Also ich finde es schön, dass wir in einem Haus mit so vielen unterschiedlichen Charakteren leben, jeder von uns ist anders, jeder kann von jedem lernen und sollte dabei akzeptieren und wertschätzen, wie der andere tickt und sich in gewissen Situationen verhält, du kannst nicht von ihr erwarten, dass sie deine Meldung heute morgen verstanden hat, vor allem nicht, wenn du sie kennst. Da steckt doch ganz viel passive Aggressivität dahinter, das weißt du doch, oder? Wieso bist du nicht ein wenig nachsichtiger, man könnte sie auch anders mit der Tatsache konfrontieren, dass sie sich damals nicht für dich gefreut hat. Sie hat eben gerade viele Dinge um die Ohren, das weißt du doch, da muss man Verständnis für haben, sie hat ja auch erst vor zehn Monaten ihre Beziehung beendet, das ist sicher alles nicht einfach für sie. 

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Die sogenannte gute Societät läßt Vorzüge aller Art gelten, nur nicht die geistigen: diese sind sogar Kontrebande. Sie verpflichet uns, gegen jede Thorheit, Narrheit, Verkehrtheit, Stumpfheit, gränzenlose Geduld zu beweisen; persönliche Vorzüge hingegen sollen sich Verzeihung erbetteln, oder sich verbergen; denn die geistige Ueberlegenheit verletzt durch ihre bloße Existenz, ohne alles Zuthun des Willens. Demnach hat die Gesellschaft, welche man die gute nennt, nicht nur den Nachtheil, daß sie uns Menschen darbietet, die wir nicht loben oder lieben können, sondern sie läßt auch nicht zu, daß wir selbst seien, wie es unserer Natur angemessen ist; vielmehr nöthigt sie uns, des Einklanges mit den Andern wegen, einzuschrumpfen, oder gar uns selbst zu verunstalten.

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Aphorismen zur Lebensweisheit