Dass die 40-Stunden-Woche nicht glücklich macht und das Leben zwischen U-Bahn-Fahrt und Kontaktlinsenabholung kräftezehrend ist, haben zwei Jahre nach meinem viralen Artikel auf ze.tt auch die letzten gescheiterten Vertreter einer vermeintlich ausgewogenen „Work-Life-Balance“ verstanden. Weniger Arbeit, mehr Spaß und Hobbytöpfern für Anne-Marie. So weit, so gut.

Doch was sollen all die erleuchteten Menschen nun mit ihrem Leben anstellen, wo sie es nicht mehr gefesselt vor Excel-Tabellen und unübersichtlichen Word-Dokumenten absitzen – sondern zuhause vor Netflix? Sollen sie tagein, tagaus ihre Zehennägel schneiden? Natürlich nicht. Denn das eigene Dasein, es braucht Bedeutung.

Die Lösung scheint zum Greifen nah! Anderen Menschen in einer One-Size-Fits-All-Manier zu erklären, wie auch sie ganz einfach ohne große Mühen von Zuhause aus arbeiten und mit ihrer widerständigen „Me first“-Haltung Hoffnung versprühen können, gehört schon fast zum Standard-Ratgeberrepertoire eines selbstbestimmten Individuums 2019.

Die Sprüche lauten immer gleich: Lerne, wie du dir mit Onlinekursen dein profitables Business aufbaust! Helfe Menschen dabei, ein authentisches Leben zu führen! Finde deine innere Stimme! Lerne, zu priorisieren! Und, auch ganz wichtig, glaube an deine Träume. Wenn du dich selbst nur hart genug in einem CEO-Sessel in Hawaii visualisierst, ja, was soll denn da noch schiefgehen?

Ob dieses „gute Leben“ finanzierbar ist, wird bei den meisten Online-Angeboten, die man zu diesem Thema so zur Umsetzung findet, erstmal nicht angesprochen.

„5 ways to become your ideal self“

Du weißt nicht, wohin du willst? Hauptsache k…