Listicles und bunte Inhalte sollten den verstaubten Journalismus auflockern und junge Menschen wieder zum Lesen bringen. Wann ist das ambitionierte Vorhaben der Verlage zu weit gegangen? Ein Resümee.

„23 Situationen, die nur unfassbar faule Menschen verstehen“
„Deine Haribo-Vorlieben verraten, wie viele Kinder du bekommen wirst“
„Carpool Karaoke – mit den Red Hot Chili Peppers!“

Wer durch Facebook scrollt, kommt an Artikeln wie diesen nicht vorbei. Es handelt sich dabei um sogenannte teilbare Inhalte, die die Nutzer an ihre Kindheit in den Neunzigern erinnern sollen, oder anders Emotionen triggern. Bei alten Serien (Gilmore Girls), süßen Kindern („Dieses Mädchen hat das beste Halloween Kostüm“) oder kulturspezifischen Elementen („Kennst du nur, wenn du polnische Wurzeln hast“), kommen die Shares dabei quasi von selbst.

Ich weiß das, weil ich solche Headlines selbst geschrieben habe. Heute ist mein letzter Tag nach einem Jahr im Onlinejournalismus. Ich räume meinen Platz, packe drei Bücher und einen USB-Stick ein. Das wars. Die tägliche Arbeit am Schreibtisch erinnerte mehr an einen Job am Fließband, denn an einen kreativen Brotberuf: Das Web checken, irgendetwas in einem Absatz „kurz abbilden“, schau mal – ein lustiges Video. Den Spielraum für aufwändigere Stücke schaffen Redakteure heutzutage „nebenbei“, wenn der Kleinkram erledigt ist.

Mein ganzer Text über den Ausstieg aus der Redaktion, zu lesen auf thegap.at.