Mit 16, da haben wir gemeinsam dieselben zehn Songs in Dauerschleife gehört. Unsere Klamotten vor der Party getauscht und Sex gehabt, mit den falschen Leuten. Wir haben Nachmittage in Schwimmbädern verbracht, ganze Sommer lang. Ich und meine besten Freundinnen wussten alles voneinander.

Sie waren dabei, als ich mich mit einer fragwürdigen Performance von “The Greatest Love Of All“ in der Karaokebar ums Eck blamierte und meinen ersten Freund kennenlernte. Diese Freundinnen haben mir keine WhatsApp-Nachrichten geschickt, sondern mir vor Ort am Mädchenklo die feuchten Hände gehalten. Sie waren live dabei, als ich ihm eine Chance gab.

Heute sind wir erwachsen. Spaziergänge um 3 Uhr morgens sind unregelmäßigen Skype-Gesprächen gewichen. Unsere Leben finden an anderen Orten statt. Wir schaffen es, in Kontakt zu bleiben – und doch ist es nicht dasselbe wie nebeneinander einzuschlafen.

Wenn man berufstätig ist und bis zu zehn Stunden am Tag auswärts verbringt, wird es komplizierter, Freundschaften zu schließen. Sich auf neue Menschen einzulassen, nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Nachdem man die lästigen Verpflichtungen des Alltags erledigt hat, darf man entscheiden: Nochmal raus ins Café oder lieber Füße auf das Sofa. Ein schlechtes Gewissen bereitet vor allem letzteres.

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