuche meiner Großmutter, uns doch noch dazu zu bringen, abzunehmen, im Kern durch einen schnell gedrückten „Delete“-Button erstickte.

Der Grund, warum ich diese Familiengeschichte trotz ihrer Privatheit öffentlich mache, ist der, dass es mir weh tut und mich traurig macht, wenn Frauen wie meine Großmutter bis zum bitteren Ende nicht davon loskommen, sich von ihrer verzerrten Körperwahrnehmung einschränken zu lassen.

Als ich die Story auf Instagram postete, bekam ich hunderte von Nachrichten von anderen Frauen, die mir ihre Familienessstörungen (deshalb auch der Hashtag, den ihr gerne benutzen könnt) erzählten. Eine schrieb zum Beispiel, dass ihre 90-jährige Oma beim Sichten alter Dias auf ein Foto von sich zeigte und sagte: „Mensch, war ich da dick!“. Eine andere, dass sich ihre Großmutter bis zu ihrem Tod morgens auf die Waage stellte.

Damit all diese Nachrichten nicht sofort wieder verschwinden, habe ich euch angeboten, mir eure Geschichten zuzusenden, damit ich sie hier veröffentlichen kann. Lasst uns darüber sprechen, wie Essstörungen nicht nur medial getriggert werden, sondern auch von Frau zu Frau, von Generation zu Generation durch spitze Kommentare und Beleidigungen weitergegeben werden.

Die erste Story zeigt meiner Meinung nach sehr relatable auf, wie sich der Blick auf den eigenen, jungen Körper Jahre später verändert, nachdem man die Strukturen erkannt hat, die diesen unnötig verschärften.

„So, wie du aussiehst wirst du niemals einen Job, geschweige denn einen Mann finden!“

“Schon von klein auf war ich immer stämmiger als meine Schwester – und das scheint mir auch schon immer sehr bewusst gewesen zu sein. Als wir beide auf Kur geschickt wurden, weil wir immer Probleme mit den Bronchien hatten, habe ich mich selbst in die Diätgruppe eingetragen. Ich war sechs Jahre alt. Das war also meine erste Berührung mit einer Diät und während alle anderen Kinder Pudding zum Nachtisch bekamen, knabberte ich an meinem Apfel.

Auch in meiner Jugend war ich gefühlt immer ‚viel fetter’ als meine Freundinnen. Ich muss sagen, aus heutiger, erwachsener Sicht, waren diese auch kein Maßstab. Alle trugen ne 34, maximal 36 und waren beliebt bei den Jungs.

Da half es nicht gerade, dass meine Mutter mir öfter suggerierte, dass ich doch ‚ruhig auch mal mehr auf mein Essen achten könne’. Eine Kleidergröße 42 sei ja schon arg übertrieben.

Heute schaue ich Fotos an und sehe ein ganz normales Mädchen. Ich wünschte, ich würde heute so ausschauen, wie damals mit 15.

Ich wuchs in einer Umgebung auf, wo man meine Beziehung zu Essen komplett zerstört hat. Ich durfte nicht aufstehen, bis der Teller leer gegessen war, auch, wenn ich gar nicht mehr hungrig war. Mein Vater ließ mich tatsächlich mal einen ganzen Tag am Tisch vor meinem Teller verbringen, verbunden mit der Drohung ‚Du stehst nicht eher auf, bis alles aufgegessen ist.’ Ich saß dort mehrere Stunden und weigerte mich. Bis sie meinen Willen brachen – und ich doch alles aufaß. Seitdem traute ich mich nicht mehr Essen liegen zu lassen.

Auf der anderen Seite stand meine Mutter, die mir ständig sagte, dass ich ‚so wie ich aussehe’ niemals einen Job geschweige denn einen Mann finden würde.

Egal wie ich war, ich war niemals gut genug.

Nach der Scheidung meiner Eltern, als ich 16 Jahre alt war, verfiel ich in wahre Fressattacken, nahm mehr als 50 Kilo zu. Sie gingen nie wieder weg. Jetzt, mit 34, lerne ich mich langsam unabhängig von meinem Körper zu lieben. Und das fällt mir jeden Tag aufs Neue schwer. Aber ich arbeite daran.”

