No comments
16. Januar 2018
Share:

Auch, wenn ich mich das eine oder andere Mal zusammenreißen musste, um einen interessanten Text nicht sofort an alle meine WhatsApp-Kontakte zu versenden, zu posten oder zu twittern: ich habe es irgendwie geschafft, eure Timelines nur mit meinem eigenen Gesicht und Schweden-Fotos vollzuballern. Na bitte! Deshalb gibt es hier nach langer Pause mal wieder meine Must-Reads des Monats, die thematisch und sprachlich nicht unterschiedlicher sein könnten. Enjoy!

1. Laurie Penny: Non-Compete Clause

Laurie Penny ist und bleibt eine meiner allerliebsten Autorinnen, weil sie Probleme beschreibt, bevor sie von der Mehrheitsgesellschaft erkannt werden. In ihrem Text „Non-Compete Clause“ schreibt sie darüber, was die rare Ressource Macht mit der Konkurrenz unter Frauen zu tun hat, und warum wir aufhören sollen, Frauen, die dasselbe tun wie wir, als unsere Endgegner zu betrachten.

„Feminine power is a restricted commodity—a scarce resource that we’re forced to compete for. You know what they do to scarce resources in this world. Girls can be so mean, can’t they? Female competition is still a largely unspoken script of internalized sexism, but when we do speak of it, when we dare to mention the problem of rivalry, jealousy, and resentment between women, we’re often told that that’s just the way women are.“

2. Kat George: Taylor & Katy may have sold millions but in 2017 their cultural power faded

Eine meiner liebsten Seiten, die sich auf popkulturelles Nischenwissen spezialisiert hat, ist Dazed and Confused. In diesem Text von Kat George geht es um die sinkende Relevanz von Taylor Swift und Katy Perry, die sich auch in Zeiten eines rauen politischen Klimas weigern, politisch aktiv zu werden und sich auf ihren ökonomisch-messbaren Erfolgsindikatoren ausruhen. Die Frage ist: wie lange noch?

“(…) but with many of pop’s once teenaged fans now entering adulthood, and doing so in an extremely volatile political environment, there’s clearly a demand for something more adventurous and challenging.”

3. Jovin Barrer: Ich häkle, also bin ich – der Niedergang der Do-it-yourself-Bewegung

«Do-it-Yourself» steht aktuell für chic, selbstgemacht, nachhaltig, raffiniert und ganz viel Pastellfarbe. Dass das nicht immer so war, erklärt Jovin in bekannt provokanter und stilistisch einwandfreier Manier auf watson.ch. Die Selbstmachkultur war in ihrem Ursprung nämlich ein gesellschaftskritischer Lifestyle, mit dem Öko-Hippies und linke Punks zwischen den späten 60ern und den frühen 90ern dem Konsumwahnsinn absagen wollten.

4. Ein Interview von Kaitlin Menza mit Tavi Gevinson: How I Get It Done

Tavi schreibt gerade an ihrem ersten Buch und spricht in diesem Interview so offen wie wenige Branchengrößen über den Struggle, den sie damit hat, ihre Gedanken an ein großes Publikum auszuspielen und was es bedeutet, als Teenager berühmt zu werden und eine eigene Firma aufzubauen.

“It feels weird to talk about some personal writing project that isn’t done, but I also think that part of the reason it always feels like everyone else is killing it and you’re falling behind is because people only give interviews and talk about what they’ve done once they’ve already done it — when they’re promoting it and it’s all over.”

5. Suzannah Weiss: The Worst Part of Working Remotely Is Trying to Guess What Your Boss Is Thinking

Bleiben wir beim Thema Arbeit. In diesem Artikel wird von der Angst gesprochen, die Gedanken des Auftraggebers aus der Ferne nicht lesen zu können, und die damit verbundene Unzufriedenheit und Unsicherheit. Ein Must-Read für alle Neo-Selbstständigen und die, die es noch werden wollen.

6. Laura Owen: Facebook drastically changes News Feed to make it „good for people“ (and bad for most publishers)

Mark Zuckerberg hat bekannt gegeben, dass Facebook von nun an Content von Freunden und Familie bevorzugen will, statt Content von Marken und Medien.

“Some news helps start conversations on important issues,” Zuckerberg wrote. “But too often today, watching video, reading news or getting a page update is just a passive experience.” Users will be given “more opportunities to interact with the people they care about,” which necessarily means less publisher content.

Ich bin gespannt, wie Medien darauf reagieren wollen. Wenn der Algorithmus die Ausspielung von Nachrichteninhalten im Feed limitiert, werden Verlage wieder gezielter auf die Landing-Page setzen müssen, die in den Mediennutzungsgewohnheiten vieler Menschen kaum noch eine Rolle spielt. Auch sehenswert zu diesem Thema: In der Kulturzeit vom 12. Jänner geht es um die Deutungshoheit im Netz und die Konsequenzen des Netzwerkdurchsetzungsgesetztes – kommentiert vom Medienrechtler Chan-jo Jun.

7. Bitter Gertrude: Why so Many Men Hate The Last Jedi

Ich war diesen Monat natürlich auch im Kino, um mir den neuesten Star Wars Streifen reinzuziehen. Und ich muss sagen: anders als seine beiden Vorgänger hat er mir – bis auf die etwas schwache Story, aber gut, darum geht’s eh nicht –recht gut gefallen. Anders als vielen Männern – so schreibt es zumindest Bitter Gertrude auf ihrem Blog.

