Danke für diesen Text, ich fühle mich wunderbar verstanden und es hat sich einerseits gut angefühlt, diese Worte zu lesen, andererseits machen sie mich traurig (vielleicht sogar melancholisch beim Gedanken an meinen Studienbeginn), weil das alles so wahr ist.
Das Schreiben habe ich zu Grundschulzeiten für mich entdeckt (und bin meiner damaligen Lehrerin unfassbar dankbar, dass sie diese Leidenschaft in mir entdeckt und gefördert hatte) und seitdem nicht abgelegt. Aber es hat sich verändert. Mit dem Alter und der Erfahrung. Mit dem Eintritt in den Journalismus, der schon immer mein Traumberuf war und den ich damals, zu Beginn, vor fast neun Jahren, so leben konnte, wie ich es wollte: Mir Zeit nehmen. Ordentlich recherchieren. Menschen kennenlernen. In ihre Geschichten hineintauchen.
Meine Lieblingsdozentin an meiner ersten Uni hatte uns immer wieder daran erinnert, wie sehr wir demnächst desillusioniert würden. Da habe ich immer meinen inneren Schmollmund gezogen. Wie gemein sie doch sei. Aber nun? Ja, ich wurde desillusioniert. Der “wahre” Beruf des Journalisten ist absolut nicht so, wie ich ihn mir immer vorgestellt hatte. Was hatte ich übersehen? Immerhin war ich doch jahrelang frei angestellt. Immerhin hatte ich doch unglaublich viele Praktika gemacht. Aber mir hat die Erfahrung gefehlt und vor allem dieses Muss. Es machen zu müssen. Weil ich davon leben wollte. Weil ein Unternehmen daran Geld verdienen wollte.
Als es “ernst” wurde, habe ich nur noch beruflich geschrieben. Mit mehr oder weniger Freude. Schon Jahre ist es her, dass ich entspannt, von Herzen geschrieben habe. Weil es mir einfach in den Fingern gejuckt hat. Das macht mich unheimlich traurig. Schreiben ist mir noch immer wichtig und manchmal bekomme ich diese Lichtblitze und brauche einen Stift. Aber das Gefühl ist so schnell wieder weg…
Habe ich meine natürliche Leidenschaft getötet, indem ich von ihr leben wollte?
Aus dem Journalismus, wie ich ihn bisher betrieben habe, bin ich zum Jahreswechsel ausgestiegen. Zum einen aus gesundheitlichen Gründen, zum anderen, weil ich mich da nicht mehr gesehen habe. Es bricht mir das Herz. Ich will weiter schreiben. Aber wie du schon schriebst – “es gibt kein Medium, mit dessen Autoren und Autorinnen ich mich ausnahmslos arrangiere und auf dem es keinen einzigen Artikel gibt, der mich verstört zurücklässt.” Ich will so gern mein eigenes Ding durchziehen.