Ich habe mich schon hunderte, wenn nicht gar tausende Male gefragt, ob ich den Beruf der Autorin gewählt hätte, wenn ich vorher über einen Beipackzettel über seine Schattenseiten informiert worden wäre. Wenn da jemand in der Berufsberatung gesagt hätte:

„Passen Sie auf sich auf! Auf ihre Psyche, auf das, was das Schreiben mit ihnen ganz persönlich als Mensch macht, aber auch als Freundin. Tochter. Cousine. Enkelin. Nichte. Partnerin. Es wird Sie in der Zukunft selten nur als Privatperson geben. Außenstehende werden Ihnen aufgrund ihrer Texte Eigenschaften andichten, die Sie unmöglich und noch dazu als falsch empfinden. Und wenn Sie Pech haben, werden Sie sowohl ihre eigenen, als auch die Verwandten ihres Freundes ganz genau unter die Lupe nehmen. Die werden davon ausgehen, dass Sie sich für etwas Besonderes halten! Warum sonst würden Sie so viel zu sagen haben? Und das auch noch als Frau, ich bitte Sie, überlegen Sie sich das gut. Vielleicht passt etwas anderes Besser, etwas, womit Sie sich weniger angreifbar machen und abends auf der Couch abschalten können.“

Hätte ich mich angeekelt abgewendet? Hätte ich mich umentschieden? Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass in meiner Schule neben Jobs wie Key-Account-Manager oder Personaler jemals der Beruf der Autorin gefallen wäre. Journalistin vielleicht noch, denn mit den kurzen, reißerischen Textschnipseln aus der Heute-Zeitung konnten die meisten Mitschüler*innen etwas anfangen und so war es auch für mich die erste greifbare Profession, die ernsthaft für mich in Betracht kam.

Während mir ein Bekannter auf WhatsApp schreibt, dass er sehr froh ist, „nicht in meinen Schuhen“ zu stecken und „in der Öffentlichkeit“ stattzufinden, frage ich mich, ob er auch einmal daran gedacht hat, dass Letzteres zur massenwirksamen Publikation dazugehört.

Auf das, was ich tue, gibt es nur zwei Reaktionen: Verwunderung, oft gemischt mit Entsetzen. Oder Bewunderung, manchmal mit einer Prise Nachahmungsdrang.

Die Alternative wäre, niemals veröf…