Geplant war es nicht, dass Katharinas neuer Freund Paul Mitinhaber ihrer Bar werden würde. „Ich habe das Projekt mit zwei Freunden im August 2013 gestartet. Frei nach dem Motto: geteiltes Leid ist halbes Leid, und zu dritt machen wir das schon!“ Als dann einer der beiden Mitgründer nach nur knapp einer Woche wieder absprang, weil die Bar doch zu viel Arbeit machte, wurde schnell klar: Wenn das Vorhaben ein Erfolg werden soll, muss Katharina sieben Tage die Woche ran. Einmal in der Frühschicht, einmal in der Spätschicht.

Ihr Freund Paul befand sich gerade in der Ausbildung zum Tischler. Anfangs hat er Katharina noch bei ihren Spätschichten und am Wochenende beigestanden, um später gemeinsam mit ihr nach Hause zu fahren. „Man hat wenig geschlafen, auf jeden Fall.“ Katharina lacht. „Dadurch, dass wir so frisch verliebt waren, hat das eigentlich auch gut geklappt. Immer wenn ich gearbeitet habe, kam er in den Laden und hat mir dort Gesellschaft geleistet.“ Ausgehen? Feiern mit Freunden? War nicht drinnen. Das Leben spielte sich in der Bar ab, die schnell zum beliebtesten Treffpunkt der veganen Szene in Berlin avancierte.

Fix ins Business eingestiegen ist Paul nach dem Ende seiner Ausbildung Mitte 2015 – nach inzwischen zwei Jahren Beziehung. „Er war sehr früh der Meinung, dass ich Hilfe bräuchte. Darum gebeten habe ich ihn nie“, sagt Katharina. Letztlich ließ sie sich dazu überreden und ihn einfach machen. Arbeit gab es schließlich genug, warum also nicht die Menschen miteinbeziehen, die sowieso für einen da sind?

Ich habe dich nie gefragt, du warst einfach dabei!

Was am Anfang Aufregung und Spannung bedeutete, war am Ende keins von beiden. Die Bar und die Beziehung, so Katharina, gingen gemeinsam stetig den Bach runter.

Gehapert hat es auch an Pauls Verständnis gegenüber Katharinas Selbstständigkeit. „Schon zu Beginn war er genervt davon, dass ich immer auf mein Telefon gekuckt habe. Dabei musst du das tun, als Selbstständige, falls jemand etwas braucht!“

Nicht nur Paul hatte Probleme mit Katharinas verschärftem Fokus auf die Bar. „Die wenigstens haben verstanden, was es bedeutet, ein Unternehmen zu gründen. Da sind auch viele Freundschaften kaputt gegangen, im ersten Jahr. Viele haben nicht gecheckt, dass ich abends nicht mehr ausgehen wollte, weil ich morgens früh aufstehen musste. Oder dass ich länger geblieben bin abends, wenn der Laden bummsvoll war. Dann waren alle sauer auf mich.“ Situationen wie diese gab es ständig.

Die Bar hat nicht gesagt: “Ja, ist schon okay, dann machen wir halt einen Tag frei!”

Spätestens kurz vor der Hochzeit mit Paul gab es für Katharina erste Anzeichen, dass die Kombination „Beziehung auf Arbeit“ keine passende für das Paar ist. „Vier Monate vor der Trauung sind wir in eine größere Location gezogen. In einer Woche haben wir den kompletten Laden renoviert und uns die ganze Zeit nur gestritten. Gestritten, gestritten, gestritten.“ Zwei Wochen vor der Hochzeit stand nach einem Unwetter sogar der Keller unter Wasser. Nicht nur ein finanzieller Genickbruch.

Der Knackpunkt, so Katharina: „Dass du zusammenlebst und zusammenarbeitest und dir einfach keine neuen Geschichten mehr erzählen kannst. Du ärgerst dich über die gleichen Sachen, die Angestellten, die Zahlen. Wer geht einkaufen, wer macht was. Wir hatten nie private Zeit.“

Frei hatte ich nur, wenn der Laden zu war.

Zweimal in vier Jahren waren die Frischverheirateten im Urlaub. Aber auch das bot keine Entspannung, schließlich war Katharina nach wie vor Chefin und damit auch für kleine Unstimmigkeiten im Betrieb für ihre Angestellten erreichbar. Nicht über die Arbeit zu sprechen, fiel den beiden schwer. „Irgendwann haben wir beide nur noch in die Luft gestarrt. Das war schon traurig, als wir uns nichts mehr zu sagen hatten.“

Im Sommer 2017 verkaufte Katharina die Bar. Paul hatte sich schon einige Monate vorher rausgenommen. „Wenn es nur mein Laden gewesen wäre, und er hätte sich weiter seiner Tischlerarbeit gewidmet, dann hätte so jeder seines gehabt. Keiner hätte sich auch noch in dieser Hinsicht für den anderen verantwortlich gefühlt“, sagt sie. Die beiden leben heute in Scheidung.

Die Bar zu verkaufen fühlte sich laut Katharina an wie Schlussmachen, obwohl du die Person noch liebst. Das aufzugeben, „war wirklich, wirklich hart.“ Sie hatte etwas Fantastisches aufgebaut, das alle wahnsinnig toll fanden. Außer das eigene Privatleben.

Heute lebt Katharina nicht mehr in Berlin und ist froh, dass diese Zeit vorbei ist. Noch einmal würde sie dieselben Fehler nicht machen. „Ich bin lieber Kollegin, als Chefin.“

Tipps von Katharina

  1. Kläre, ob du gerne Chefin wärst

Ich würde heute kein Business mehr aufbauen, in dem ich die Chefin von vielen Angestellten wäre. Außerdem würde ich jemanden bezahlen, der die Personalplanung übernimmt. Zudem werde ich gerne gemocht und bin nicht besonders gut darin, Aufgaben zu verteilen.

  1. Freunde anzustellen kann sich als schlechte Idee herausstellen

Als ich den Laden verkauft habe, hat das großen Unmut bei den Angestellten hervorgerufen. Sie meinten, ich hätte ihnen das Vorhaben viel früher erzählen sollen – nachher waren dann alle sauer aufeinander.

  1. Lerne, Dinge abzugeben und damit zurechtzukommen

Auch, wenn das Ergebnis anders ist, als wenn du die Aufgabe selbst erledigt hättest.