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30. November 2018
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Ich bin sicher nicht die Einzige, der folgende Situation bekannt vorkommt: man steht am Flughafen, hat schon zwei Bücher im Koffer – aber noch Kapazitäten im Kopf für das eine oder andere Magazin im Wartebereich. Schön gemütlich schmökern, während gestresste Menschen mit Nackenpolster zu den Gates pilgern.

Nur… wie soll man bei der Auswahl eine Entscheidung treffen? Möchte ich später etwas über Psychologie – oder doch Geschichte lesen? Drei Tratschmagazine, oder etwas Ernsthaftes, für das ich mich nicht schämen muss? Ein hochwertiges Magazin kostet am Kiosk gerne mal 10 Euro – wer sich da auf einen Schlag für mehrere Wochen eindecken möchte, legt nicht selten 50 Euro hin, und muss den Stapel dann auch noch nach Hause oder von Hotel zu Hotel schleppen.

Wie schön wär’s, wenn es ein Spotify für Magazine gäbe, um flexibel zu bleiben. Überraschung. Gibt’s schon! Readly heißt die 2012 gegründete App aus Schweden, mit der man mehr als 3.000 nationale und internationale Magazine für 9,99€ im Monat lesen, herunterladen und speichern kann. Ideal also für Fernweh- und Fernbeziehungsgeplagte.

„Aber!“, schreit gleich schon der/die Erste, “wo bleibt denn da die Haptik? Ich möchte doch Papier riechen und fühlen können!“ Ja, Peter, ich weiß. Genau deshalb hab ich das Angebot für dich mit einem iPhone 6s auf seine Stärken und Schwächen getestet.

Magazin-Auswahl (3/5)

Alright, ich oute mich hiermit als untreue Magazin-Seele. Ich besitze kein einziges Magazin-Abo. Sprunghaft wie ich bin entscheide ich lieber spontan, was ich heute auf einer Bahnfahrt lesen möchte. So ist die umfangreiche und internationale Readly-Auswahl für mich natürlich ideales Fressen.

Von meinen Lieblings-Klatschzeitschriften Grazia, Cosmo oder In bishin zu Psychologie Heute und Spektrum ist mehr als genug Stoff dabei, der mich unterhält und klüger macht. Einziges Manko: mein liebstes Tech-Magazin t3n und das Missy Magazine sind noch nicht dabei.

Auswahl aus der Kategorie “Geschichte”

Gut finde ich, dass Titel nach Interessensschwerpunkt sortiert werden können. Bei Geschichte sind beispielsweise fünfzehn unterschiedliche Titel aufgelistet (Stand: November 2018).

Bedienung der App (4/5)

Mit der Bedienung hatte ich so gut wie keine Schwierigkeiten. Wie das so ist mit neuen Apps, swiped man erstmal hin und her, und testet die Funktionen. Besonders wichtig: die Blattvorschau, die sich mit einem Wisch vom unteren Ende des Displays nach oben ausklappen lässt. Außerdem lassen sich Seiten durchsuchen (siehe Lupe), bookmarken und weiterleiten.

Statt zu blättern, wird bei Readly nach rechts “gescrollt”

So kann man ruckzuck einen Blick ins Inhaltsverzeichnis werfen und dann auf die gewünschte Seite „vorspulen“ – wo wir auch schon beim vielleicht größten Unterschied zum analogen Pendant wären. Statt mit dem nassen Daumen- und Zeigefinder unwichtige Dinge zu überblättern oder gar herauszureißen und an die Wand zu pinnen, muss man bei Readly auf einer Leiste im PDF-Style nach rechts scrollen. Auch über die Werbung, klar.

Ich munkele, dass ich dadurch weniger Artikel lese als bei der analogen Variante, weil mein Onlineleseverhalten leider genau jene Ungeduld  befeuert, die auf Bildschirmen ohnehin schon ihr Unwesen treibt.

Lesekomfort (3/5)

Keine Sorge: niemand muss einzelne Artikel auf dem Smartphone ranzoomen, um die Mini-Schrift zu entziffern. Bei vielen Magazinen kann mittels Knopfdruck zur smarten AMP-Funktion umgeschaltet werden. Dabei kommt ein schlanker HTML-Code und ein stark limitiertes CSS zum Einsatz, das den Artikeln einen Hauch von Online verleiht.

rechts: die AMP-Version

Und genau hier wären wir schon beim Knackpunkt: was hat ein AMP-optimierter Artikel mit einem sorgfältig gelayouteten Magazin gemein? Kann man dann nicht „gleich online lesen“? Jein. Gerade teure Special-Interest-Medien stellen ihre Artikel nämlich nicht kostenlos und jedermann verfügbar ins Netz. Das ist auch gut so – für deren Überleben. Mit Readly können Interessierte trotzdem reinschauen.

Funktionstüchtigkeit (3/5)

Readly funktioniert da, wo es gutes Internet gibt. Also nicht in der U-Bahn, im Zug, oder am Flughafen. Weil Readly das bedacht hat, kann man die Magazine vorab downloaden. Problem – zumindest bis zum nächsten funktionierenden WiFi – gelöst.

Preis-Leistungsverhältnis (5/5)

Mal nachrechnen. Diesen Monat hätte ich mir am Kiosk gerne Psychologie Heute (7,50 €), Enorm (8,90), Mucbook (5 €) und die Wienerin (ca. 4 €) gekauft. Das macht: 25,40 €. Bei Readly zahle ich nach dem ersten Monat 9,90 Euro. Macht eine Ersparnis von 15,50.

Fazit?

Ich denke, dass sich das Abo-Modell für analoge Inhalte nicht nur bei Spotify oder Netflix durchsetzen könnte, sondern durchaus auch im Verlagswesen, sofern die Konsumentinnen über passende Endgeräte verfügen. Ein Smartphone zählt meiner Meinung nach nicht dazu – ich würde Readly bevorzugt im Flugmodus auf dem Tablet lesen. Auch, um nicht gestört zu werden. Am Ende ist alles eine Frage der persönlichen Präferenz, weswegen Interessierte unter diesem Link die Möglichkeit bekommen, Readly selbst ein Monat lang kostenlos zu testen.

Bleibt nur noch die Frage: was passiert, wenn unsere geliebten Printprodukte nach und nach tatsächlich aussterben? Wird Readly nichts mehr zu zeigen haben, und auf ein anderes Produkt umsatteln müssen? Bücher vielleicht?

Ich bin jedenfalls gespannt, was die Zukunft für uns Leserinnen bereit hält.

Diese unabhängige Review wurde in Auftrag gegeben von readly – dem “Spotify für Magazine”.

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