Es ist 2026, und alle meine Bekannten posten cute Party-Fotos aus ihren Zwanzigern auf Instagram. Ich hingegen habe 2016 an einem deutschen Universitätsklinikum meine Wischi-Waschi-Autismus-Diagnose bekommen – und sie nie öffentlich gemacht.

Warum eigentlich?

Der Hauptgrund lag lange Zeit in dem Satz „Aber Autismus ist ja gar keine Störung“ begraben. Einer Aussage, die ich selbst geglaubt habe. Die ich mir zu eigen gemacht und hier inzwischen gründlich auseinandergenommen habe.

Ein weiterer Grund war, dass meine Diagnose seltsam verlaufen ist (dazu später mehr). Noch einer, dass ich mich erst jetzt, mit Mitte 30, gesettelt genug fühlte, um darüber zu schreiben.

Und dann ist da noch der ganz praktische Teil:
Ich muss heute keine Angst mehr haben, als Autistin „nie wieder einen Job“ zu finden – weil ich als Schriftstellerin arbeite und damit ein bisschen raus aus dem Schneider bin.

Kurz gesagt: Ich habe sehr lange geschwiegen. Aus Verwirrung, aus internalisiertem Ableismus, aus Anpassung, aus Angst vor meinen Verwandten und weiterer Marginalisierung.

Und ich schreibe jetzt, weil all das nicht mehr reicht, um meinen Autismus zu verstecken (was eh nicht geht) und mich für ihn zu schämen.

Na denn, liebe Supporter. Los geht’s.
Hier kommen 21 mehr oder weniger gute Gründe, warum ich meine Autismus-Diagnose nie public gemacht habe.

  1. Meine Mutter meinte, ich als ihr „perfektes Kind“ könne nicht autistisch sein und wenn das meine Mutter sagt? (Sie sagte übrigens auch Dinge wie: „In der Tschechoslowakei damals gab es keine Schwulen“ – was ihre Glaubwürdigkeit als Quelle glaube ich … ganz gut verdeutlicht.)
  2. Das standardisierte Fragebogen-Diagnose-Verfahren an besagtem renommierten Universitätsklinikum fühlte sich ziemlich random und imho wenig aussagekräftig an.
  3. Wenn die Fragen schon so unpräzise formuliert waren, wie sollten dann meine Antworten darauf überhaupt aussagekräftig für die Autismusdiagnostik sein? (Ist nicht genau das typisch autistisch, dass ich den Fragebogen konzeptionell wie inhaltlich fragwürdig fand?)
  4. Nach drei Sitzungen bekam ich das Ergebnis mündlich von einem Art „Chef“-Psychiater präsentiert, den ich noch nie gesehen hatte. Er schien selbst nicht so genau zu wissen, was er aus den Testergebnissen vor sich schlussfolgern sollte und drückte s…

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