Denise, 34

Der Inhalt der zweiten E-Mail, die ich gestern bekam, offenbart das typische Bild einer slawischen Großfamilie am Esstisch und erinnert in seiner Detailverliebtheit an eine soziologische Studie.

„Ich habe schon immer die kleinere Portion, das kleinere Stück Fleisch gekriegt“

„Für mich persönlich war es immer schwer mit diesem Schönheitsideal umzugehen, welches slawischen oder osteuropäischen Frauen anhängt. Ich persönlich habe wohl nie unter den “klassischen” Essstörungen oder Problematiken mit Essen gelitten, habe aber sehr wohl ein gestörtes Bild zu Essen und meinem eigenen Körper.

Viele meiner Cousinen sind seit ich denken kann davon besessen, hier und da noch ein Kilo abzunehmen, die Taille noch schlanker zu kriegen usw. Auch die Notwendigkeit, sich für eine mögliche Zunahme zu entschuldigen (nicht zu rechtfertigen!), gehört quasi dazu. Insbesondere vor den eigenen Ehemännern, die häufig die Gewichtszunahme ihrer Frauen kontrollieren und kommentieren.

Noch schwerer kann ich damit umgehen, dass dieser unsägliche Schönheits- und Abnehmdruck so stark im Kontrast zum Umgang mit den männlichen Familienmitgliedern steht.

Ich habe schon immer die kleinere Portion, das kleinere Stück Fleisch gekriegt. Die Männer kriegen immer das erste und größte und das letzte Stück Fleisch. Ich wurde immer gemaßregelt, wenn ich mir nachnahm a la ‚Denkst du nicht, du hast schon genug gegessen?’, ‚Es reicht jetzt!’, ‚Bist du etwa immernoch am Essen?’, etc.

Essen ist ein fundamentaler Part in slawischen Familien. Kommunikation passiert quasi immer am Essenstisch. Man bringt Stunden damit zu, Häppchen, Fleisch, Suppen, Süßes zu essen, während man miteinander socialised.

Daher war es für mich immer besonders hart, wenn ich gerade in diesem zentralen Moment reguliert oder kontrolliert wurde.

Ganz zu schweigen davon, dass ich auch nicht mitreden durfte, aber das ist ein ganz anderes Fass was man hier aufmachen müsste.

Nicht nur durfte ich nicht nach Herzenslust zugreifen, wie es mein Vater, meine Onkel, Brüder und Tanten taten, ich musste auch noch, zusammen mit den anderen Frauen der Familie, immer für Nachschub sorgen. Hier noch ein paar Häppchen schneiden, da dreckiges Geschirr wegräumen. Ganz klar; ich gehörte nicht unumstößlich zu dem Kern dieser Gemeinschaft. Dieses Upgrade wird mir wahrscheinlich auch nie zu teil werden. In ein paar Jahrzehnten, wenn ich meinen Zenit erreicht habe – also zu alt und fett bin, um noch ansehnlich zu wirken – darf ich, ebenso wie meine Mutter und Tanten nach Herzenslust essen … Vorher muss ich darauf achten, dass ich es nicht wage, mir noch ein Stück Fleisch zu nehmen, oder noch einen Keks zu essen.

Diese Regulierungen passieren interessanterweise auch ausschließlich – zumindest in meinem Fall – durch die weiblichen Personen in meiner Familie. Ich kann mich nicht erinnern, dass mein Vater mich je zurechtwies für mein Essverhalten. Ich bin mir sicher, dass dieses nur der Fall war, da er diese Aufgabe komplett meiner Mutter überließ. Diese Art der Erziehung, ebenso wie das Antrainieren des Reflexes immer sofort bereit zu sein, falls einer der männlichen Familienmitglieder noch einen Tee wollte, wird eben von den Frauen vermittelt.

