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12. März 2018
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Immer wieder scrolle ich auf Instagram über Posts, deren Caption (Bildbeschreibung) mir nur ein müdes Gähnen entlockt, oder erst gar keine Reaktion hervorruft. Ein Beispiel gefällig?

“Ich in Spanien – Qué dia bueno!” oder: “Heute war ich mit meiner Freundin im Zoo, wir haben Eis gegessen und echt Spaß gehabt. Wünsch euch einen netten Tag!” Was daran schlecht ist? Gar nichts, wenn dir diese Statusmeldung anno 2010 zusagt. Inzwischen ist es allerdings so, dass wir im Story-Telling-Zeitalter leben und Menschen ein bisschen mehr Futter brauchen, um sich angesprochen zu fühlen. Leute folgen Leuten, von denen sie sich inspiriert, verstanden oder angesprochen fühlen. Ich folge Menschen, von denen ich mich inspiriert, verstanden oder angesprochen fühle. Menschen, die es schaffen ihr Seelenleben, ihre Gedanken und ihren Alltag so zugänglich zu machen, dass sich andere darin wiederfinden. Menschen, die mehr zeigen als ihr morgendliches Müsli.

Das kann man jetzt natürlich total schrecklich finden (“Was für ein Posting-Druck!”) und für den Untergang des intellektuellen Abendlandes halten (“Was für ein Dreck!”). In den allermeisten Fällen wird sich dein Publikum allerdings nicht durch erklärbärige Fakten aus Wikipedia, 08/15 kopierten Zitaten (“A best friend is like a four-leaf clover: hard to find and lucky to have”) oder erst gar keinem Text angesprochen fühlen. Wer weiß, wie er anspruchs- und inhaltsvolle Captions schreibt – sei es im Feed oder in der Story – kann damit neben persönlichen natürlich auch globale gesellschaftliche Probleme oder Phänomene thematisieren.  Instagram muss nicht zwingend unpolitisch sein.

Was ist eine Caption?

Dieser mehr oder weniger lange Text unter einem Foto. Captions sind das, was (d)einen Account gemeinsam mit einer ästhetischen Bildanordnung von anderen abhebt. Denn schöne Fotos kann inzwischen jeder Corporate Account. Gute, inspirierende Captions sind viel mehr als „lovely day at the beach“, sie sind der poetische, in Form gebrachte Transporter vom Innenleben, was jeder so persönlich oder abstrakt gestalten kann, wie er/sie möchte.

Diese Caption habe ich beispielsweise zum Thema “Heilung” geschrieben:

Immer wieder stolpere ich auf Instagram über das Wort, den Diskurs rund um „Healing“ und erwische mich dabei, wie ich eine sehr genaue Vorstellung davon inkorporiert habe. Visuell wird #Healing meist mit sauberer Bettwäsche und Kaffeetassen, Selfies im Urlaub oder Yoga-Posen inszeniert. Während ich selbst heile, spüre ich nichts dergleichen. Wie auch, ist Heilung doch viel mehr ein schmerzvoller, als ein angenehmer Prozess, der sich über Monate ziehen kann. Ich sehe scheisse aus dabei. Wie eine Wunde auf dem Knie auch ist die innere Krätze nicht sofort verschlossen. Erstmal ist eine Wunde offen, dann blutet sie nach, später folgt unerwartet Eiter. Dann muss nachgeholfen werden. Mit Pflastern, mit Puder, mit Küssen auf die Stirn von geliebten Menschen. Mit Geduld. Bis sich eine stabile Kruste bildet, muss immer wieder auf die Stelle aufgepasst werden, sodass sie sich nicht entzündet. Manchmal reißt sie trotzdem auf.

Jede Welle, die mich zum Meeresboden reißt, reißt etwas anderes in mir auf und nieder. Wenn ich nach fünf Sekunden unter Wasser auftauche, nach Luft schnappe und mir die Haare aus dem Gesicht wische, spüre ich: nicht heute, aber bald ist es vorbei.

Wie entstehen gute Captions? Und was macht einen strategischen Insta-Account aus, der zu mehr Kunden und Followern führt? Ich gebe genau zu diesem Thema am 16. Juni einen Workshop in Berlin. Anmelden kann man sich hier

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