Die mediatisierte Welt, in der nicht nur Journalisten, sondern auch die Rezipienten ihrer Produkte leben und arbeiten, ist für mich eine besonders spannende. Was macht Mark Zuckerberg als Nächstes? Wie gehen Medien mit Hate-Speech um? Und: Woher kommen plötzlich all die Influencer?

Ich habe mir die Zeit genommen, die für mich persönlich relevantesten Texte des vergangenen und gerade angebrochenen Monats für euch zusammenzufassen. Bei all dem Trubel geht schon mal was unter. Enjoy!

André Krüger schreibt in „Woher kommen plötzlich all diese Influencer“ sehr sophisticated über die neuen Stars des Internets. Was reitet Agenturen und Unternehmen eigentlich, immer wieder auf dieselbe überschaubare Gruppe an Influencern zu setzen – egal ob es um Tourismus oder Turnschuhe geht? Wo die vielbeschworene Authentizität bleibt, darf man sich zurecht fragen.

Bleiben wir beim Fachgebiet Werbung. Mark Duffy schreibt in „Does advertising even work any more“ über meine/unsere Generation, die – so der Autor – kein Interesse mehr an Werbung hätte. Weder an klassischer, noch an nativer. Er behauptet in seinen Thesen sogar, dass jeder Cent, der in Marketing gesteckt wird, verschwendet sei. Die jungen Menschen von heute, sie sind eben nicht nur klug, sondern auch werberesistent. Am Ende des Rants gibt es auch ein paar Tipps:

You have to truly champion a cause 100 percent and never stick your logo and stupid tagline or #hashtag at the end of it, dummies. The Youngs will find out you did it, don’t you worry.

Apropos Nachwuchs: Einen Artikel auf Vice Noisey, der mich sehr zum Schmunzeln brachte, muss ich euch unbedingt empfehlen. Die Axel Springer Akademie, die sich selbst als Deutschlands fortschrittlichste Journalistenschule bezeichnet, hat sich für die Nachwuchsjournalisten der in Berlin ansässigen Institution etwas Innovatives überlegt: Leute filmen, die am Montagmorgen aus dem Berghain kommen. Weil drinnen geht ja nicht.

Wir von Noisey fordern—wie schon vor einigen Wochen—, dass endlich ein solcher Türsteher vor dem Zugang zum Berghain platziert wird und verhindert, dass derlei Videos in Zukunft erneut gedreht werden.

Grandios. Branchenkritik ist ja bekanntermaßen nicht so gerne gesehen. Das weiß auch Silke Burmester, die am 5. Juli ihre taz-Medienkolumne mit den Worten Wir sind eine Branche der Schisser und Anpasser“ beendete. Bitte reinlesen und laut auflachen. Muss man sich auch erstmal trauen, als Freie!!!!111

Mutig fand ich auch den Artikel von Marianna Deinyan über den mittelschichtigen deutschen Journalismus. In den Redaktionen säßen zu viele “blasse Mittelschichts-Buben und Deutsch-LK-Mädels aus der Kleinstadt”. Dadurch entstehe u.a. die Lügenpresse-Diskussion, Nachwuchs aus anderen Gesellschaftsgruppen bleibe fern und die Themen innerhalb des Tellerrands. So wahr, so wichtig. Ich kann mich nur wiederholen:

Dass sich der Facebook-Algorithmus ändern wird, haben wir bereits mitbekommen. Trotzdem möchte ich gerne einen Text auf cjr.com empfehlen, der den Reuters Digital News Report 2016 verständlich zusammenfasst. Social Media ändert nicht nur die Art und Weise, wie wir Nachrichten konsumieren, sondern verändert auch unsere Gewohnheiten rund um diesen Nachrichtenkonsum.

The report suggests that many news consumers are resistant to watching video because it is faster to read an article, and because of the ads that often precede videos.

Das Finanzierungsproblem der neuen Medien bleibt vorerst bestehen. Dass das nicht immer so wahr, weiß Christoph Lütgert. Und auch wenn seine Ausführungen über das High-Society-Leben der frühen Journalisten nicht auf alle damals festangestellten Redakteure gelten mag, sind Sätze wie „Verträge auf Lebenszeit, dicke Spesen und fette Renten“ Salz auf den Wunden der Onliner. „Unser Überfluss ist eure Armut“ ist eben keine Abrechnung mit der Generation Selbstmitleid. Danke dafür.

Manche würden sich angesichts dessen vermutlich den Untergang Facebooks wünschen. Schließlich sind Medienhäuser so abhängig wie nie zuvor. Nur: Dass Facebook an Relevanz verloren hätte (wie schon so oft prophezeit), kann man aus dem dritten Quartalsbericht (wenn ihr mich fragt: leider) nicht herauslesen. Eines jedoch kann man mit Sicherheit sagen: Facebook ist und bleibt dominant. Mehr dazu weiß – wie immer – Ingrid Brodnig.

Das Internet macht die Welt eben nicht nur besser. Digitales Fast Food, das täglich auf uns einprasselt, kann ziemlich ernüchtern sein. Start-up Gründer Tariq Krim hat über seine Angst vor der digitalen Zukunft geschrieben.

Interessant fand ich auch ein Zitat aus dem Verfahren, das Axel Springer gegen den Werbeblocker Adblock Plus führte: „Das Kerngeschäft der Klägerin ist die Vermarktung von Werbung. Journalistische Inhalte sind das Vehikel, um die Aufmerksamkeit des Publikums für die werblichen Inhalte zu erreichen.” Na dann.

Zum Abschluss noch zwei Texte, die wieder Lust aufs Internet machen. Ist ja an sich eine super Sache! Meine liebste Sexkolumnistin Slutever hat den Versuch gewagt: Dating App oder Bar? Ihr wunderbar humoristisch festgehaltenes Fazit findet ihr hier.

Und auch Lina hat auf MitVergnügen einen schönen Text über Romanzen im Zeitalter von Social Media geschrieben. „Wir passen perfekt zusammen. Nur – du weißt das noch gar nicht!“ Ja, ja, ja möchte man schreien, während man der Protagonistin der Geschichte bei Stalken beisteht.

In diesem Sinne: Macht euch einen schönen Sommer. Ich werde es auch tun.