Ich habe immer suggeriert bekommen, dass schlank sein etwas Lobenswertes ist, dass es etwas Positives wäre, wenn man meine Taille deutlich sehen könne.

Meine von Natur aus gegebenen Makel, wie meine zu großen Brüste und meine dicken Oberschenkel sind Dinge, die meine Familie immer mit einem Seufzer verschiedenen Tanten und Omas zuschrieb.

Ich könne zwar nichts dafür, müsse aber trotzdem danach streben, es zu ändern.

Das osteuropäische Schönheitsideal und der Wahn danach, ist – davon bin ich überzeugt – so fest mit den für diese Kulturkreise patriarchalen Strukturen und dem inherenten Sexismus verbunden, dass es schwer ist beides voneinander zu trennen.“

Kate, 29

Der nächste Text zeigt, was hinter der Fassade eines „disziplinierten“ Essverhaltens stecken kann – und dass nicht alle an Anorexie-Erkrankten superdünn sind.

„Ich bin sicher, ich würde wieder einen ‚gut gemeinten Rat’ bekommen würde, würde ich wieder zunehmen“

„Schon früh hatte ich ein merkwürdiges Verhältnis zum Thema Essen.
Ich kann mich noch erinnern, wie ich als ca. 7-jähriges Mädchen anfing, Süßigkeiten zu horten, um diese dann heimlich und alleine essen zu können.

Ich schämte mich dafür, weil mir von Anfang an nicht intuitives, sondern restriktives Essen beigebracht wurde („Von Süßigkeiten wird man dick!”).
Es war auch ungefähr in dem Alter, als ich live beobachtete, wie meine (zu dem Zeitpunkt sehr schlanke) Mutter auf die Waage stieg und dann traurig kommentierte, dass sie früher viel weniger gewogen habe.

Auch ein Paar Jahre später, als ich zu meiner Tante zog, waren Essen und Figur immer wieder ein Thema. Meine Tante hat seit Jahren Übergewicht, ist sehr unglücklich damit und hat ein (meiner Meinung nach) gestörtes Essverhalten.

Es ist so traurig, immer wieder mit ansehen zu müssen, wie sie Diäten anfängt, abnimmt und nachts heimliche Essanfälle hat. Am Ende steht sie oft mit einem höheren Gewicht und einer noch höheren Unzufriedenheit da.

Als ich ungefähr zwölf Jahre alt war, begann mir meine Tante – und auch andere Verwandte – immer wieder zu sagen, ich ‚müsse auf meine Figur aufpassen’ und solle es vermeiden, Süßigkeiten zwischendurch zu essen (dabei war ich nie, nie dick).

Da ich damals erst zwölf Jahre alt war, war ich natürlich weder in der Lage zu verstehen, wie gestört das Essverhalten meiner Tante war, noch zu verstehen, dass ihr „Appell” auf ein indoktriniertes Schönheitsideal zurückzuführen ist (aka Frauen/Menschen müssen immer schlank und schön sein).

Stattdessen fühlte ich mich miserabel, dick und wurde zunehmend unzufriedener mit meiner Figur. Mit dreizehn rutschte ich dann endgültig in eine Essstörung und fing mit einer ‘Bulimie-Diät’ an. Genauso steht es in meinem alten Tagebuch.

Es gab damals noch andere situative Umstände, die mich in die Essstörung getrieben haben! Diese Kommentare haben das Fass einfach nur zum Überlaufen gebracht. Wie viele andere bekam ich lange Zeit Komplimente, wie toll und sportlich ich doch aussehen würde. Ich wurde bewundert und gelobt, weil ich so ‘gesund’ essen würde und so ‘diszipliniert’ war. Natürlich war mein Essverhalten, genauso wie meine sportliche Aktivität, alles andere als gesund.

Da ich allerdings recht lange im Normalgewicht lag, „durchtrainiert” aussah und sich nach wie vor die Überzeugung hält, dass essgestörte Menschen ausschließlich abgemagert seien, kam ich erst mit 15 Jahren – und inzwischen offensichtlichem Untergewicht – in Therapie.

