Die Bloggerin Ninia hat bereits im Oktober bei der Blogparade Digital Leben mitgemacht und dabei aufgerufen, selbst teilzunehmen. Ursprünglich kommen die Fragen vom “Arbeitskreis Digitale Gesellschaft” der SPD Schleswig-Holstein. Da bislang nicht allzu viele Frauen ihren Senf dazu abgegeben haben, war ich so frei und habe meine Sicht der Dinge niedergeschrieben.

In einer digitalen Welt zu leben, bedeutet für mich…

morgens aufzuwachen und erstmal meine E-Mails und Whatsapp zu checken, zumindest wenn ich alleine bin. Ich stehe dieser Routine immer noch ein wenig ambivalent gegenüber. Manchmal lösche ich die Twitter-App auf meinem iPhone, dass ich wenigstens dort nicht draufschaue. Dann merke ich beim Frühstück, dass ich keine Zeitung abonniert habe und erst zum Kiosk müsste, um mir eine zu besorgen. Da ich dafür meistens zu faul bin, installiere ich die Twitter App nach einem Tag dann doch wieder und husche im Eiltempo über alle Meldungen, die ich verpasst habe. Wenigstens habe ich kein Facebook mehr, der Gossip fällt also großteils weg. Wobei, was habe ich vorhin über Whatsapp gesagt? Der persönliche Klatsch und Tratsch bleibt, das ist aber auch ganz gut so ;)

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Mein Computer Macbook ist für mich…

Noch vor zwei Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich zu Apple wechseln würde. Mein Macbook Air ist mein (materialistisch betrachtet natürlich ;)) teuerster Besitz. Ich lieeeeebe das Gefühl darauf zu tippen, es ist superhandlich und schnell. Nein, das ist kein gesponserter Beitrag von Apple (als ob sie meinen Blog sponsern würden, haha), ich bin wirklich von meinem kleinen Mac überzeugt und kann nicht mehr ohne. Noch dazu ist es immer schön, mit einem leeren Laptop ein wenig “von vorne” zu beginnen und erstmal wieder Ordnung zu haben. Nachrichten lese ich aber trotzdem meistens auf dem iPhone.

Wirklich gut! Die größte Chance durch die Digitalisierung ist…

dass Wissen einfacher zugänglich ist. Ich kann natürlich nicht genau sagen, was ich ausschließlich durch “das Internet” und die neuen Möglichkeiten, die mit der Digitalisierung einhergehen, gelernt habe. Trotzdem weiß ich, dass ich heute ein anderer Mensch wäre, hätte ich nicht diverse Blogs entdeckt, die Arte 7+ oder Ö1 Mediathek, TedTalks, unzählige Tutorials auf Youtube (sei es zu Photoshop, WordPress oder Audacity) oder Menschen kontaktiert, die mir neue Ansichten in allerlei Belangen näher gebracht haben.

Bedrohlich! Wir müssen aufpassen, dass…

wir nicht in unserer bequemen Echo-Chamber sesshaft werden. Genauso wie im “echten” Leben gibt man sich im Internet am liebsten mit Menschen ab, die der eigenen Meinung zustimmen und einen nicht mit kontroversen Unwahrheiten belästigen. Gerade in “meiner” Blogosphäre sehe ich immer wieder, wie Meinungen als “dumm” abgestempelt und Menschen verurteilt werden, die kein abgeschlossenes Studium in Gender Studies und Kultur- und Sozialanthropologie vorweisen können und sich dementsprechend nicht im akademischen Fachjargon zuhause fühlen. Es wird (online) meiner Meinung nach viel zu oft über andere hergezogen, geurteilt, statt sich einmal konkret mit dem Anliegen des anderen auseinanderzusetzen und zu versuchen, seinen/ihren Standpunkt objektiv nachzuvollziehen und auf sachlicher Ebene zu diskutieren (nicht, dass das so einfach wäre – clash of filter bubbles, hallo). Damit delegitimiere ich keinesfalls die berechtigte Kritik an Trollen und deren Hate Speech im Netz. Allerdings gibt es Menschen da draußen, die außerhalb der feministischen netzaktivistischen Szene leben und nicht jede Meinungsäußerung fünf Stunden mit Gleichgesinnten auf twitter debattieren, sondern schlichtweg andere Erwartungen an Social Media und Medien im Generellen haben.

