Schon während ich aufs Boarding wartete, ist sie mir aufgefallen. Ich würde später erfahren, dass die Frau Amanda heißt. Sie hatte blaue Haare und einen ebenso ausgefallenen Kleidungsstil, der sie aus der Menge an graubraunen Winterjacken-Menschen herausstechen ließ. Es war kalt draußen, Minus fünf Grad. Wir alle wollten so schnell wie möglich ins Flugzeug, um nach Hause zu fliegen.

Wo auch immer das gerade war.

Sie stand zwei Plätze in der Reihe vor mir. Als ich dran war, meine Boardkarte vorzuzeigen, fiel mir auf, dass ich den Pass im Trolley versteckt hatte. Seit die Billigfluglinien nur noch ein Handgepäck pro Person zuließen, musste ich mir etwas einfallen lassen, selbst wenn die Lösung daraus bestand, meinen Reiserucksack in den Trolley zu packen, und damit alle Gegenstände, die darin verstaut waren.

Die Stewardess war sichtlich genervt, als ich meinen Pass nicht gleich zur Hand hatte. Ihre Genervtheit sprang auf mich über. „Kein Wunder dauert das hier so lange, wenn wir unsere ganzen Habseligkeiten in ein Gepäckstück quetschen müssen, um nicht 50 Euro Extra für einen Minitasche zu bezahlen“, murmelte ich vor mich hin – halb augenrollend, halb stirnrunzelnd. „Was für eine Abzocke.

Während ich die Schlange aufhielt und auf dem Boden nach meinem Pass kramte, erspähte ich Amanda im äußeren Rand meines Blickwinkels. Auch sie hatte die Regeln gebrochen. Wir lächelten uns zu. „I mean, I’d pay more beforehand if that meant not ending up in embarrassing situations like this all the time”, sagte sie zu mir. „Yeah, totally. If they tried tricking us into paying afterwards for a tiny piece of bag, they definitely counted on the wrong ones“, stimmte ich in ihre Beschwerde ein.

Amanda hatte ein Lächeln, mit dem sie mich sofort in ihren Bann zog. Es war so echt, so herzlich, wie ich es schon lange nicht mehr auf den Straßen Berlins erblickt hatte. Amanda war gebürtige Stockholmerin. Sie lebte mal hier, mal dort. Alle drei Wochen ging es für sie wieder zurück nach Schweden. Auf dem Weg zu unseren Sitzplätzen unterhielten wir uns über unsere Leben und stellten fest, dass wir vieles gemeinsam hatten.

Sie arbeitete als selbstständige Fotografin, ich als selbstständige Autorin. Erst heute morgen, so erzählte sie es mir, wartete sie im Facebook-Messenger auf eine dringende Nachricht von einem Kunden, den sie vor dem Flug nach Berlin in Södermalm treffen wollte. „He wrote me back like five minutes ago“, sagte sie, meinen verständnisvollen Blick erwartend.
Und bekam ihn.

Inzwischen waren wir beide bei unseren Sitzplätzen angelangt. Ich saß drei Reihen hinter ihr. Die Maschine war nicht voll, und so freute ich mich, als sie vorschlug, sich neben mich zu setzen. Wann p…