Wenn ich wissen will, ob mein Gegenüber ein arrogantes Arschloch ist, brauche ich nur meinen neuen Wohnort erwähnen.

  • Wie? Du wohnst freiwillig im 10.?“
  • Ohje, … im Zehnten?“
  • „Da musst du aber schon gut auf dich aufpassen, gell ;))“

Ja, es ist wahr – ich bin ich den FURCHTBARSTEN BEZIRK Wiens gezogen. Und das freiwillig! Was für viele Bewohner der inneren Bezirke 5, 6, 7, 8 oder 9 unmöglich scheint, ist für mich … absolut kein Grund zur Sorge.

Im Gegenteil: Ich kann es nicht verstehen, warum so viele Menschen ihre Identität über die Postleitzahl definieren, sich niemals aus ihrem Privilegierten-Kiez rund um die Zollergasse hinausbewegen oder sich eher verschulden würden, als aus dem Prenzlauer-Berg wegzuziehen.

Da nimmt man die überteuerten Mietpreise, die überteuerten Poké-Bowls und die Wochenend-Touris doch liebend gerne in Kauf für diesen ganzjährigen … Luxus.

Wohnortarroganz ist ein neues Wort, das ich aus Betroffenheit für dieses Phänomen „erfunden“ habe. Denn es zeigt sehr schön auf, was Menschen unter einem „guten Leben“ verstehen – und, was nicht.

Für viele ist es eben kein schönes Leben, (auch) neben Migras, Geflüchteten und Arbeitern nichtdeutscher Herkunft zu wohnen. Und obwohl die oft hochgebildeten Grätzl-Snobs sich selbst natürlich nicht als Rassisten und Klassisten begreifen, offenbaren sie mit ihrer Wohnortarroganz doch so manches Vorurteil.

Na dann – viel Spaß bei diesem lange überfälligen Rant.

Suche den Podcast: “Death, Taxes and Neglecting my Fitness“.

 

 

 

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