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Die Digitalisierung verändert mein Leben durch

Ich nutze das Internet mittlerweile seit über 10 Jahren, also fast mein halbes Leben lang. Die Frage müsste also eigentlich schon im Präteritum gestellt werden, da die fortschreitende Digitalisierung kein neues Phänomen mehr ist. Noch vor 3 Jahren gab es beinahe nirgendwo gratis Wifi, ich hatte auch kein Smartphone. Heute schlafe ich quasi mit dem Ding in der Hand ein. Muss ich mehr sagen? Momentan lebe ich in einem anderen europäischen Land und brauche nicht mal einen neuen Handy-Vertrag, weil ich einfach warte, bis ich gratis WLAN finde und via FaceTime telefonieren kann.

Chatten mit den Enkeln, Einkaufen per Mausklick, Arbeiten ohne feste Bürozeiten. Was bringt die Digitalisierung für Familien und Ältere?

Arbeiten ohne feste Bürozeiten ist zwar an sich eine nette Idee, im Großteils Österreichs (zumindest soweit ich weiß) allerdings noch pure Theorie. Obwohl man mittlerweile – dank der umfassenden Digitalisierung – alles von zuhause erledigen kann könnte und auch immer erreichbar sein soll, erwarten viele (die meisten?) Unternehmen, dass man vor Ort ist um vor Ort recherchieren, telefonieren, persönlich mit anderen MitarbeiterInnen sprechen zu können. Damit man Teil des Teams ist und bleibt. Ich halte das für überflüssig, um ehrlich zu sein. Wieso kann man nicht gemeinsam mit seinen Familienmitgliedern oder Freunden in einem Raum arbeiten, obwohl man für unterschiedliche Firmen angestellt ist? Man hätte trotzdem sein soziales Umfeld, eines, in dem man sich wohlfühlt und keines, an das man aufgrund von institutionellen Zwängen gebunden ist. Ein oder zwei Tage pro Woche im Büro würden für die Bildung eines “Teamgeistes” reichen, wenn man mich fragt. Erreichbar ist man sowieso und wenn es darauf ankommt, kann man auch vorbei kommen. Natürlich spreche ich hier nicht von Jobs im Dienstleistungsbereich. Die Arbeitswelt hat die Vorteile der Digitalisierung noch nicht in dem Sinne adaptiert, wie ich es für erstrebenswert halte.

Zum Thema chatten: Ich denke, dass die Digitalisierung bei all ihren Vorteilen für Familien auch mit Konflikten verbunden sein kann. “Warum hast du in der Whatsapp Gruppe nicht mein Bild von Omas Geburtstag kommentiert?”, oder : “Wieso meldest du dich nicht, du hast doch WLAN im Urlaub”, auch gut: “Ich habe gesehen, du warst um 14 Uhr online, du musst meinen Anruf also gesehen haben.” Das sind wohl neue Kontrollmechanismen, mit denen die meisten Menschen, egal welchen Alters, zu leben haben. Dass die Digitalisierung in alle Lebensbereiche vordringt, ist nicht weiter verwunderswert. Ich persönlich schätze den Mailverkehr mit meiner Oma sehr, ich sende ihr gerne Fotos und Sprachnachrichten. Sie ist 75 und hat sich vor drei Jahren zum ersten Mal mit einem Laptop auseinandergesetzt. Ich bin wahnsinnig stolz auf sie und habe ihr letztens Youtube näher gebracht.

Programmieren in der Grundschule, das gesamte Faktenwissen der Welt in der Suchmaschine. Wie sollte Bildung der Zukunft aussehen?

