Wie unterschiedlich kann eine ADHS-Diagnostik bitte ablaufen, Frau Monzel (psychologische Psychotherapeutin)?


Am 23. Januar ging auf meinem Insta-Account ein Posting namens „Fragwürdige Diagnostik Part 1“ viral, in dem ich mich kritisch mit der Fremdanamnese bei ADHS- und Autismus-Diagnosen auseinandersetzte. Ich schrieb (fälschlicherweise), dass mensch die Diagnose ohne den „korrekt“ angekreuzten Fragebogen eines Elternteils nicht bekommt – weil genau das bei mir passiert war.
Da waren plötzlich überall Menschen, die meinten, sie hätten auch ohne Fremdanamnese eine ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter bekommen; stattdessen einfach ihre alten Schulzeugnisse hergezeigt und selbst über ihre Kindheit gesprochen. Menschen widersprachen mir beinahe schon sekündlich, und ich kam mir sehr schnell, sehr blöd vor.
Da ich noch nie mit jemandem über meine ADHS-Diagnostik gesprochen hatte, war ich einfach davon ausgegangen, dass die Vorgehensweise bei meiner Diagnostik schon so stimmte. Es könne da doch nicht zig verschiedene Herangehensweisen geben, schließlich handelt es sich hier um etwas so Ernstes wie eine Diagnose. Mir fehlte mir nicht nur der Vergleich. Ich hatte auch zum ersten Mal das mulmige Gefühl, bei einer schlechten Praxis gelandet zu sein.
Die uneindeutige Fremdanamnese führte jedenfalls dazu, dass bei mir im Jahr 2025 keine ADHS-Diagnose vergeben werden konnte, wenngleich (und das ist ja das Paradoxe) „Hinweise auf das Vorliegen einer ADHS erkennbar sind“. So steht es im Abschlussbericht.
Das Posting hat inzwischen über 4.000 Likes – und die Erfahrungen, die mir Menschen sowohl unter dem Posting, als auch per DM über ihre teilweise echt unprofessionelle ADHS-Diagnostik schildern, könnten nicht unterschiedlicher sein. TL;DR: Ich war jedenfalls absolut nicht alleine mit meiner Erfahrung und der nicht vergebenen Diagnose. Nur darüber öffentlich schreiben, das wollten die wenigsten.
In den Kommentaren habe ich auch Julia Monzel kennengelernt. Sie ist psychologische Psychotherapeutin und arbeitet ambulant in eigener Praxis, wo sie auch Diagnostik zu ADHS und ASS durchführt. Sie hat mir ein Interview für groschenphilosophin zum Thema ADHS-Diagnostik gegeben, das ich in voller Länge meinen Paid-Subscribern zur Verfügung stelle. Ausschnitte können auf Instagram gelesen werden.
Da ich mich erst seit ein paar Jahren mit diesen beiden Themen beschäftige – und es im Saarland ein tolles Netzwerk aus Kolleg*innen gibt, die ihr Wissen gerne weitergeben – bin ich direkt in die neuere, bereits am ICD11 orientierte Diagnostik reingerutscht. Ich musste demnach nur „neu lernen“, nicht umlernen.
Bei Psychischen Diagnosen ist der klinische Gesamteindruck entscheidend, der sich auf verschiedene Informationsquellen stützt.
Bei ADHS haben wir Fragebögen, Interviews, Testpsychologie, usw. die sind aber alle nur hinweisgebend für die Diagnose. Entscheidend ist das diagnostische Interview und der klinische Gesamteindruck. Hier kommt der „menschliche Faktor“ mehr zum Tragen, als z.B. bei der Interpretation von Laborwerten. Werden die Symptome explizit genug geschildert? Sind die Fragen verständlich? Erinnert der/die Patient*in Beispiele für verschiedene Situationen?
Dann legen verschiedene Stellen legen die Diagnosekriterien unterschiedlich streng aus. ADHS muss in der Kindheit vorgelegen haben. Ohne Fremdbefunde und bei nicht erinnern wird es schwierig das rückblickend festzulegen. Einige lösen sich dann davon, andere nicht.
In Bezug auf die Fremdbefunde ist es auch so, dass sich die Diagnostik bei Erwachsenen anfangs sehr an der Diagnostik bei Kindern und Jugendliche orientierte. Auch aus pragmat…
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