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26. Februar 2018
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Auch diesen Monat habe ich wieder die Muße aufgebracht, die Artikel und Beiträge für euch zu sammeln, die mich in besonderer Weise interessiert, beeindruckt oder berührt haben. Viel Spaß auf der Couch!

“Who needs friends?” von Richard Ford.
Eine berechtigte Frage und eines der besten Essays zum Thema Freundschaft, das ich je gelesen habe – inzwischen ganze drei Mal. Ford schreibt mit einer Ehrlichkeit, die ich im deutschsprachigen Raum vermisse und seziert sich selbst in seiner eigenen Seltsamkeit.

Turning the tables, I notice that in my relations with others people tend to like me at first (if they don’t just dislike me instantly). I’m polite, candid, I listen, I take an interest, don’t obviously mean ill to the world. I try to credit that there really is another person standing there. But after a while, people almost always come to like me less, as if in coming to know me a grainy light had been focused on me, revealing qualities that are less appealing rather than more: I’m too candid; or else my candour is false; or my good manners are faked; or all of me is a fake. Of course, who among us hasn’t cringed at his own occasional bogus-ness? You don’t have to be a novelist for that to be true. Just alive.

Till Räther hat etwas Ähnliches im Süddeutsche-Magazin versucht, wird dem Original aber leider nicht annährend gerecht. Trotzdem: kann man schon lesen.

Plötzlich ist da diese Falte im Nacken von Laura Ewert

Ein Text, der wehtut bei jeder Zeile. So gut ist er geschrieben, so prägnant schreibt Laura Ewert über die wohl schwierigste Zeit ihres Leben.

“Die Ärztin erklärt, dass sie nicht genügend Erfahrung habe, dass es nichts bedeuten müsse, dass ich überlegen sollte, das abzuklären. Sie misst nach, ohne vorher zu fragen: 5,5 Millimeter. Sie gibt mir das Foto, ohne es in den Mutterpass einzuheften, dazu einen Zettel mit Ärztenamen und Nummer. „Muss nichts bedeuten. Lassen Sie das abklären“, sagt auch die Sprechstundenhilfe und guckt verunsichert.”

Männer, Fell und Flausch von Marlen Hobrack

Marlen Hobrack ist schon seit drei Jahren eine meiner liebsten Autorinnen. Sie schreibt so intellektuell, wie ich gerne wäre und trifft mit ihren Analysen im Freitag und in der Zeit immer ins Schwarze. Diesmal geht es um Männer auf Instagram, und warum sie dort auf uns (Frauen*) oft so lächerlich wirken.

Die Mischung aus Härte und Zartheit, vermeintlicher Natürlichkeit und Naturverbundenheit ist nicht nur das haarige Gegenbild zur eher homoerotischen Ikonografie des Tankwart-Erotikkalenders, dessen Hauptzielgruppe vermutlich nicht Frauen sind. Diese Instagram-Bilder richten sich, so wirken sie jedenfalls, an wahlweise pubertierende Mädchen oder an Hausfrauen um die fünfzig, die sich beim Blick auf ihren vielleicht bierbäuchigen Partner fragen, ob es nicht doch noch mehr geben könnte da draußen. Vielleicht so einen Wikingertypen, der einen im häuslichen Hof überfällt und dann – aber ach, ich schweife ab!

“Verlieren” als Überthema in Katrin Rönickes und Alexandra Tobor Podcast Anekdotisch Evident

Verlieren hat viele Bedeutungen. Wir können unseren Regenschirm verlieren, oder gleich unseren Verstand. Wir verlieren, wenn wir im Spiel unterliegen oder wenn wir an unseren eigenen Erwartungen scheitern. Die einen verlieren auf einen Schlag ihre Heimat, während die ewigen Verlierer aus Deutschland, kollektiv erstarkt, der AfD applaudieren. Unsere kapitalistisch geprägte Welt hat wenig übrig für den Verlierer, doch in der Popkultur genießt er ikonischen Status. Denn im Gegensatz zum geradlinigen Gewinner haben seine Geschichten Tiefe und Aussicht auf eine Wendung. Nur wer fällt, hat die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Ist das Verlieren am Ende eine Kunst, deren Beherrschung die Voraussetzung für echten Erfolg ist? Wie Nelson Mandela so treffend sagte: “Ich verliere nie. Entweder ich gewinne, oder ich lerne.“

Wieso redet eigentlich niemand über Größe 40? von Julia Hackober

Ja, das habe ich mich auch schon einmal gefragt. Der Text ist etwas älter, ich wollte ihn aber trotzdem empfehlen, weil er etwas veranschaulicht, das heute genauso aktuell ist wie 2016.

Größe 40 hingegen polarisiert nicht. Es scheint sich nicht richtig zu lohnen, medial darüber nachzudenken, weil dazu weder „schockierende Magerfotos“ noch „mutige Kurvenbilder“ passen, wie es in Klatschblättern so schön heißt. Also wird die 40 ignoriert. Einfach zu normal. Wenn über Körper diskutiert wird, dann muss schon eine wuchtige Ashley Graham im Negligé als Anschauungsmaterial herhalten.

Im Body-Positivity-Diskurs darf man eigentlich nicht von „normal“ sprechen, schließlich gibt es das ja gar nicht, jeder Körper sieht anders aus und Kleidergrößen sind nur Zahlen. Und doch scheint die 4 eine geheime Grenze darzustellen: Zwischen den Schlanken und den Nicht-mehr-Schlanken.

Nicht versöhnt – eine Kolumne von Barbara Kaufmann

Wieso können manche Menschen nicht vergessen, nicht verzeihen – und warum liegen zwischen dem eigenen Empfinden und jenem der anderen Gräben, die wir nicht begreifen können?