„Usually, when a film is genuinely bad, we’re all in agreement about at least a few areas of obvious badness. There’s not much controversy about the general awfulness of Jar Jar, Hayden Christiansen’s acting, or the wooden love scene dialogue of the prequels. Sure, there’s the occasional outlier insisting they love Jar Jar, but on the main, these are obvious, agreed-upon flaws. Yet there’s no agreement about The Last Jedi. Instead, I’ve seen dozens of contradictory opinions, and at least half of them are stated like this:

“I’m fine with female-driven films, but I just hate this particular one for reasons.”

8. Aditi Natasha Kini: I’m Tired of Watching Brown Men Fall in Love With White Woman Onscreen

Ein Film, den ich mir nach diesem Text unbedingt ansehen wollte und auch angesehen habe, war „The Big Sick“. Es geht um die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Kumail Nanjiani und Emily Gordon.

Aditi schreibt:

„As much as I liked it—and I did—I also found myself exhausted, yet again, by the onscreen depiction of a brown man wanting to date a white woman, while brown women are portrayed alternately as caricatures, stereotypes, inconsequential, and/or the butts of a joke.

I know, I know: isn’t it progress to see Asian men get the girl for once, instead of stand-in as a prop, token or joke? Sure, it’s great that Hollywood is putting its money behind narratives with brown men at the helm, as in The Big Sick and Master of None. But both also center white women as the love interest—a concept which, in the complex hierarchy of power and race in America, pays lip-service to the one notion that has shaped the history of South Asian and American culture alike: Whiteness as the ultimate desire.

9. Claire Carusillo: You Need Three Tote Bags, Max

Ein Text für alle, die die Tote-Bags am Garderobenständer nicht mehr zählen können und es trotzdem nicht schaffen, die Hälfte davon in den Müll zu werfen.

„And that’s why I kept my tote bags around for so long, too. To impress you. And to impress this incorrigible Max guy. That’s why you and I hoard these tote bags. To prove we’ve been somewhere cool (“cool”), like a San Pellegrino event in a garage in Chelsea with cast members from Pretty Little Liars. Or to prove we’ve done something impressive, like read a whole issue of the New Yorker. I’ve done both approximately once, and yet I’ve kept the insignia tote bag around for years, pretending it’s my norm.“

10. Viv Groskop: Is there strength in admitting that we’re all just a bit of a mess?

Ich vermisse Menschen in meinem beruflichen Umfeld, die über die negativen Seiten der Selbstständigkeit oder der kreativen Arbeit sprechen, weil sie stattdessen damit beschäftigt sind so tun, als ob sie immer alles im Griff hätten. Was für ein Bullshit. Neueste Forschungsergebnisse zeigen jetzt, dass es einen positiven Effekt haben kann, ein „defensive pessimist“ zu sein. Na bitte!

„There’s a growing school of thought that positive thinking – which started to gain ground as a self-help idea in the 1960s – has not been conducive to good mental health. Last year, an oft-cited study on motivation and emotion, conducted by the appropriately named Society for the Study of Motivation, found that when people acknowledge and address negative emotions, it helps them to change their behaviour and have better responses.“

Passend dazu gibt es hier nochmal den Verweis auf meinen Text „Keine Frohnatur“.

11. Jova Warda: Have a Feminist New Year: 8 Vorsätze für 2018

Jova schreibt auf Amazed-Mag, wie es wäre, wenn wir versuchen, uns zu lieben, wie wir sind und lauter und furchtloser für unsere Überzeugungen einstehen. Das macht nicht nur die Welt zu einem bisschen besseren Ort, sondern auch uns zu zufriedeneren Menschen. Sie hat ein paar Vorschläge, wie das funktionieren kann.

„Nur ein intersektionaler Feminismus ist ein ernstzunehmender Feminismus. Intersektionalität beschreibt die Verschränkung verschiedener Diskriminierungsformen: Sexismus, Rassismus, Homo- und Transphobie, Klassismus, usw. All diese Diskriminierungsformen hängen zusammen, sie bedingen und beleben sich gegenseitig, und wenn Feminismus konsequent sein will, dann muss er sich gegen jede Form von Ungerechtigkeit stellen und sich als Unterstrang einer sehr viel größeren Antidiskriminierungsbewegung sehen. Deswegen: Verliert nicht die Arten von Diskriminierung aus dem Auge, von denen ihr selbst nicht direkt betroffen seid.“

12. Barbara Kaufmann: Heimweh

Barbara schreibt so schön, dass es wehtut. Diesmal über Eltern, die ins Heim müssen und ihren verstorbenen Vater.

„Eigentlich“, sagte mein Freund im Herbst zu mir als man tagsüber noch keine dicke Jacke brauchte und wir gemeinsam im T-Shirt am Spielplatz saßen, „sind es gar nicht die Kinder, durch die man merkt, dass man älter wird. Weil man ja irgendwie mit ihnen mitwächst. Es sind die Eltern.“

13. This American Life: The Perils of Intimacy

Zum Abschluss möchte ich noch eine Folge von This American Life empfehlen, die mich wirklich berührt hat, vor allem ab Minute 47, in der die Kurzgeschichte von Lydia David über die Kosten einer Fernbeziehung vorgelesen wird. Gänsehaut.

Dir hat dieser Beitrag gefallen? Du hast ihn vielleicht sogar deinen Freunden empfohlen oder via Social Media geteilt? Dann unterstütze meinen Blog doch bitte durch eine kleine Spende. Dadurch kannst du sicherstellen, dass ich mich am Sonntag einmal pro Monat mit Sushi für die geistreiche, anstrengende und befriedigende Arbeit belohnen kann, die ich hier als Bloggerin neben meinem Hauptberuf kostenlos leiste und aller Welt zur Verfügung stelle. SEND MONEY TO GROSCHI (via PayPal)

You Might Also Like

by

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close