Weißt du, ich finde du solltest dich auch mal auf die Zukunft konzentrieren, was macht man eigentlich mit deinem Studium? Hast du dir schon den Stellenmarkt angesehen, da sieht es momentan auch für Jus oder BWL Absolventen schlecht aus, also nicht, dass wir uns da etwas vormachen. Was ist man eigentlich mit deinem Studium? Also ich finde, du solltest dir wenigstens diesen Sommer einen Job suchen, der irgendetwas mit deinem Studium zu tun hat, gekellnert hast du schon letztes Mal, davon wirst du dir später auch nichts kaufen können, man braucht Erfahrung und Empfehlungen, du musst die richtigen Leute kennen lernen, warum beginnst du nicht bald damit, Jens hat sich schon vor Jahren auf linkedin angemeldet und in drei Monaten geht es auch schon ab nach Frankfurt.  

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Viele leben zu sehr in der Gegenwart: die Leichtsinnigen; – Andere zu sehr in der Zukunft: die Aengstlichen und Besorglichen. Selten wird Einer genau das rechte Maaß halten. Die, welche, mittelst Streben und Hoffen, nur in der Zukunft leben, immer vorwärts sehn und mit Ungeduld den kommenden Dingen entgegeneilen, als welche allererst das wahre Glück bringen sollen, inzwischen aber die Gegenwart unbeachtet und ungenossen vorbeiziehn lassen, sind, trotz ihren altklugen Mienen, jenen Eseln in Italien zu vergleichen, deren Schritt dadurch beschleunigt wird, daß an einem, ihrem Kopf angehefteten Stock ein Bündel Heu hängt, welches sie daher stets dicht vor sich sehn und zu erreichen hoffen. Denn sie betrügen sich selbst um ihr ganzes Daseyn, indem sie stets nur ad interim (vorläufig) leben, – bis sie todt sind. – Statt also mit den Plänen und Sorgen für die Zukunft ausschließlich und immerdar beschäftigt zu seyn, oder aber uns der Sehnsucht nach der Vergangenheit hinzugeben, sollten wir nie vergessen, daß die Gegenwart allein real und allein gewiß ist; hingegen die Zukunft fast immer anders ausfällt, als wir sie denken; ja, auch die Vergangenheit anders war; und zwar so, daß es mit Beiden, im Ganzen, weniger auf sich hat, als es uns scheint.

(…)

Es ist durchaus thöricht, eine gute gegenwärtige Stunde von sich zu stoßen, oder sie sich mutwillig zu verderben, aus Verdruß über das Vergangene, oder Besorgniß wegen des Kommenden. (…) Tausend heitere, angenehme Stunden lassen wir, mit verdrießlichem Gesicht, ungenossen an uns vorüberziehn, um nachher, zu trüber Zeit, mit vergeblicher Sehnsucht ihnen nachzusetzen.

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Aphorismen zur Lebensweisheit