Von Herzen DANKE für diesen Beitrag.

Ich bin Mitte 2017 auf Laura Seiler und ihr Angebot aufmerksam geworden. Ich habe ihre Podcast-Folgen sehr gern gehört, habe ihr erstes Buch gekauft und auch an der RUSU 2019 teilgenommen. ― Ich bereue das nicht. Denn: Ganz grundsätzlich konnte ich mir viele Impulse für mein Leben mitnehmen und mich über Laura Seiler tiefer in die Thematik einarbeiten.

Aber dann vor zwei, drei Monaten begann mich irgendetwas zu stören, ohne dass ich es genau benennen konnte. Irgendwie waren die Inhalte immer wieder gleich. Und irgendwie auch so allgemeingültig-oberflächlich, dass ich mich darin kaum noch wiederfinden konnte. Und: Ich fand es bemerkenswert, als sie am Ende einer Podcast-Folge darum bat, ihr zweites Buch mit fünf Sternen zu bewerten. So als gäbe es gar keine andere Option. Hat für mich einen komischen Beigeschmack. Und spätestens da wurde mir auch klar, dass hier ganz viel Marketing und Geschäft läuft. (Etwa 10.000 Menschen haben 2019 an der RUSU teilgenommen und grob übern Daumen 300 Euro jeweils dafür ausgegeben. Das ist schon mal ein ganz netter Umsatz.)

Und dann immer dieses schlechte Gewissen: Wenn ich nämlich nicht jeden Tag dankbar bin für mich und mein Leben, nicht meine Träume lebe, finanziell unabhängig bin und vier Monate auf Hawaii überwintere, dann liegt das eben daran, dass ich nicht jeden Tag in mein Journal (für 25 Euro) geschrieben habe und nicht genug meditiert, visualisiert und manifestiert habe. Und schon wieder diese Schuldgefühle, dieses: “Du bist nicht gut genug!” Willkommen in der Hölle der Selbstoptimierung.

Und diese große Lüge: Auf der einen Seite erzählt mir Laura Seiler, dass ich alles, was ich brauche, bereits in mir trage. Und auf der anderen Seite soll ich dann aber bitte noch dieses Abo abschließen oder jenes Coaching machen, damit mir wieder jemand von außen erzählt, was mir im Inneren fehlt. ― Es ist toll, dass Coaches wie Laura Seiler viele Menschen erreichen können und dass diese Menschen mit der Fülle an Ideen in ihrem Leben etwas verändern können.

Aber dennoch sollte niemals die große Bedeutung einer persönlichen und vertrauensvollen Therapeut/Coach-Klienten-Beziehung unterschätzt werden. (Vor allem dann, wenn es wirklich schwerwiegende Themen, wie z.B. Misshandlung oder sexuellen Missbrauch, zu verarbeiten gilt.) Im echten Leben, wo man auch mal eine Hand halten oder ein Taschentuch reichen kann, einen Menschen über Monate (und vielleicht auch Jahre) hinweg begleitet und ihm wirklich nah ist.

Nochmal DANKE für diesen Beitrag.