Leider hörten trotz der Therapie und diagnostizierten Anorexie die Kommentare zu meinem Körper und meinem Essverhalten nicht auf.

Tatsächlich bekam ich mit 17 wieder zu hören, dass es jetzt „aber mal reicht mit dem Zunehmen” und (who saw it coming?) ich wieder ‘aufpassen’ müsse, weil ich sonst nie einen Freund bekommen würde.

Mein damaliges, noch immer essgestörtes Ich, war am Boden.

Inzwischen bin ich 22 Jahre alt und wohne nicht mehr zu Hause.
Auch wenn der letzte Kommentar zu meiner Figur seitens meiner Familie (‘So bist du genau richtig!’) inzwischen ein Jahr her ist, bin ich mir sicher, dass ich wieder einen ‘gut gemeinten Rat’ bekommen würde, würde ich wieder zunehmen.”

Anonym

Der nächste Einblick ist besonders für Geschwisterkinder interessant, die sich schon einmal selbst Vorwürfe gemacht haben.

„Du bist schuld wenn ich dick werde!“

„Ich wurde 1989 als einziges Kind meiner deutschen Mutter und meines ungarischen Vaters in Budapest, Ungarn, geboren. Bis ich vierzehn Jahre alt war, wuchs ich bei meinem Vater in Budapest auf. Danach zog ich nach Deutschland zu meiner Mutter und lebe jetzt nun seit fast 16 Jahren hier.

Als ich acht war, lerne mein Vater meine Stiefmutter kennen und sie zog bald bei uns ein. Als ich zwölf war, bekam sie meine Schwester, die dieses Jahr 18 wird.

Mein Verhältnis zu ihr ist gut. Früher schaute sie zu mir auf, heute ist sie eine extrem gute und ehrgeizige Schülerin, mit zahlreichen nebenschulischen Aktivitäten (Querflöte, extra Englisch und Mathe Kurs, Besuche im Fitness Studio zusätzlich früher Turmspringen, später Athletik, heute professionelles Trampolin springen und auch noch Reiten).

Leider hat sie sich mit dem Eintritt in die Pubertät  – traurigerweise nach meinem Vorbild, fürchte ich – angefangen, zu ritzen und seit ein paar Jahren hat sie eine deutlich erkennbare Essstörung entwickelt.

Sie wiegt ihr Essen ab, meidet Kohlenhydrate und in manchen Momenten sagt sie in einem halb spaßig, halb ernst gemeintem Tonfall: ‚Du bist schuld wenn ich dick werde!’ – obwohl sie den Körper einer Leistungssportlerin hat.

Und wie erwähnt treibt sie wahnsinnig viel Sport um zu vermeiden mal etwas Fett anzusetzen.

Der Ursprung der Essstörung liegt in meinen Augen definitiv bei meiner Stiefmutter, die ebenfalls eine hat. Sie hat es tatsächlich geschafft einmal bei einem semi-geschäftlichen Essen meines Vaters ungelogen FÜNF mal ihre aktuelle Diät zu erkären. Erstmals diversen Leuten einzeln, schließlich nochmal, als alle zuhörten. Und das ist natürlich nur eine Situation von vielen, in denen der Körper, bzw. vor allem der mangelhafte Körper der vermeintlich (!) nicht dem Schönheitsideal entsprechenden thematisiert wird.

Diese Zeilen zu schreiben macht mich traurig und wütend. Denn obwohl ich mich auch selbst verletzt habe und so vermeintlich eine gewisse Einsicht oder gutes Verständnis haben sollte, bin ich überfordert mit ihrer Art zu essen und ratlos, was ich tun kann. Wie ich ihr helfen kann.“

Anonym

Und zum Abschluss der Beweis dafür, dass nicht nur Frauen Essstörungen entwickeln können.

„Ich habe von meiner Therapeutin die Diagnose Orthorexie bekommen“

„Ich komme aus einer österreichischen Familie, ich bin am Land in der Nähe von Salzburg aufgewachsen. Mein Vater hat ein sehr krankhaftes Essverhalten. Er isst nur einmal am Tag, wiegt sich ständig, findet sich selbst zu dick – obwohl er wahrscheinlich untergewichtig ist.

