Zugegeben: Lange Zeit gehörte ich zu jenen, die ihr Instagram pünktlich zum Boarding vom Handy löschten und den Laptop zuhause in der Nachttischschublade versteckten. Im Urlaub, so sagte ich mir, wird endlich mal dieses „richtige Leben“ genossen, und wer ständig auf den Bildschirm starrt bekommt ja nichts mit von seiner Umgebung. Ich geiselte mich selbst strenger als Doris Knecht ihre Teenie-Zwillinge mit Handy-, Laptop- und Kreativverbot und klebte geistige „Verboten“-Sticker auf alle elektronischen Geräte, die mir sonst lieb und teuer waren.

Im Urlaub hatte ich gefälligst zu entspannen, mir den Himmel und alle umliegenden Gebäude im Umkreis von 100 km anzusehen und schlaue Bücher zu lesen. Am besten Dostojewski und Musil zugleich! Frei nach dem Motto: man kommt ja sonst nicht dazu und ein bisschen Zwang hat noch niemandem geschadet! Oh Lord, wie falsch ich lag.

Im Februar vergangenen Jahres dann, als ich mit zwei Freundinnen für drei Wochen nach Sri Lanka reiste, überfiel mich schon am dritten Tag eine heftige Schreiberitis. Ein Spannen in der Brust signalisierte mir deutlich, dass da dringend Gedanken rausmüssen, bevor sie mir in alle Richtungen aus der Nase schießen.

Natürlich hatte ich meinen Laptop nicht dabei, denn siehe oben. Meine Freundin A. allerdings schon (wenn auch zum Doku-Schauen vor dem Einschlafen) und so war ich es, die ihr das Gerät manchmal schon frühmorgens aus dem Rucksack stahl, um Gedanken für mein Buch niederzuschreiben.

Die bewusste „Abkoppelung“ von der Welt da draußen, der Rückzug in eine vermeintlich sichere Offline-Welt, in der ich nichts mehr mitbekomme vom beruflichen Gewusel anderer – all das waren sicherlich nachvollziehbare Gründe, warum ich immer wieder versuchte mich für einen bestimmten Zeitraum abzunabeln, ohne zu hinterfragen, ob ich langfristig nicht doch lieber einen gesunden Umgang mit den mir gegebenen technischen Möglichkeiten im Urlaubsalltag, statt Panik vor dem Öffnen der Apps beim Nachhausekommen hätte.

In meiner „Schreib mich nicht an“-Anxiety hatte ich ganz vergessen, wie viel Spaß es macht, jeden Blödsinn zu fotografieren, Grimassen zu schneiden und sie im Anschluss ohne Filter unbedarft hochzuladen. Inzwischen habe ich sogar extra dafür einen neuen, privaten “Fun-Account” angelegt, um meinen professionellen Kanal nicht mit Hihi-Haha-Content zu verhunzen, und siehe da: ich habe wieder so viel Freude an Social Media wie schon lange nicht mehr. Weil der Druck raus ist, auch im Urlaub on Brand zu performen.

Auf meiner professionellen Seite hingegen habe ich Posts mit Later vorgeplant, sodass keiner merkt, dass ich wirklich weg bin – und ich sag’s euch: beim Frühstück zu sehen, was für Kommentare unter den getimten Posts erscheinen macht im richtigen mental state sogar Bock! Ich mag es, ein leichtes Arousal zu spüren. Wach zu werden im Strom der Likes und Reposts. Auch im superentspannten Wohlfühlurlaub.

Oder, Gegenfrage: Wenn nicht im Urlaub, wann dann habe ich schon Zeit für ausführliche Up-Dates und News-Binge-Sessions? Wenn nicht in einer abgelegenen Finka, wo dann werde ich abends wieder so motiviert zum MacBook eilen as if it was 2010, um die Ereignisse des Tages festzuhalten? Nach getaner Arbeit zuhause auf dem Sofa? Eher nicht.

Reisen wird nicht umsonst als eine Quelle der geistigen Inspiration gesehen. Es wäre schade, sie absichtlich auszumerzen, nur um ab 21 Uhr an die Wand zu starren.

Und wer jetzt denkt: „Ja, aber was ist mit den tollen Gesprächen am Lagerfeuer und überhaupt, muss man denn ständig produktiv sein?“ Nein, natürlich muss man nicht produktiv sein – aber genau das ist ja das Tolle im Urlaub. Das, was ich hier tue, geschieht komplett unabhängig vom Druck, produktiv sein zu müssen, etwas abgeben zu wollen oder „noch schnell“ ein Exposé zu überarbeiten. Es erinnert mich daran, 21 zu sein und wahrhaftige Lust aufs Schreiben zu verspüren.

Es geschieht trotz oder gerade aufgrund der guten Gespräche und kurvigen Autofahrten. Weil ich es so möchte. Und was gibt es Besseres, als Selbstbestimmung?

Wenn es mich gar nicht bockt, kann ich den Laptop auch vierzehn Tage zu lassen.

Aber ihn nicht da zu haben, wenn es in den Fingern juckt?
Not any more.

Was denkt ihr? Wie handhabst du Digital Detox?