ant_sum16

Dann ist er plötzlich da, der letzte Tag in deiner Stadt. Das letzte mal die Wohnung verlassen, das letzte Mal die Treppen runter, das letzte Mal gemeinsam am Donaukanal sitzen, frühstücken gehen. Vorerst, das beruhigt. Die Tage abzählen, bis man sich wieder sieht. Schau mal, da waren wir gemeinsam und da auch. Erinnerungen an jeder Ecke. Flüge buchen, Hotelzimmer reservieren, Pläne schmieden. Bilder und Zeichnungen voneinander überreichen, Zeilen der besten Freundin lesen und dabei gleichzeitig weinen und grinsen müssen. Realisieren, dass man doch irgendetwas richtig gemacht hat – und wenn es nur die Beziehung zu diesen zwei Menschen ist. Wie es sich wohl anfühlen würde, wäre es länger als ein halbes Jahr. Nicht daran denken wollen, wie es sein wird, wieder öfters alleine zu schlafen. Kein Aufwachen neben diesem schönen Menschen.

16 Uhr, ein letztes Mal Fahrscheine kaufen, in die U-Bahn rein, Praterstern umsteigen, hoch zum 0 Wagen, Radetzkyplatz. Vorbei am Café Menta mit der unfreundlichen Bedienung, anläuten bei Top14, in den kleinsten Lift der Stadt steigen und auf drei drücken. Ein letztes Mal diese Wohnung betreten und darauf anstoßen, dass die Masterarbeit abgegeben ist und auch für sie ein neuer Abschnitt beginnt. Besprechen, was die kommenden Monate auf uns zukommt. Versprechen zu skypen. Nicht das erste Mal, dass technische Hilfsmittel zum notwendigen Übel werden.

Kurz vor viertel 7, ein letztes Mal betasten, Hände aneinander pressen und Luft holen, vor dem Abschiedskuss. Keine Erinnerung daran, wann mein Körper deinen verlassen hat, nicht mehr umdrehen, gehen, schneller, die Treppen runter, auf den Boden schauen, man will nicht überdramatisieren. Die Worte noch in den Ohren, was war es für eine unglaubliche letzte Zeit, was man nicht alles noch geschafft, gemacht, gesehen und besprochen hätte. Wenn das Leben doch immer so wäre, kurz vor dem Abschied, leicht und ohne jegliche Arbeitsmoral.

Mit frisch gewaschenen Haaren ein letztes Mal auf diese Tastatur einhauen, links neben mir die Kontaktflüssigkeit, Brille, seine Kette. Eine offene Pralinenpackung wartet, geleert zu werden. Sie wird hier liegen bleiben, genauso wie alles andere, das bis dato nicht im Koffer verschwunden ist. Soll ich den Bademantel einpacken? Die Collage, die du mir gemacht hast, behutsam verstecken. Zwischen dem braunen H&M Blazer aus dem Sale 2011 und dem schwarzen Einteiler aus dieser kleinen Secondhand Boutique im siebten.
Wien, ich weiß nicht, ob du mir fehlen wirst. Aber um ehrlich zu sein, war meine Vorfreude schon einmal größer.