Ich selbst habe schon sehr lange mit dem Thema Essen zu kämpfen. Ich bin sehr dünn, eigentlich immer schon gewesen. Deswegen sollte ich darauf achten, genug zu essen. Es fällt mir aber sehr schwer und gestern habe ich von meiner Therapeutin die Diagnose Orthorexie bekommen. Ich weiß nicht, wie „offiziell” diese Art der Essstörung ist und ich persönlich hätte mein Essverhalten auch nicht als gestört betrachtet, aber ihre Reaktion zeigte mir, dass es wohl doch nicht so normal ist. Mein Vater betreibt auch schon seit jeher body shaming bei mir und meiner Schwester.

Meine Schwester ist nicht ganz so dünn wie ich, sie hat grundsätzlich auch kein Problem mit Essen, aber seit wir Kinder sind, wird betont wie “dick” und “schwer” sie doch sei. Das ist wirklich furchtbar für sie.
Dass ich schlank bin, wird natürlich unterstützt, egal wie schwierig mir das Essen fällt. Obwohl meine Mutter sehr body positive ist und uns das auch ständig vermittelt, hinterlässt das Verhalten von meinem Vater auf jeden Fall Spuren. Wir haben schon zigmal mit ihm geredet, aber er sieht sein Problem nicht und verweigert jegliche Hilfe und Therapie.“

Anonym

Weitere Einsendungen sammle ich ab jetzt hier.

“Ach, was für eine schöne Welt es doch wäre, wenn sich alle einfach so wohlfühlen und akzeptieren würden, wie sie sind”

“Ich fand deine Gedanken zum Diätwahn unter den Generationen super! Bei meiner Mum und mir war das nie wirklich ein Thema, sie war auch nicht die Schlankeste nach der Geburt von zwei Kindern.

Erst als bei ihr vor einigen Jahren Diabetes festgestellt wurde
(allerdings die vererbliche Variante) und sie aufgrund der
Medikamente in kurzer Zeit sehr viel abgenommen hat, hat sie damit
angefangen. Und ich finde das jetzt tatsächlich sehr schwierig. Weil
ich immer versucht habe, so etwas nicht allzu nah an mich ranzulassen (ich bin auch nicht wirklich schlank…) und das bisher nie zu hören bekommen habe.

Und jetzt fängt meine Mutter an, immer wieder davon zu erzählen und Fragen zu meiner Figur zu stellen. Das ist schrecklich! Erstens weil es mir zeigt, dass das wohl nie aufhört, egal wie alt man ist und wann man damit anfängt. Und zweitens, weil ich mich jetzt – nachdem ich mich ein Leben lang drauf verlassen konnte, zumindest in dem Punkt meine Mutter im Rücken zu haben – „ganz alleine“ dem ganzen Wahnsinn stellen muss – und sogar „gegen“ sie.

Ach, was für eine schöne Welt es doch wäre, wenn sich alle einfach so
wohlfühlen und akzeptieren würden, wie sie sind. Aber umso wichtiger,
dass es Frauen wie dich gibt, die über solche Themen schreiben und
Aufmerksamkeit dafür schaffen! Danke!”

Saskia

Ich danke euch, fürs ehrlich sein und das Vertrauen, dass ihr mir mit euren E-Mails entgegengebracht habt. Soetwas ist nicht selbstverständlich.

Dennoch: ich bin weder Therapeutin, noch Psychologin, möchte deshalb an dieser Stelle an alle Mitfühlenden und Betroffenen appellieren, sich nach psychologischen Erstberatungsstellen umzusehen, wenn der Leidensdruck zu groß wird. Ihr seid nicht alleine.

Wer seine eigene Geschichte verbloggen möchte, kann dazu gerne den Hashtag #familyeatingdisorders verwenden und mir einen Link dazu senden oder einen Kommentar hinterlassen.

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