Danke für diesen tollen Text. Ich musste ihn direkt zweimal lesen, da ich an vielen Stellen nicken, aber auch gerne was hinzufügen wollte.

Deine Kritik, dass (politische) „Bildungsarbeit“ auf Instagram von Nicht-Profis gemacht wird, kann ich total unterschreiben. Als Politik-Lehrerin weiß ich nämlich wie aufwendig der Weg zu dieser Expertise ist und diese nicht mit einer kurzen „Recherche“ abgedeckt ist. Fehlende oder unseriöse Quellen sehe ich auch sehr oft und ich denke mir: Bräuchten wir vielleicht alle erst einmal einen Grundlagen-Kurs „Medienkompetenz“ bevor wir Social Media nutzen? Denn unser Nutzungsverhalten ist ja auch total ausschlaggebend wie gut die Inhalte sind oder ob nur immer wieder die gleichen Basic-Infos geteilt werden.

Dass Politisch-Sein jetzt aktuell zu einem „Trend“ wird, erfreut mich generell ja schon, wobei ich mich auch frage in welchen Kreisen dieser „Trend“ überhaupt stattfindet – also bei meinen Schüler:innen ist da noch nicht viel von angekommen. :D

Wenn sich der politische „Aktivismus“ dabei dann auch nur auf Soziale Medien beschränkt, würde ich diesen auch eher als performativ beschreiben. Problematisch wird das insbesondere, wenn er nur dazu dient anderen was zu verkaufen. Wenn dann noch oben drauf kommt, dass Inhalte von eh schon marginalisierten Gruppen für kommerzielle oder selbstdarstellerische Zwecke geklaut werden, hat das absolut nichts mehr mit politischen Aktivismus zu tun!

Zur Problematik der Bubble(s), die immer wieder die gleichen Inhalte – insbesondere zum „Irgendwas-Tag“ – reproduzieren: Oh ja, das ist mir auch schon so viele Male ungemein auf die Nerven gegangen. Auch hier frage ich mich, warum sich so viele Accounts regelrecht gezwungen sehen an solchen Tagen einen eigenen Post zu erstellen, statt Inhalte anderer Accounts (wie beispielsweise NGOs) zu teilen. Ob das auf eine Präpotenz oder ein Bedienen des Algorithmus zurückzuführen ist, mag ich nicht zu beurteilen. Schade finde ich es jedoch sehr und bei mir hat es zu diversen Deobonnements geführt.

Dein Schlenker zu der Frage, ob sich denn jede:r wirklich so mit Themen auseinandersetzen kann, wie es von manchen Insta-Accounts gefordert wird, finde ich auch enorm relevant, da das gerne mal ignoriert wird. Ich sehe es selbst in der Schule, dass meine Schüler:innen einfach nicht aus Haushalten stammen, die politisches Denken gefordert oder gefördert haben – da muss ich oft genug bei Null beginnen und das obwohl sie 16 Jahre und älter sind…

Zu deinem letzten Punkt würde ich hinzufügen wollen, dass es sehr von unserer eigenen Bereitschaft abhängt, wie viel wir auf Instagram „lernen“ können. Ich persönlich habe dort viele Tipps für Bücher, Filme, Serien und Veranstaltungen mitgenommen und dann dort oder daraus wirklich vertiefend gelernt. Denn Lernen ist ein Prozess und es ist absolut nicht damit getan „mal eben durch Insta zu scrollen“.

Okay, das ist jetzt ein längeres Feedback geworden, aber das bedeutet, der Text hat bei mir viel bewegt. Also nochmal Danke dafür. :)