Liebe Melina (die Kommentatorin ganz oben), hier winkt der maximale Unglücksfall.
Ich wurde Opfer meiner Eltern. Mein Vater hat mich erst sexuell missbraucht und mich dann windelweich geprügelt, über Jahre. Meine Mutter ist eine Narzisstin wie aus dem Lehrbuch und keine große Hilfe.
Lauras Zitat zum Thema Eltern ruft in mir genau die gleichen Gefühle hervor wie die Frage eines Therapeuten, ob ich die Handlungen meines Vaters nicht sogar provoziert hätte (ich war 14 und nach jahrelangem Martyrium endlich geflohen): Ohnmacht und Demütigung. Der Unterschied zwischen Laura und dem Therapeuten: Den Therapeuten konnte ich bei der zuständigen Kammer melden und er wurde aus dem Verkehr gezogen. Wer zieht Laura zur Rechenschaft? Sie handelt hier grob fahrlässig. a) haben solche Aussagen selbst für bereits therapierte und gefestigte Opfer wie mich ein hohes Triggerpotential. b) schiebt sie Opfern die Verantwortung für Dinge in die Schuhe, die außerhalb ihres Machtbereichs liegen. c) bergen solche Aussagen ein hohes Potential für eine Re-Traumatisierung.

Das Problem dabei: Gerade Menschen wie ich, mit einem tief geschädigten Urvertrauen, sind für die Masche dieser Coaches extrem anfällig. Es besteht eine Vielzahl an möglichen Unsicherheiten, eventuell gibt es noch viele Dinge aufzuarbeiten. Gleichzeitig ist das Urvertrauen so angeknackst, dass diese freundschaftliche, pseudo-vertrauliche Art, dieses “zu mir herabbeugen” Balsam für die Seele. Wer da weniger reflektiert oder einfach noch sehr instabil ist, verhält sich wie die Motte zum Licht – nur, dass das warm wirkende Licht ein fieser Insektengriller ist. Aufwärmen und weiterfliegen ist gar nicht vorgestellt.

Zum maximalen Unglücksszenario: Gewalt in Familien kommt so, so, so häufig vor. Allein 2017 sind 143 Kinder an den Folgen von Gewalt gestorben (der Bericht von der Pressekonferenz des Vereins Deutsche Kinderhilfe und des BKAs wird hier verlinkt, Quelle und so: https://amp.focus.de/familie/mobbing/auswertung-der-kriminalstatistik-2017-gewalt-gegen-kinder_id_9040177.html).
Soll heißen: Biancas Szenario ist für viele, viele, viele Alltag (gewesen). Umso gefährlicher ist dieses unreflektierte, undifferenzierte Vorgehen der Coaches.

Liebe Grüße!