Zu frech, zu laut, zu aggressiv – immer diese Nicole Schöndorfer. Österreichische Journalisten haben Angst vor ihr, viele verwechseln ihre stets argumentativ untermauerten DruKo-Analysen mit einer Publikumsbeschimpfung.

Und sie selbst? Hat sich innerhalb eines Jahres von 6.000 Followern auf 21.000 Follower auf Twitter und zu einer der wichtigsten antikapitalistischen Stimmen Österreichs hochgeschrieben.

Wir sprechen in einer neuen Folge “Tired Women” (überall wo es Podcasts gibt) über ihr Œuvre, den Alltag als Enfant Terrible und den Mann ihres Herzens.

1. Wie muss Kritik formuliert sein, dass du darauf eingehst?

Ich habe mit der Zeit ein gutes Gespür dafür entwickelt, auf welche Kritik es sinnvoll ist, einzugehen und auf welche nicht. Ich muss merken, dass da ehrliches Interesse an Weiterbildung und eine Bereitschaft zur Reflexion besteht. An offensichtliche Maskus, Nazis oder Liberalos verschwende ich hingegen keine Energie. Die ignoriere ich oder ich mache mich über sie lustig. Damit wir alle etwas davon haben.

2. Siehst du dich als Vorbild für junge Mädchen?

Wenn Vorbildsein bedeutet, dass ich junge Frauen mit meinen Inhalten in ihrer feministischen Einstellung und Entwicklung bestärken, potenzielle Struggles ein wenig entwirren kann und sie sich durch meinen Input vielleicht genauer einlesen und wiederum andere mitnehmen, dann bin ich sehr gerne ein Vorbild.

3. Wie reagierst du darauf, wenn Influencer heimlich bei dir mitlesen und deinen Sprech klauen?

Gute Frage. Ich merke es meistens, aber solange es kein krasses Plagiat ist, spreche ich die Person nicht darauf an, verpacke den Klau eher in eine allgemein gehaltene Lehre oder denke mir naja, wenigstens wird so die message weiter verbreitet. Kommt aber immer darauf an, wer klaut. Bei Männern bin ich strenger.

4. Hast du vor, die DruKos abzuschaffen?

Solange mir die Jokes nicht ausgehen, nicht.

5. Warum ist Radikalität in unserer heutigen Zeit unbedingt notwendig?

Ohne Radikalität wird sich nichts ändern. Kritik und Veränderung immer nur im Rahmen der systemkonformen Möglichkeiten anzubringen und einzufordern, wird die Verhältnisse nicht umwerfen. Und genau darum muss es uns gehen, um das gute Leben für alle zu garantieren.