„Jetzt, wo plötzlich jede*r angefangen hat seine Meinung für sich zu entdecken, mangelt es Instagram wahrlich nicht mehr an provokanten Statements, verkürzten Aussagen und Information-Overload.“ — dazu: Wenn es einen Satz gibt, den ich auf Instagram immer wieder in den Kommentarspalten solcher Art von Postings lese und der mich jedes Mal angeekelt zurücklässt, ist es dieser: Danke fürs sichtbarmachen. Oft gepaart mit: Danke für deine wertvolle Arbeit und einem Gebetsemotikon.
Ich bin nicht dagegen, Menschen für ihr Arbeit wertzuschätzen oder gar dankbar dafür zu sein und das der entsprechenden Person auch zu sagen. Was mich so zusammenzucken lässt ist wohl eher die Frequenz. Diese Sätze stehen unter jedem lahmen Posting, ich hab den Eindruck, die einzige Voraussetzung für diese Art von Dankbarkeit ist es, sich dem Möchtegernaktivist*innen Bullshitbingo komplett zu unterwerfen. Völlig egal, wie gut formuliert eine caption ist oder ob das tatsächlich mal was Neues war.
Wer diese Sätze verwendet ist doch metertief drin im Instacosmos und hat bereits spitzgekriegt, dass es voll wichtig ist, diese unbezahlte Arbeit mal zu wertschätzen, am besten mit einem Kommentar und zusätzlich damit, den Post zu speichern (oder so). Also erzähl mir keine*r, dass die gehuldigte Information tatsächlich gerade neu war. Mittlerweile weiß sogar mein Vater was tone policing ist, ganz ohne social media accounts.
Das ist so eine Oberflächlichkeit, in der sich dieser inflationäre „Aktivismus“ spiegelt und gehört mit zu den Gründen, warum ich so gar kein Bock mehr habe, mich auf Instagram selbst fortzubewegen. Als Distributionskanal für mein privates Blog funktioniert das für mich jedenfalls nicht, auch nicht zum Communityaufbau, weil es mir schlicht zu aufwendig und zu anstrengend ist, den richtigen Ton zu treffen. Ich hasse mittlerweile meine eigene Bubble. Wtf. Dann kommen noch alle möglichen algorithmisch bedingten Quälereien hinzu und letztlich bin ich mir irgendwie zu fein dazu, mich in die Maschinerie einketten zu lassen.

Lange Rede. Ich bin in deinem Fall jedenfalls tatsächlich sehr froh, dass ich mit diesem Unwohlsein nicht allein bin und es tut unfassbar gut, wenn es eine mal auf den Punkt bringt. Ganz unironisch also: Danke fürs sichtbar machen.