Ein paar Wochen sind wir zusammen gewesen, das bedeutete damals nicht viel. Und irgendwann waren wir es dann nicht mehr. Sitzen zwei Tauben am Dach, fliegt eine fort, mehr ist nicht geschehen. Fast 20 Jahre sind seit damals vergangen und ich freute mich wirklich, als ich ihn wiedersah.

Ich sprach ihn an, doch als er mich seiner Begleitung vorstellte, sah sie mich verächtlich an, als wollte sie mich damit an seine Verachtung für mich erinnern.

Heiß diskutiert: Sexarbeit und sexueller Feminismus – mit Ilan Stephani – wieder mit Katrin Rönicke

Ich habe selten so oft den Kopf schütteln und anschließend doch noch nicken müssen wie bei diesem Gespräch von Katrin und Ilan. Unbedingt reinhören und danach die Kommentare lesen.

Ilan Stephani ist Sexarbeiterin gewesen. Das ist lange her. Sie hat dabei so viel gelernt, dass sie 2017 ein Buch darüber herausgebracht hat. In “Lieb und teuer” seziert sie die Vorstellungen über Sex in unserer Gesellschaft, die Macht & (Doppel-) Moral.
Eigentlich ist sie aus einer Mischung aus Neugier und Protest in der Sexarbeit gelandet, mit all den Vorurteilen, die auch viele andere in der Gesellschaft über Prostitution, Bordelle und Freier haben. Damals lernte Ilan Stephani so viel über das Leben, unsere Geschlechterbeziehungen, die Sehnsüchte, Sex und Macht, dass es sie auch zehn Jahre später noch umgetrieben hat und schließlich hat sie ein Buch geschrieben, in dem ihre Erfahrungen nachgelesen werden können.

„Sexy“, „heiß“, „nackt“: Der ganz normale Sexismus in Sportberichten von Valerie Lechner

Heiße Schiri-Frau verdreht allen den Kopf, Tennis-Beauty versext ihre Instagram-Fans, So schamlos ist die Nackt-Freestylerin: Headlines wie diese sind Alltag. Die Berichterstattung über Frauen im Sport kann man nicht anders als grob sexistisch nennen, besonders in Boulevardmedien. Qualitätsblätter pflegen zwar einen anständigeren Umgangston, doch gibt es auch dort ein Problem: Frauen kommen in der Sportberichterstattung nur sehr selten vor.

Hochsensibel in einer Dreier-WG – mein Leben am Limit von Maria Anna Schwarzberg

Ein Artikel, den ich nur allzu gut nachvollziehen kann. Wohne ich doch auch aus Gründen bevorzugt: alleine.

“Es liegt nicht an Tinder” von Juliane Rump im Libertine Mag

Bindungsängste – wer kennt sie nicht? Ein Interview, das ich eigentlich allen ans Herz legen möchte, die sich für das große Überthema Liebe interessieren ist folgendes.

Bindungsängstliche im aktiven Modus sind Partner*innen, die aktiv aus der Beziehung flüchten oder diese boykottieren. Die passiven Partner*innen sind jene, die mit Aktiv-Bindungsängstlichen eine Beziehung führen oder eingehen wollen. Ob die oder der Bindungsängstliche sich im aktiven oder passiven Modus befindet, kann allerdings zwischen verschiedenen Partnerschaften und auch innerhalb einer Partnerschaft wechseln. Wie bereits erklärt, machen viele Betroffene die Erfahrung, dass sie immer dann besonders verliebt sind, wenn sich ihr Partner oder ihre Partnerin nicht wirklich auf die Beziehung einlässt. Deswegen kann es passieren, dass der passive Part in den aktiven Modus wechselt, sobald sich der oder die Angebetete ernsthaft auf die Beziehung einlassen will. Bindungsängste sind für die Betroffenen nicht leicht zu durchschauen. Meist herrscht große Verwirrung über das eigene häufig paradoxe Verhalten.

Romantic Love is Killing Us: Who Takes Care of Us When We Are Single? von Caleb Luna

Bleiben wir beim Thema Liebe. Gerade Singles sind in unserer Gesellschaft oft von körperlicher und psychischer Intimität ausgeschlossen, die Menschen für gewöhnlich in monogamen, klassischen Paarbeziehungen ausleben. Die Autorin kritisiert das scharf und plädiert für mehr Unterstützung – gerade auch für Menschen, die Dauersingle sind. Ob gewollt, oder ungewollt.

I am tired of fighting my friends. I am tired of trying to convince them that I matter as much as their romantic interests and partners. In many ways, who we choose to love is also a decision of who we invest in, and who we distribute the resources necessary to keep one another alive—including care. I am tired of trying to get people who love me to see that I am worthy of love, care, investment and attention as much as their romantic partners. I am tired of trying to make those who love me see that I am worthy of care, time and attention as much as the whiteness and thinness they invest in through their partners. I am sick of reminding them of the simple fact that who we choose to love and, by extension, invest in is political.

My solution for writer’s block: stop writing von Jente Kater

Zum Schluss noch etwas für alle Writer, die gerade an ihren Texten verzweifeln. Diese Tipps haben mir geholfen, erstmal guten Gewissens nichts zu tun.

I watch out that I don´t take on too much information about the subject though. Like that slightly too enthusiastic account manager, with a product description consisting of four pages in part 11 alone. Nice, but it is possible that knowing too much about your subject can be counterproductive.

What is nice about this phase is that it makes no difference whatsoever what you come up with, or what great (or bad jokes) you make. Anything goes at this point – it’s not down in black and white, yet.

OK, maybe the text that you´re going to write doesn’t lend itself to jokes and gags at all. But in letting your mind wander like this, you give yourself the freedom to write a good story. Or at least to have fun while you´re trying to write.

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