Ich stehe vor der Eingangstür und spähe unbeholfen nach dem erstbesten Supermarkt. Hallo Hamburg, ich brauche Äpfel. Umzug, Neuanfang, das Leben geht weiter – nennt es wie ihr möchtet, aber dieses Ankommen hat schon etwas Surreales. Schönes. 3 Umzüge in diesem Jahr. Ob ich das gedacht hätte? Nein. Ob ich es genossen habe die letzten Monate aus Koffern zu leben, nicht wie ein Rockstar? Schon. Also gewisse Aspekte. Zum Beispiel die Freiheit. Das Jungsein. Den emotionalen Dreck.

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Votivpark

Heute endlich da sein und Sachen auspacken, die man viel zu lange nicht ordentlich gewaschen hat. Auf das habe ich gewartet. Ein bisschen. Ich werde hier keine abgedroschenen Phrasen über die Unvorhersehbarkeit des Lebens von mir geben, damit habe ich die letzten Wochen genug gelangweilt. Es ist unaufgeregter, diesmal, als im August 2014. Weil ich schon erahnen kann, was mich erwartet. Nicht unbedingt beruflich oder privat, mehr so psychisch.


Die ersten Wochen, wo man niemanden kennt und mangels sozialen Engagements abends oft im Zimmer ist. Danach bekommt man häppchenweise neue Menschen serviert, von Mitbewohnern und Arbeitskollegen, an die man sich erst herantasten muss. Es erfordert Offenheit und gleichzeitig diese gewisse Zurückhaltung, die gesellschaftlich gewünscht wird. Nur weil man selbst neu ist, heißt das nicht, dass dieser Umstand die anderen unbedingt interessiert, die sich genau an dieser Ecke schon siebenundachtzig Mal einen Döner gekauft haben.

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Votivkirche

Es wird ein erstes Mal für alles geben und es ist trotz der Alltäglichkeit der Handlung anders als da, wo man sonst so gelebt hat. Das erste Mal im Supermarkt keine Nudeln finden. Das Erste mal Alsterwasser an der Bar bestellen. Das erste Mal durch die Stadt laufen und fasziniert sein, einfach so. All das sollte man genießen wie Verliebtsein.

Der Kontakt nach Zuhause macht den Abschied leichter, als er ohnehin schon fällt. Deine besten Freunde sind immer noch da, du hörst sie besorgt aus dem Handy sprechen, Ratschläge erteilen und auch selbst murmelt man manchmal nachts um drei Sentimentalitäten, für die man sich morgens schämt. Wenn wieder alles vergessen ist.

Veränderungen sind etwas Gutes, wirst du bald bemerken. Sobald man die Chancen erkannt hat, die mit getroffenen Entscheidungen einhergehen, erleichtert das dein Leben ungemein. Nimm sie an, die Veränderungen der kommenden Monate, weil sie genau das Richtige sein werden.

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Schönbrunn

Du kannst jederzeit anrufen und reden und es wird auch Besuche geben. Aber jetzt ist hier. Das, heute, ist der Neubeginn™. Diese Stadt, so leer an Erinnerungen. Keine mit Nostalgia verseuchten Lieblingsorte, die ich noch ab und an besuche. Da ist keine Abhängigkeit, von nichts. Eine Entscheidung, ich habe Ja gesagt. So beginnt mein Leben 1000 km von der Stadt entfernt, in der meine Mutter mit 19 eine Heimat fand.

Dieser erste Tag wird nie wieder kommen, deshalb halte ich ihn fest. Irgendwann werde ich diese Zeilen lesen und zurückdenken und lachen und sagen können, das war bevor. Bevor dir und ihr und ihm. Bevor ist jetzt.