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5. Dezember 2018
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Es ist gleichzeitig ziemlich harmlos, repräsentativ und widerlich, was mir gestern passierte: nachdem ich ein altes Foto aus einem Flugzeug ausgegraben und begleitet von einem Text von „Soap and Skin“ über den Tod gepostet habe, hat sich jemand moralisch dazu verpflichtet gefühlt mir mitzuteilen, dass „fliegen doch total uncool sei!“ ODER ETWA NICHT GROSCHENPHILOSOPHIN? ODER ETWA NICHT?

Ein affektiver, komplett am Thema vorbeigeschriebener Kommentar, der mehr über den grassierenden Vorwurfs-Ton auf Instagram aussagt, als über mich und meine Arbeit. Schauen wir uns mal genauer an, was da schief läuft, zwischen exponierten Großaccounts und ihren stets auf der Lauer liegenden Followern.

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Der Kommentar kam von einer Userin, die mir – soweit ich mich erinnere, so genau checke ich das dann auch wieder nicht – sonst eher positiv als negativ begegnete. Jetzt hatte sie ihre Chance gewittert, mir endlich subtil eins reinzuwürgen. Weil ich offensichtlich dieses Jahr schon einmal ein Flugzeug betreten habe. Wie (fast) jeder andere verdammte Mensch auch.

Wie lange sie schon darauf gewartet hat, mir meine Ambivalenz aufzuzeigen?

Das Perfide an trolligen Kommentaren dieser Art ist, dass sie in letzter Zeit auch öfters auf Instagram vorkommen und damit ganz neue Seiten des unausgewogenen Machtgefälles zwischen “Großaccount” und “Follower” offenbaren. Begleitet werden sie mal von einem arroganten, mal lustig gemeinten, mal einfach nur selbstherrlichen Ton. Als ob sich da eine Horde neidiger Follower angesammelt hätte, die nur darauf wartet, dass jemand – in diesem Falle ich -, Mrs. Critical herself, endlich einen „Fehler“ macht, den sie mir um die Ohren knallen können wie eine toxische Mutterfigur, um sich selbst besser zu fühlen (“HAHA ERTAPPT!!!!”). Ein solcher “Fehler” kann dann auch sein, dass man eine Review zu einer App schreibt, die bezahlt wurde.

Sieht dann so aus:

What?! Commerical Influencering jetzt doch hier auf diesem Kanal? Nee, oer? Das ist echt enttäuschend, nach all dem Getöse um critical influencing und bashing gegen andere Influencer. Von mir gibt’s dafür leider ein Unfollow

Auch hier hatte ich nüchternerweise schon zum Zeitpunkt des Postings darauf gewartet, dass mir jemand genau soetwas Kurzgedachtes vorwirft. Obwohl ich nie gesagt habe, dass ich keine Kooperationen machen würde, ja, 2018 sogar schon welche abgeschlossen hatte und das sogar in meinen FAQs festhalte, fühlte sich die Person derart in ihrem Follower-Wohlbefinden angegriffen, dass sie mir die “Kündigung” ihres Follows in Heidi Klum’scher Manier unter die Nase reiben musste. „Böse Bianca! Schäm dich“ war die verborgene Message, mit der sie versuchte, mich zu maßregeln. As if I cared.

Auch, wenn es manchmal so aussieht, als sei ich die erste Anlaufstelle für Instagram-Customer-Service: ich bin es nicht. Ich entscheide selbst, wie ich Geld verdiene und ob ich guten Gewissens mit Kooperationspartnern arbeiten kann. Ich bin absolut niemandem etwas schuldig. Ich gaukle nichts vor, ich bleibe kritisch. Ich mache weder Schleichwerbung, noch beschönige ich Konsum.

Ja, sollten nicht gerade jene Nutzer wissen, die sich gerne besonders klug in den Kommentaren melden, dass man von ihren Likes und ihrer bösartigen, äh sorry, linken Gesinnung alleine auch keine Miete zahlen kann? Dass ihre Likes für meine kritischen Stücke nichts bringen, außer externe Validierung und nette Kennzahlenwerte fürs MediaKit. Leider überschätzen Follower wie ebengenannte trotzdem regelmäßig ihren Einfluss auf meinen Account beziehungsweise mein Business.

Geld, das man als Autorin im Internet verdient, ist nicht automatisch böse. Es sichert die Lebensgrundlage, auch, wenn es nicht von journalistischen Unternehmen kommt, die – Funfact – übrigens auch nichts anderes sind als kapitalistisch agierende Unternehmen. Oder wo kommen sonst all die Clickbait-Artikel her?

Was mich besonders verstörte, war, dass die Attacke so plötzlich kam. Dass sie sich nicht ankündigte, und wirklich erst dann ausbrach, als ich in den Augen einiger weniger Follower einen unverzeihlichen Fehler machte, den sie mir öffentlichwirksam mitteilen mussten. Weil ein Post von hunderten werblich war! Weil ich es gewagt habe, mich als Privatperson in ein Flugzeug zu setzen und zu einer Beerdigung zu fliegen!

Backstabbing, deluxue.

Der Ärger über meinen “Flugkonsum” kommt vermutlich daher, dass ich im Sommer einen Text über jetsettende Influencer verfasst habe, die sich für Marketingzwecke das Label „öko“ in die Bio schreiben und ihrer Nachwelt einen größeren ökologischen Fußabdruck hinterlassen als die englische Königsfamilie.

Dieser eine Artikel reichte also aus, um mir von nicht-unterstützenden, kostenlos content-konsumierenden Followern künftig das verhältnismäßig selten in Anspruch genommene Fliegen missgönnen zu lassen. Auch, wenn ich mich selbst explizit nicht als „öko“ brande, kein „slow living“ praktiziere, Fleisch esse und zwischen zwei Städten lebe, verliehen sie mir den Status einer Königin, die gefälligst so zu reagieren hat wie es sich das Volk wünscht. Bevor jetzt gleich der nächste Aufschrei passiert: das war natürlich überspitzt formuliert.

Als nächstes muss man sich als „öffentliche“ Person wahrscheinlich überlegen, ob man sein Essen postet, denn vielleicht ist da ja ein totes Tier drinnen und jemand da draußen weiß sicher besser, was “meinem Körper” guttut. Wo kommt denn das her? Und in den Urlaub fliegen darf man auch nicht mehr, auch nicht zu Weihnachten, weil Co2 und so. Am besten bleibe ich für immer in meiner Wohnung im Wedding eingesperrt, da kann ich dann auch nicht der Umwelt schaden und brav weiter kostenlos spaßige Insta-Storys produzieren, während de facto Großkonzerne weltweit für rund ein Drittel des Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich bleiben – und nicht Einzelpassagiere, die ihre Familie sehen wollen. Aber verlieren wir uns heute nicht in Einzelheiten.

Ich bin meistens offen für konstruktive Kritik, das gestern und letzte Woche war keine.

Ich werde meinen Insta-Account sicherlich nicht zu derselben Troll-Plattform verkommen lassen wie Twitter, auf der missgünstige Lurker zuhause vor ihren Smartphones darauf warten, mich und andere Accounts wegen einer “Missetat”, einer vermeintlich aufgedeckten Ambivalenz in den Dreck zu ziehen.

Blockieren ist keine schöne Angelegenheit. But so isn’t getting gemaßregelt.
Gut, damit hätten wir das Thema erledigt.

Auf ein Neues, Instagram.

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