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25. April 2018
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Jesus Christ, dieser Monat war heavy. Nach Todes- und Krankheitsmeldungen im eigenen entfernten Bekanntenkreis drehte sich auch für mich alles darum, die richtige Mischung zwischen Professionalität (Stand: viel zu viele Texte), bewusster Unavailability (Nein, ich bin freitagnachmittags nicht verfügbar) und meinem Privatleben zu etablieren. Denn let’s be honest here:

if you don’t have mental h e a l t h, you have literally nothing

– um mal wieder Shon Faye zu zitieren.

Vielleicht ist es euch schon aufgefallen, dass ich knappe drei Wochen nichts gepostet habe. Ganz einfach, weil ich im RL nicht ständig damit beschäftigt sein wollte, den perfekten Shot zu schießen oder die perfekte Caption zu schreiben, während ich eigentlich gerade etwas anderes machte. Ich wollte existieren und den Moment genießen. Statt an meiner Karriere, an meiner Gesundheit arbeiten.

Die Autorin, beim Strawanzen in Moabit mit Bae vor ein paar Wochen

Fun hin oder her: Social Media setzt mich oft unter Druck, auch nach Feierabend (there is such a thing) zu „performen“ und auf Nachrichten zu antworten, obwohl ich auch so schon genug Zeit aufwende, um all meinen sozialen Beziehungen – mehr oder weniger – gerecht zu werden. Sounds familiar? Dann kannst du hier meinen Text über die größte Hürde der Selbstständigkeit nachlesen. Mich gänzlich von Social Media abzumelden ist übrigens weiterhin keine Alternative. Warum die totale Abstinenz auch in Zeiten von Datenskandalen für mich und viele andere Schreiberlinge keinen Sinn macht, hat Stefan Schett auf seinem Blog aufgeschrieben.

Meine Grenzen nicht nur in Bezug auf Social Media zu stecken und diese auch in Stresssituationen nicht zu überschreiten, kostet einiges an Energie. Wenn alles nach “Plan™” läuft, hab ich genau diese Energie allerdings auch in den nächsten Monaten für die schönen Momente des Sommers übrig. Was mich abseits von meinem eigenen Mental State beschäftigt hat, war der Tod von Tim Bergling aka Avicii.

Nicht, weil ich ein besonderer Fan war oder ihn persönlich kannte – natürlich tat ich das nicht. Sondern, weil er ein Künstler war, der offensichtlich an Anxiety, Depressionen, Panikattacken litt und mal wieder nicht viel passierte, um das Unglück zu verhindern. Er war ganz offensichtlich ein Introvert, jemand, der irgendwann aufgrund des großen medialen Interesses und der ständigen Konzerte seine Liebe zum Performen verlor. Das, was ihn einst dazu antrieb, weiterzumachen. Er hat aufgehört zu touren, zuerst für sieben Monate, dann komplett – weil es ihn nur noch unter Stress gesetzt hat.

Was viele nicht wissen, bevor sie berühmt werden, ist, dass der Trubel nicht eines Tages wieder abgestellt werden kann. Dass der Kommerz alles am eigenen Schaffen verändert, den Zugang dazu. Die Passion.

Bernhard Amelung hat in der Badischen Zeitung kurz & zusammenfassend über seine Erkrankungen geschrieben. Treffend fand ich auch die Worte von Kristoffer Cornils auf Groove: “Denn was ich als Urlauber über mich ergehen lassen musste, das ist für nicht wenige in unserem Business der harte Alltag. Umso mehr noch: Von mir erwartet niemand, dass ich zwei Stunden lang vor tausenden Menschen Gas gebe, mir für Meet and Greets ein Grinsen abzwänge und zum Abschluss noch für einen rührseligen Dankespost auf Instagram posiere – bis zu über 100 Mal im Jahr.”

Und auch auf Netflix gibt es eine Doku („True Stories“), nach der der Zuseher ganz gut erahnen kann, was letztlich zu Berglings Tod führte. Die exzessive Arbeit. Die nicht vorhandene Möglichkeit, abzuschalten. Selbst, als Tim mehrere Monate nicht tourte, musste er daran denken, wie seine Karriere später weitergeht. Er wusste, er muss da wieder raus, obwohl er nicht wollte. Er hat Alkohol getrunken, wie so viele andere in der Szene auch, um runterzukommen. Und weniger nervös zu sein. Um sich von der Erwartungshaltungen zu befreien, die andere an ihn gerichtet hatten. Bin ich die Einzige, die sich nichts Schlimmeres vorstellen kann, als berühmt zu sein?

Die Menschen denken nicht daran, was neben den finanziellen Vorteilen auch auf sie zukommt: Stress in einem Ausmaß, der für niemanden gesund sein kann. Warum sterben so viele Künstler und Künstlerinnen so verdammt jung? Weil man sich als Normalsterblicher nicht auf das vorbereiten kann, was nur so wenige zu ihren Lebzeiten durchstehen müssen.

Das ständige Ausgeliefertsein. Der Druck, zu funktionieren und die Menschen zu befriedigen, die von einem als Produkt zehren.

What a   s h a m e   ? Was Mental Health mit Mariah Carey zu tun hat

Umso schöner finde ich, dass Mariah Carey sich nun offen als bipolar „geoutet“ hat. Fans spekulierten schon länger, Hater denunzierten sie gerne als Diva – jetzt hat Mariah Carey selbst über ihre bipolare Erkrankung gesprochen, die sie aus Marketing-Gründen lange Zeit für sich behalten musste.

