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2014, du liegst jetzt beinahe hinter mir, bist bis auf ein paar Stunden und diesen letzten Text abgehandelt, quasi geschafft. Du bist leise gekommen, unspektakulär und wirst dich lautlos in einem unbeobachteten Moment verabschieden, meine Welt so hinterlassen, wie ich sie zu Beginn des Jahres vorgefunden hatte. Mit kleinen Unterschieden. Was soll ich dir erzählen, 2014, kein Jahr ist wie das andere, du bist nicht so unersetzlich wie du dachtest, es liegt scheinbar am Prinzip des Jahreswechsels Schlüsse zu ziehen und Geschehnisse noch einmal durchzuspielen – man sagt auch Revue passieren zu lassen – die man mit höchster Anstrengung nicht aus dem Kopf bekommen hat. Auch braucht niemand darauf zu hoffen, gänzlich unverändert zu bleiben, die Spuren des mühsam überwundenen Kampfes verbergen zu können, der zur Folge hat, sich ein Stück weit besser zu kennen und aushalten zu können. Ich wollte hier nicht zu viel Selbstreferentielles festhalten, zu viele Worte über meine Erfahrungen und Befindlichkeiten verlieren und doch kann ich nicht anders.

2014 war das Jahr, in dem ich meine Freude am Schreiben zurückgewonnen habe. Ich habe mich dazu entschlossen, wieder “ins Internet” zu schreiben, wie ich es beinahe seit zehn Jahren getan habe. Schreiben ist etwas, das mir über all die Jahre erhalten geblieben ist. Es ist ein Prozess, der mich seit meiner späten Kindheit begleitet und an mich selbst, zu einer anderen Lebenszeit, erinnert. Wenn ich alte Texte lese, und über meine mittlerweile überworfenen Vorstellungen schmunzeln muss. Wenn ich daran zurückdenke, dass es mir immer ein Bedürfnis war, meine Gedanken nach außen zu tragen. Die Meinung anderer zu rezipieren, darauf einzugehen. Heute natürlich in einem vollkommen anderen Sinn als damals. Schreiben ist gleichzeitig meine Art, an dieser Welt zu partizipieren, als auch ein fortwährend existierender Drang.

2014 war das Jahr, in dem ich zum ersten Mal ein halbes Jahr lang nicht in Österreich gewohnt habe, mich von meinem bekannten Umfeld abgrenzen musste, um bewusst auf mich alleine gestellt zu sein. Um zu sehen, wie ich damit umgehen werde von vorne zu beginnen, in einer anderen Sprache, in einem anderen Land. Um zu erkennen, so abgedroschen und nichtssagend es auch klingen mag, in welche Richtung ich weiter gehen möchte. Wie und wo ich leben will, obwohl letztere Frage schwieriger zu beantworten ist als erstere.

Ich umgebe mich mit Menschen, die sich selbst respektieren, die sich ihrer Handlungen und Worte bewusst sind, die mir ein gutes Gefühl vermitteln, frei von institutionellen Zwängen und Missgunst. Ich bevorzuge Freundschaften, die auch außerhalb des Konkurrenzverhältnisses funktionieren, das sich Arbeitswelt nennt. In denen man nicht zweimal überlegen muss, ob man ein Thema ansprechen kann oder nicht. Ich wünsche jedem Menschen, der das hier liest, dass dieser sich genau überlegt, wie und mit wem er seine Zeit verbringen möchte. Gibt es Momente, in denen man sich trotz Gesellschaft lieber nach Hause sehnt, sollte man diese erkennen und realisieren, dass es nicht zwingend einen Schuldigen für diese unangenehme Situation gibt. Nur weil Konstrukte lange Zeit aufrecht erhalten worden sind, sei es aus Langeweile oder Mangel an Alternativen, heißt das nicht, dass diese Verbindungen besonders wertvoll oder bereichernd sind. Wenn man sich gehemmt und beklemmt fühlt, Aussagen hinbiegt, nur um beim anderen nicht anzuecken, ist es vielleicht besser zu gehen, dauerhaft. Wenn ich einen Vorsatz für 2015 hätte, wäre das genau dieser: Sich selbst nicht bewusst Situationen auszusetzen, denen man nicht ausgesetzt sein möchte.

Gut ist es auch, nicht zu vergleichen. Ich habe heute bei all den Jahresfazits einen Beitrag gelesen, der das Problem auf den Punkt bringt: Durch all diese Vergegenwärtigung der eigenen, andauernden Unzulänglichkeiten geht eines verloren: Alles, was du in diesem Jahr erlebt hast und was noch kommen wird.

Ich habe bis heute nicht die Absicht gehabt, einen Rückblick zu verfassen und jetzt ist er bereits ausschweifender und pathetischer geworden als befürchtet. 2014, ohne politische Ereignisse in diesen Schlusssatz miteinzubeziehen, war ein spannendes, bereicherndes, lebenswertes Jahr, das mich zu einem glücklicheren und zufriedeneren Teil der Gesellschaft gemacht hat.

Anbei der Teil des Beitrages, der eigentlich im Vordergrund hätte stehen sollen. Eine Auswahl an grandiosen Tracks, die mich in allen möglichen Situationen begleitet haben. Wir lesen uns 2015.

Kerri Chandler – Sunday Sunlight

alt-J – Hunger Of The Pine

St. Vincent – Digital Witness

Nicolas Jaar – Too Many Kids Finding Rain In The Dust

Warpaint – Keep It Healthy

Vincent Floyd. Feat Chan – Your Eyes

E.S.P. – It’s You (Underground Mix)

Mø – Dust Is Gone

Max Graef – Kaese Schinken Floete

Kai Alcé – Spring

Roman Rauch – Don’t make me wait too long

Banks – Waiting Game

Dry the river – Everlasting Light

FKA twigs – Two weeks

Lykke Li – I Never Learn

Caribou – Our Love

London Grammar – Nightcall

The Mouse Outfit – Escape Music