Alpine Divorce – noch nie gehört? Ich auch nicht, bis vorige Woche.

Der Ausdruck „Alpine Divorce“ taucht bereits 1893 in der Kurzgeschichte „An Alpine Divorce“ des Schriftstellers Robert Barr auf. Darin spielt ein Mann mit dem Gedanken, seine Frau während einer Bergtour in den Schweizer Alpen „versehentlich“ in den Abgrund zu stoßen (Haha, wie lustig, Herr Barr!).

Auslöser der aktuellsten „Alpine Divorce“-Debatte ist der Fall von Kerstin G., die im Januar 2025 bei einer anspruchsvollen Tour über den Stüdlgrat am Großglockner ums Leben kam.

Ihr 36-jähriger Begleiter Thomas P. setzte den Aufstieg in der Nacht alleine fort – und ließ die 33-Jährige zurück. Sie verbrachte die Nacht bei extrem niedrigen Temperaturen im Hochgebirge und starb schließlich an den Folgen der Kälte.

Der Staatsanwaltschaft zufolge habe der erfahrene Partner die entkräftete und desorientierte Frau schutzlos zurückgelassen, anstatt sofort den Notruf abzusetzen und Hilfe zu organisieren. Die erheblichen Verzögerungen, die auf der Stecke oberhalb des Frühstücksplatzls aufgetreten sind, seien zudem ein deutlicher Hinweis darauf, dass es Kerstin G. schon früh physisch wesentlich schlechter gegangen sei als Thomas P. dies angeben habe. Für die letzten 250 Höhenmeter habe das Duo zehn Stunden gebraucht. Selbst ich als Laie hätte erkannt, dass sich da etwas nicht ganz ausgeht.

Zwischen 22:30 und 22:50 Uhr am 19. Januar 2025 flog ein Alpinpolizei-Hubschrauber das Paar in der Nähe des Gipfels ab und leuchtete es an. Laut Anklage gab Thomas P. kein Notsignal (wie das internationale „Y“-Zeichen oder ein Winken) an den Hubschrauber. Die Bergrettung hatte zudem versucht, den Beschuldigten nach dem Hubschrauberüberflug mehrfach zu kontaktieren, woraufhin er laut Anklage nicht reagierte – obwohl er Empfang hatte!!!111

Was für ein Price Tag

Im Februar 2026 wurde der Mann vom Landgericht Innsbruck wegen grob fahrlässiger Tötung verurteilt. Das Gericht verhängte eine fünfmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 9.600 Euro.

Der Fall erregt gerade international Aufmerksamkeit und löst eine intensive Diskussion über Verantwortung, Sicherheitsentscheidungen und … Vertrauen in Männer im Bergsport aus. Der Typ hat zuvor schon eine Partnerin während einer Tour allein zurückgelassen. Dazu sag ich nur: #TrustHisEx.

Tbh, mich schockiert eigentlich nicht mehr so viel. Aber dass Männer auf die Idee kommen könnten, ihre Frauen AM BERG loszuwerden? Darauf wäre selbst ich nicht gekommen. Frauen am Berg zurückzulassen ist nur auf den ersten Blick weniger gewaltvoll, als ein Mord mit einer Waffe. Es ist feige, es ist skrupellos und ekelhaft; die Unerfahrenheit einer Person auszunutzen.

Wenn es eine Gefahr am Berg für Frauen gibt, dann sind es österreichische Cis-Heten-Männer.

Wurdet ihr schon mal beim Wandern provoziert, ausgelacht, degradiert oder zurückgelassen?

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