Als sie 2001 einen physischen und mentalen Zusammenbruch erlitt, war auf ihrer Website lediglich die Rede davon, sie hätte sich „überarbeitet“.

Dass die Wahrheit erst ganze 17 Jahre später ans Licht kommt, sagt einiges über die Gesellschaft aus, in der wir leben. Es ist bedenklich, dass es so lange gedauert hat, bis wir nach hashtags wie #notjustsad und diversen Promi-„Outings“ öffentlich über psychische Erkrankungen sprechen können.

Gerade auf dem Arbeitsplatz ist das noch immer nicht selbstverständlich. Den ganzen Text könnt ihr auf Broadly lesen.

Eine Krankheit, hinter der ich mich persönlich nicht mehr länger verstecken möchte, ist mein chronisches PMDD. Noch nie gehört? Dann lies doch diesem Artikel von Chloe Caldwell. PMDD ist vereinfacht gesagt PMS – in doppelter Stärke und Länge und heißt ausgeschrieben Premenstrual Dysphoric Disorder. Ob frau davon betroffen ist, kann durch das Tracken des Zyklus (ich empfehle Clue), und mit ein bisschen Glück bei der Wahl auch beim Arzt festgestellt werden. Die meisten Frauen – inklusive mir – leiden nach dem Eisprung über einen Zeitraum von acht bis zwölf Tagen an einem Abfall von Progesteron, was zu Paranoia, Aggression und anhaltender, theoretisch unbegründeter Traurigkeit führen kann. Bislang sind keine langfristigen Behandlungsmethoden bekannt. Dennoch: es ist gut zu wissen, wann die kritische Phase einsetzt, um sich seiner eigenen Ängste bewusst zu werden.

Wenn nicht für unsere F r e u n d s c h a f t kämpfen, für was dann?

Themenwechsel zur schönsten Nebensache der Welt: Knutschen auf Parkbänken. Wer sich aktuell gerne über ebendiese Turteltauben beschwert, vergisst dabei meist eines: dass eine Paarbeziehung in der heutigen Gesellschaft immer noch als die verlässlichste Quelle für Kuscheleinheiten und gegenseitige Fürsorge gilt. Briallen Hopper findet genau das ziemlich unfair, und schreibt auf thecut über ein komplexes Thema, dem bisher viel zu wenig gesellschaftliches Gehör verschafft wurde. Wie sollen sich Singles auf ihre vergebenen Freunde verlassen, wenn diese keinerlei Anstalten machen, diese in ihren Alltag zu integrieren?

Unbekannte Schönheit und ich in diesem Berliner RL, das ich oben beschrieben hatte

Als ob Singles nicht so schon genug Probleme hätten, hat uns Gott mit einer Routine namens „Kennenlernphase“ gestraft. Ein unangenehmes Hin und Her zu Beginn einer Bekanntschaft, während dessen man so tut, als hätte man Interesse am Generationenstammbaum seines Gegenübers, obwohl man eigentlich nur einen kostenlos Drink in einer fancy Bar haben wollte. Ich habe vor einiger Zeit hier auf Watson über die nervigsten Fragen beim ersten Date geschrieben.

Einmal a u f w a c h e n zum Mitnehmen

Ein Thema, das nicht nur conscious lebende digitale Nomaden betrifft: wie kann man sich als backpackender Westeuropäer auf Reisen begeben, ohne dabei a) wie ein Vollidiot auszusehen und – viel wichtiger – dabei b) konstant von einem schlechten Gewissen geplagt zu werden? Valerie-Siba Rousparast hat im Missy-Mag einen tollen Artikel “Urlaub auf Privilegien” darüber verfasst. Unbedingt an alle backpackenden Freunde weiterschicken, bitte!
Und wenn wir schon beim Thema Nachhaltigkeit sind: auch Kaufsucht ist eine Sucht. Selbst wenn man dabei keine High-Heels trägt und durch New York spaziert. Über ihren Weg aus den Impulskäufen schreibt Cait Flenders auf Lenny.

Erstmal hinlegen und g l o t z e n

Gerne verschrien, von mir umso lieber als Königsdisziplin der Selfcare praktiziert: chillen mit mir selbst im Bett. Was dabei nicht fehlen darf, sind gute Serien und Filme. Dieses Monat möchte ich „Doctor Foster“ auf Netflix empfehlen. Eine Serie, die ich durch Zufall entdeckt und dann gleich bei einer Portion selbstgemachtem Tofu-Curry durchgebinged habe. Es geht um eine hässliche Trennung in einer hässlichen Kleinstadt, in der niemand mit niemandem befreundet ist. Zumindest nicht so wirklich.

Dann – ganz klar – Film des Monats: LadyBird. Ein Film, den du dir mit deiner Mutter ansehen kannst ohne dir bei den Sexszenen die Augen zuzuhalten. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die realistische Perspektive auf das künftige Leben Ladybirds. Ja, die übertriebene Naivität, mit der die 17-Jährige gesegnet ist und aufs Leben schaut, das für sie aufgrund unterschiedlicher Faktoren eben keine Eliteuniversität vorgesehen hatte. Ganz großes Puppentheater: der Mutter-Tochter-Konflikt. Kennt wirklich jede!

Noch was Kurzes vor dem Einschlafen gefällig? Dann geht’s hier weiter zu sechs richtig guten YouTube-Dokus auf Broadly. Über “übriggeblieben”“ Frauen in China, Obdachlose in Brighton und Models in China aus Sibirien.

Ich wünsch euch ganz viel Stärke für die klebrigste aller Jahreszeiten. Und nicht vergessen, zu Knutschen – immer noch die allerbeste Medizin.

Eure
Bianca

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