Wichtiger als Programmieren fände ich die Einführung eines Faches wie “Medienkompetenz und Medienkunde” aber der 5. Schulstufe, die Schweiz macht es hoffentlich bald vor. Für unsere Generation galt ja noch “learning by doing”, da die LehrerInnen – zumindest an meiner Schule – selbst nur wenig Ahnung hatten. Die Kinder meiner FreundInnen werden sicher davon profitieren, wenn sie wissen, wie sie mit ihren Daten im Netz umgehen sollen. Außerdem sollte eine Sensibilisierung hinsichtlich der Rezeption gewisser Medien sowie der unreflektierten Nutzung von Social Media (Mobbing, Hate-Speech, Selbstdarstellung) erfolgen. Gesamtgesellschaftlich betrachtet sollte jede/r BürgerIn über die Funktionen, Chancen, Möglichkeiten als auch Gefahren der Massenmedien als auch des Internets Bescheid wissen. Was nicht heißt, dass im Unterricht eine schwarz-weiß Einteilung in richtig oder falsch erfolgen sollte – sondern eine diskursive, kritische Auseinandersetzung mit Themen wie ethisch korrekter Berichterstattung, PR-dominiertem Journalismus oder der Realität als medialer Konstruktion. Das ist nicht etwas, das nur Publizistik-Studierende betrifft.

Schade, dass immer noch davon ausgegangen wird, Medienkompetenz wäre angeboren.

An jedem Ort arbeiten können und ständig erreichbar sein. Was bedeutet das für Arbeit im Digitalen Zeitalter?

Für mich bedeutet es, dass ich mir in Zukunft zwei Handys leisten werde. Eines für private Belange, das wird meistens an sein. Und ein Arbeits-Handy, das ich zu einem fixen Zeitpunkt einfach abdrehen werde. Ich weiß, dass ich es Neugierde-bedingt nicht schaffen würde, auch außerhalb der Arbeitszeiten nicht auf meine Mails zu schauen und dadurch abgelenkt zu werden.

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Was müssen wir im digitalen Zeitalter tun, damit unsere Wirtschaft erfolgreich bleibt?

Hier kann ich mich Ninia nur anschließen: Es hilft nichts, den momentanen Misserfolg (sinkende Auflagen, Entlassungen von JournalistInnen) von etablierten Tageszeitungen auf die bösen bösen Onlinemedien zu schieben. Es wird Zeit, alternative wirtschaftliche Wege einzuschlagen, statt sich auf Phrasen wie “Das war immer schon so” auszuruhen. Auf lange Sicht hoffe ich, dass das Internet viele spannende, neue Jobs schaffen wird. Bezahlte Jobs, mit denen man sich eine Existenz aufbauen kann. Ohne Internetauftritt und aktive Kundenbetreuung, vor allem online, hat ein Unternehmen heutzutage meiner Meinung nach keine langfristige Chance mehr. Wer sich auf Social Media unnahbar und angriffslustig den KundInnen gegenüber zeigt, wird zwangsläufig Erfolge einbüßen, da kann das Team dahinter noch so gut sein. Diese Tatsache finde ich genauso faszinierend wie beunruhigend. Wer hätte gedacht, dass drei mächtige Unternehmen einmal über das Bestehen, die Wahrnehmung und das Image von Firmen entscheiden würden.

Die Digitalisierung schafft Chancen und birgt Risiken. Von der SPD erwarte ich, dass…

Als in Österreich Wahlberechtigte habe ich keinen Schimmer, welche Agenda die SPD im Bereich Digitalisierung verfolgt. Das Einzige, was ich dazu sagen kann: Mehr Informationen auf EU-Ebene in die tagespolitische Agenda schleusen, sofern es erwünscht ist, dass die Inhalte der SPD auch außerhalb Deutschlands wahrgenommen werden.

Fotoquelle: someecards