Schnell nach dem Handy des Freundes greifen, das so unschuldig auf der Couch liegt, während dieser ins Bad geht. Kurzes Zögern, bevor man den Code eintippt. Man kennt ihn ja, nach jahrelangem Zusammensein. Auf das Briefsymbol drücken oder den Posteingang und davor einmal tief Luftholen, wie Rose auf der Titanic, bevor das Ding endgültig untergeht, mit euch beiden.

Plötzlich steht dort genau das, was man ohnehin vermutet hat, oder man findet rein gar nichts. Es gibt nur eine dieser beiden Optionen wie das ausgeht, heute. Es tun oder bleiben lassen? Ich frage mich, was abseits von Stigma und Vertrauensvorwurf daran falsch sein kann, sich über den Zustand der eigenen Beziehung zu vergewissern. Vor allem, wenn es die technischen Möglichkeiten, nunja, erlauben.

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Natürlich, ich höre schon die Einwände. Schnüffeln und Suchen, das tun nur die Verzweifelten, die an Minderwertigkeitskomplexen Leidenden. Die Hässlichen, mit Angststörung. Da kann doch etwas nicht stimmen, mit dir, wenn du das Bedürfnis verspürst nachzusehen. Intuition, immer muss sie alles kaputtmachen.

What gives someone the right to do that without permission? Being in a relationship does not give you ownership over every aspect of the other person’s life.

Dabei hat es (fast) jeder schon einmal in seinem Leben getan. Vielleicht auch du, deshalb liest du ja diesen Beitrag, in freudiger Erwartung auf die ultimative Legitimation eines an sich verwerflichen Verhaltens. Keiner gibt es zu, fast wie mit den Pornos. Moralische Leitprinzipien der Postmoderne haben uns schließlich zu reifen Wesen gemacht, die diese Art der zusätzlichen Kontrolle nicht nötig haben, um sich der Liebe zu vergewissern, oder dem, was davon übrig ist. Das Smartphone des Partners ist, so hat es der digitale Verhaltenskodex geregelt, tabu. Ein fettes „Betreten verboten“ Schild, mitten auf dem gutgedüngten Rasen. Vom großen Vertrauensmissbrauch ist dann die Rede, vom Eingriff ins Innerste der Privatsphäre. Zu recht?

Ich meine, die Angelegenheit ist komplexer und weitreichender als die beiden verbreiteten Meinungspole, die sich irgendwo zwischen „I would let my boyfriend check my phone and use my laptop because I don’t hide anything from him” und „If he gets angry, tell him that it’s his own fault and password protect your stuff“ eingependelt haben. Well. Unabhängig davon, ob jemand in deinem Smartphone schnüffelt, ist die dort festgehaltene Lebensrealität zu einem gewissen Anteil ein besprochenes und bereits kommentiertes Abbild dessen, was ohnehin in deinem Kopf vorgeht. Es wird keine SMS an Mark geben, wenn du zuvor nicht zumindest an Mark gedacht hast. Insofern würde ein Blick ins Smartphone nur deine aktuellen Freundschafts- und anderweitigen Beziehungsgefüge widerspiegeln, die du dem anderen eventuell vorenthalten hast. Ist denken verboten? Das würde uns zu weiteren Debatten führen, zu Themen wie Vertrauen, (serieller) Monogamie oder der Frage, wie viel der andere tatsächlich wissen muss.

Take the time to get to know someone before rushing in to moving in or getting married, watch out for the little things that poke at women’s intuition because those little things could reveal something huge, and don’t let trust issues from the past affect judgment. Investigating (and yes, that includes snooping) should only be used if a woman feels that there is something really wrong in the relationship.

Zweifel sind – in der Regel – berechtigt. Der Handycheck ist unabhängig von seinem unfassbar schlechten Image eine ideale Möglichkeit, die Entscheidung zu beschleunigen, indem er dir diese nach 0,0234 Sekunden abnimmt. Schwarz auf weiß kannst du dann sehen, was dein Liebster sonst noch so laufen hat, nachdem er euren Chatverlauf geschlossen hat. Ganz ohne seine Kontoauszüge zu checken. Nichts für ungut, Whitney.

Ich plädiere für Offenheit, so ganz generell. Schnüffeln sollte nicht nötig sein, ganz richtig. Aber zeigt mir eine Person, die es trotzdem gemacht hat, obwohl sie sich sicher fühlte. Die in Anspruch genommene Praxis sagt vermutlich mehr über die Beziehung aus, als der Akt an sich. Und selbst wenn man letztlich das findet, was man vermutet hat, fühlt man sich schuldig. Ich frage: Schuldig für was? Für die Wertschätzung des eigenen Lebens? Der Verrat am anderen hat doch längst stattgefunden.

Schnüffeln bleibt. Als letzte Konsequenz für den Fall, dass man sich hintergangen fühlt. Wenn man genuin spürt, dass etwas richtig falsch läuft, wird der spähende Blick das letzte sein, was man tut, bevor man abschließt.

Intuition und Misstrauen sind zwei unterschiedliche Angelegenheiten. Nur um das gesagt zu haben.