Nachdem die US-amerikanische Netflix Serie “Orange is the New Black” ungefähr auf allen mir zur Verfügung stehenden Social Media Kanälen hochgepriesen wurde, bin ich in einem schwachen Moment gewillt gewesen, mich selbst davon zu überzeugen. Dass die Washington Post mit dem Titel “‘Orange is the New Black’ is the best TV show about prison ever made” geworben hat, kann ich ebenso wenig nachvollziehen wie die einstimmig positiven Twitter-Meldungen.

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Um die stereotype Charakterzeichnung zu erahnen, muss man nur einen kurzen Blick auf das Foto oben werfen. Links: Der notorisch geile Bock, ein Polizist, der sich nur allzu gerne an den Frauen vergehen würde. Daneben: Ein lesbisches Paar, das sich in einer Toilette umarmt. In der Mitte, die ach-so-bemitleidenswerte, weiße, Mittelklasse Managerin, die wegen eines Drogenschmuggel-Deliktes vor zehn Jahren zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten verurteilt wurde und sich erst in dem “Biotop” diverser sozialer und ethnischer Gruppen zurecht finden muss. Der Plot, der meiner Meinung nach mithilfe der unterschiedlichen biografischen Elemente aufzeigen will, wer aufgrund seines persönlichen Hintergrundes in ein Gefängnis gehört und wer nicht, stößt mir dabei immer wieder sauer auf.

Dass Piper als middle-class white female offensichtlich nicht zu den anderen Frauen gehört, merkt man bereits in der ersten Episode. Mit snobbigen Kommentaren über das grauenhafte Essen macht sie sich Feinde in der Küche und wird die nächsten zwei Wochen versuchen müssen, anderweitig zu überleben. Ein klassisches Beispiel der In- und Outgroup Differenzierung. Ähnlich sieht es auch eine Autorin auf thefeministgriote: “I really wanted to like love the show, unfortunately I only found the show semi-tolerable. It is not epic or revolutionary as a series. The two major things that stymied by ability to enjoy the show was Piper’s white privilege and the stereotypical portrayal’s of the women of color. Both the fictionalized and real life Piper are white-middle-class ivy league women whose boredom with their posh cushy life led them into a life of crime.” In Rückblenden erfahren die ZuseherInnen nach und nach mehr von Pipers alltäglichen Erfahrungen abseits des Gefängnisses. Vor ihrem Aufenthalt liest sie Bücher darüber, wie man sich in einem Gefängnis verhält und welche Spielregeln gelten. Gute Vorbereitung ist schließlich alles, wenn man die Zeit dafür hat.

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Bevor sie ihre Reise antritt, muss (will?) sie noch ein letztes Mal mit ihrem Freund, Larry (Jason Biggs), Sex haben. Schließlich ist das dann für eine ganze Weile nicht mehr möglich. Als sie im Gefängnis ankommt, wird der Kameraschwenk von ihrem entsetzen Gesicht auf das bereits resignierende “Elend” nur allzu deutlich festgehalten. “In essence a problem really isn’t a problem until white people are impacted by it.” Piper, die brave, bürgerliche Partnerin, die erst vor kurzem ihren Hochzeitsantrag während des Strandurlaubes bekommen hat, muss sich hier – zwischen all den lesbischen Schwerverbrecherinnen, die auf der Toilette (wo sonst) pornographisch-anrüchigen male-gaze Sex haben – einfinden? Dass Pipers Ex-Freundin Alex, derentwegen sie ursprünglich ins kriminelle Milieu geraten ist, ihre Strafe in demselben Gefängnis absitzt, war wenig überraschend.

In einem Artikel auf der Website thefeministgriote werden die Stereotype über women-of-colour in OISTNB zusammengefasst.

I hate the stock stereotypes of the women of color.

  • The Black women are loud, overly aggressive, and used for comic relief
  • The Latina women are portrayed as being over sexed, having a million children, and use their sexuality as a weapon
  • There is an East Asian woman who never speaks, even when she is addressed directly
  • Claudette the Haitian woman is portrayed as a cold bitter immigrant mammy archetype (whose Haitian accents sucks!)

Obwohl die schauspielerische Leistung den HauptprotagonistInnen definitiv nicht abzusprechen ist (besonders toll ist die transsexuelle Sophia Burset), habe ich nach der vierten Folge aufgehört. Die, wenn man so will, “realitätstreue” Abbildung eines Insassinnenlebens hat auf mich einen geringen Reiz ausgeübt. Zu uninteressant sind mir auf Dauer die Dialoge über Belanglosigkeiten, die Beziehungen zwischen den Frauen, die Tagesabläufe, der Sex.

Dass natürlich nicht alles an OITNB schlecht ist, kann in diversen Kommentaren nachgelesen werden. Als neutralisierenden Ausgleich möchte ich daher einen kurzen Ausschnitt einer Passage von Samantha Gabriele über Race und Sexuality einbetten, die die positiven Aspekte an OITNB zusammenfasst.

Orange is the New Black is one of the first television series to showcase a range of women of multiple races. And even though the lead is white, I think the point of Piper Chapman is really to represent privilege. Based on different conversations I’ve had (..) very few people who watch OITNB like Piper. She’s entitled. She’s annoying. The realization of her privilege is then heightened all the more when you put her in a setting where she is surrounded by people of different backgrounds and races. Therefore, the show allows for a new level of understanding of race dynamics because it shows these women of different races co-existing. Most television series have a cast that is predominantly one race, but OITNB is doing something unique.

Piper is not exactly straight or gay. She falls somewhere on a spectrum, as she tries to explain to her mother and best friend during a prison visit when asked “so what, are you gay now?” This is not to say that there aren’t people who are “exactly” gay or straight, but that those people who don’t find themselves fitting into one of those two boxes shouldn’t feel the need to. Sexuality is personal and Piper acts as an example of the questioning and experimental aspects of sexuality.

Wer auf der Suche nach einer neuen Serie ist, kann sich natürlich selbst eine Meinung bilden und mir dann in den Kommentaren Bescheid geben. Wie hat euch die erste Staffel gefallen?