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14. September 2018
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2018 war bisher aufregend, geistreich – und anstrengend. Ich bin zwischen Stockholm, Wien, Berlin und gefühlt noch fünf anderen Städten hin- und hergegondelt und brutal am Nomadenleben gescheitert, das sich irgendwo zwischen meinem Home-Office in Berlin und einem sogenannten „Urlaub“ hätte abspielen sollen, der dann doch mehr aus Buchkorrekturen, als aus Chillerei am See bestand. Mal ganz abgesehen davon, dass ich mich geärgert habe, vermeintlich nicht „genug rausgeholt“ zu haben aus dieser Erfahrung, fiel mir auf, dass dieses weit-weg-müssen mit seinen dreckigen Flughäfen, nervenreibenden Warteschlangen und horrenden Temperaturen auch nicht unbedingt die ideale Alternative für meine Sehnsucht nach dem gelegentlichen Mehr ist, wenn es am Ende daraus besteht, gestresst zu sein.

Ich lebe seit drei Jahren in Deutschland, und wohnte bisher in Hamburg und Berlin. Ein, zwei Mal war ich in München auf Zwischenstopp und in Leipzig auf Durchreise. Mehr habe ich von diesem Land nicht gesehen. Schleswig-Holstein kenne ich genauso wie Brandenburg nur durch beschlagene Zugfenster – und doch war ich in der Zwischenzeit in Frankreich, Portugal, ja, gar Sri Lanka, bis ich genauer anfing, mich damit auseinanderzusetzen, was der Mensch auf seinen Reisen eigentlich an Co2 verbläst (3 Tonnen Co2/Person bei einem Überseeflug von 10 Stunden), obwohl er doch auch in seiner Umgebung etwas Schönes entdecken kann.

Schon mal was von Schlaf-Fässern in der Natur oder dem Storchenland gehört? Ich – bis vor Kurzem – auch nicht.

Die Aussicht auf Urlaub in Deutschland hat mir RTLs Punkt 12 seit meinem 11. Lebensjahr vermiest, das die Deutschen gerne als schwimmbadbrunzende, currywurstessende Turmspringer charakterisierte, die nicht weiter kommen als bis zur nächsten Frittenbude.

Diesem Klischee wirkt jetzt ein neues Projekt namens Katzensprung entgegen, das auf erlebnisreiche und ungewöhnliche Ferien in Deutschland – quasi direkt vor der Haustür – aufmerksam machen möchte. Das Ziel ist, insbesondere jungen Menschen zu zeigen: Um etwas Besonderes erleben, müsst ihr nicht immer in die Ferne fliegen! Denn: Viele spannende Urlaubserlebnisse gibt es auch direkt vor der Haustür, nur einen Katzensprung entfernt eben. Außerdem möchte das Projektteam Tourismusakteure dazu motivieren, weitere klimaschonender Angebote zu entwickeln und dabei messbar CO2 einzusparen und so das Klima und die biologische Vielfalt zu schützen. Win? Win!

Auf der Seite (ganz unten) findest du eine Karte, die kleine und größere Auszeiten alleine oder für dich und deine Freundesgruppen sammelt und vorstellt. Und das sind nicht nur irgendwelche abgelegenen Häuser am Land, nein, sondern ausgewählte, Ferienlocations mit spannenden und gleichzeitig klimaschonenden Angeboten, die locker mit dem Kurztrip nach Schweden mithalten können.

© Patricia Neligan

Wo wir schon bei Schweden sind: das Camping auf der schwäbischen Alb sieht den pittoresken Campingwäldern im Norden gar nicht unähnlich. Auf dem Hofgut Hopfenburg in Münsingen kann der Alltag auf dem terrassenförmig angelegten Gelände mit eigenem Bauernhof verlassen werden. Tipis, Safarizelte sowie Schäfer-, Heide- und Zirkuswagen warten auf die Übernachtungsgäste und ihre Smartphones. Wer sein eigenes Zelt aufstellen möchte wie im Småland-Urlaub ’96, kann das natürlich auch tun. Geduscht werden kann in komfortablen Waschgelegenheiten (den Eimer kann man also getrost zuhause lassen ;)).

© Patricia Neligan

Und wer jetzt denkt, dass er „dafür doch ein Auto braucht“, hat falsch gedacht: Vom Hof aus lässt sich die Umgebung mit Bus und Bahn bereisen. Alle wichtigen Informationen zur Anreise und zu den Möglichkeiten, das Biosphärengebiet vor Ort ohne Auto zu erkunden, gibt es auf der Website. Andere Behausungen, in denen ich mir ebenso eine Wochenende vorstellen könnte, ist zum Beispiel das Hänge-Zelt (No Shit!) in Nalbach und das Schlaffass in Schwarzwald.

© Martin Hager

Okay, als nächstes kommen wir zur Quizfrage: Wie viele Naturparke hat Deutschland? 45, 78, oder vielleicht sogar 105?

Stadtkinder wie ich wissen meist gar nicht, dass es in Deutschland 105 Naturparke gibt und dass diese 27 % (!) der Landesfläche ausmachen. Wer also Flora und Fauna auf eigene Faust erkunden möchte, aber noch nicht genau weiß, wo anfangen, wirft am besten einen Blick in die Naturpark-Sektion. Mir hat es damals, als ich noch in Hamburg wohnte, vor allem die Lüneburger Heide in der Nähe von Hamburg angetan, die mit ihren violetten Heideblüte, Deutschlands vielleicht schönstem Wanderwerg „Heidschnuckenherden“ und seltenen Pflanzen und Tieren nicht nur ein idyllisches Insta-Motiv zum Angeben (Augenroller hier bitte mitdenken), sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Pflanzenvielfalt bietet.

© Lüneburger Heide GmbH

Und wer sich jetzt denkt: Oh nö, alles langweilig, spazieren gehen kann ich auch, wenn ich alt bin, sieht sich am Besten in der Kategorie „Was bewegen“ um. Von Huskywanderungen, bishin zu Kajakfahren in Thürigen und Skibergsteigen mit Mountains & More ist für jeden etwas dabei.

Persönlich stand ich ja nach meinem Italien-Roadtrip im Juli kurz davor, mich von einem Esel durchs Dorf schleppen zu lassen. Aber Schwamm drüber.

Ich? Bleib erstmal wieder in Deutschland.

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