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30. Dezember 2017
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Ich bin gerade in einer Phase, in der mir meine Social-Media-Feeds weniger Spaß machen als sonst. Klar, Social Media ist eh nicht ausschließlich Spaß, sondern gerade für Selbstständige und Medienmenschen auch Arbeit, aber wenn ich bei gefühlt jedem fünften Posting Magenweh dank Überforderung, Ablehnung oder „Pff“-Mir-doch-egal-Gefühl bekomme, weiß ich, dass ich etwas ändern muss.

Nicht nur brauche ich gerade Extra-Schmuse und Erholungszeit für mich und mein Privatleben (wer nicht?), sondern auch Zeit für das Buch, das ich schreibe, in dem ich mich natürlich auch mit den Auswirkungen der Technologie auf unser aller Arbeits- und Beziehungsleben auseinandersetze.

Den Plattformen die Schuld an meinem Überdruss alleine zuzuschieben, finde ich falsch – schließlich sind wir zu einem gewissen Grat auch für unsere Mediennutzung mitverantwortlich. Nichtsdestotrotz musste ich Ada Blitzkrieg zustimmen, als ich ihren Artikel auf Refinery29 las: „Instagram ist inzwischen fest in der Hand von sogenannten Influencern, die sich wiederum fest in Beziehungen mit bezahlten Kooperationspartnern befinden. Vieles von dem, was wir tagtäglich bewundernd ansehen, ist nichts weiter als eine geschönte, gut vergütete Version der Wirklichkeit, die wir wiederum im Privaten versuchen mit unseren Accounts nachzubilden. Unbezahlt, versteht sich.“

Weiter schreibt sie: „Wir sind alle so unglaublich langweilig geworden, so sehr, dass unsere schönsten Seiten mit einem Filter fast identisch erscheinen und wir, um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, auch noch diejenigen Hashtags benutzen, die unsere reproduzierbaren Fotos einem Haufen anderer, gleichgeschalteter Fotos zuordnen, die sich dann bestenfalls noch im Datum des Uploads unterscheiden. Jeder Avocadotoast hat irgendwo einen identischen Zwilling. Es gibt mich da draußen vermutlich tausendfach. Seit Instagram weiß ich es.“

Ich will nicht so weit wie im Frühling 2013 gehen, in dem ich mich für zwei Jahre von Facebook verabschiedete, noch bin ich sicher, ob die Weiterführung meines zweiten Instagram-Accounts des Rätsels Lösung wäre. Was ich jedoch weiß, ist, dass ich mich nicht zerreißen kann – und dass ich nicht so tun möchte, als ob. Als ob Social Media nebenbei funktionieren würde, mit dem Rattenschwanz an Arbeit, den Postings und digitale Beziehungspflege nach sich ziehen.

Nennen wir das Kind beim Namen: ich bin schlecht im sogenannten „Engagement”. Ich kommentiere bei meinen Followern selten zurück. Ich sehe mir – wenn überhaupt – sehr wenige Insta-Storys an. Und ich fühle mich schlecht dabei, weil es den Anschein vermittelt, als ob ich diese Person wäre, die sich nicht für andere interessiert. Weil sie nicht ständig zusieht und Anteil nimmt, an ihrem digitalen Leben.

Ich muss mich entscheiden: möchte ich alle 45 Minuten auf mein Smartphone starren (Props an die, die es schaffen “nur” 15 Minuten am Ende des Tages reinzuschauen), um mich quasi permanent massenmedial-digital auszutauschen, oder möchte ich meinen Fokus wieder „auf dieses echte Leben“ richten? (Letzteres)

Möchte ich in meiner freien Zeit Content für Social Media (only) erstellen, oder gute Inhalte und Themen für meinen Blog, externe Corporate-Auftraggeber, journalistische Angebote und mein Buch finden? Wieder Letzteres, weil sie in Ruhe nachgelesen werden können und tagsüber keine zusätzliche Aufmerksamkeit erfordern, um Kommentare zu moderieren oder auf Fragen zu antworten. Manche mögen das Social-Media-Allroundpaket schaffen, ich tue es nicht. Nicht, wenn ich mich in die Richtung weiterentwickeln möchte, die ich gerade anstrebe.

Es mag egoistisch klingen, aber es ist der Weg, den ich in letzter Zeit als den für mich Besten empfunden habe. Ich möchte dann etwas sagen, wenn wirklich etwas zu sagen ist und spärlicher mit der Auswahl meiner Worte, Likes und Beiträge um mich werfen. Weniger Menschen folgen, dafür aktiver. Kommenden Sommer wird sich das wahrscheinlich wieder ändern, wenn ich mehr Kapazitäten habe. Nichts ist für immer, und wenn mich die Lust überkommt, gibt’s auch die eine oder andere unerwartete Regung meinerseits.

Wer mit mir kommunizieren möchte, schickt mir am besten eine WhatsApp (Sprach)nachricht, dort bin ich am persönlichsten zu erreichen. Meine Social Media Kanäle werde ich in nächster Zeit eher weniger, und wenn bewusst dazu nutzen, um jenen Fotos oder Geschriebenes zu zeigen, die sich für mich als „Person of Internet“ interessieren.

Ich verstehe jeden, der mir entfolgt, genauso wie ich mit diesem Beitrag hier versuche auf lustige Weise aufzuzeigen, warum ich aktuell vielen Accounts entfolgt bin, ohne dass dabei persönliche Hintergründe eine Rolle spielten.

Danke für euer Verständnis für meinen geforderten Freiraum. Kommentiert hier drunter gerne – dann antworte ich auch bestimmt.

Und jetzt bitte lachen. Das haben wir das Jahr nämlich wahrscheinlich alle zu wenig gemacht.

1 Grund: Auf deinem Profil ändert sich nichts mehr

Gerade bei Profilen, denen ich schon seit zwei oder drei Jahren folge – was selten vorkommt, aber eben doch –, gibt es manchmal nichts mehr „Neues“ zu entdecken oder zu lernen. Die Fotos wiederholen sich wie die Anlässe, an denen man sich nichts zum Geburtstag schenkt.

Ich nutze Instagram auch, um mich über aktuelle Trends und Diskurse im Bereich der Popular Cultures zu informieren und nicht unbedingt nur, um mir die immergleichen Kombinationen von minimalistischen skandinavischen Möbeln auf hippen Teppichen reinzuziehen – solange, bis ich sterbe.

Wenn sich auf deinem Profil seit einem Jahr nichts verändert hat und wir nicht befreundet sind, werde ich höchstwahrscheinlich irgendwann aus Interior-Langeweile-Overload entfolgen. Außerdem hab ich das Geld für deinen gottverdammten Lifestyle nicht.

1 Grund: Wir haben uns irgendwann einmal fünf Minuten auf einer Party gekannt

Es mag ja lustig gewesen sein, für einen Spritzer oder zwei. Wenn wir uns danach allerdings nicht zumindest alle paar Monate Nachrichten senden oder sonstwie in Kontakt bleiben, werde ich dir höchstwahrscheinlich entfolgen. Vor allem, wenn dein Profil ausschließlich aus Essen, Pärchenfotos und Audimaxmitschriften besteht. #sorrynotsorry

1 weiterer Grund: Dein Profil besteht nur aus Selfies

Und ich bin nicht verliebt in dich.

1 weiterer Grund: Du laberst 25 Insta-Storys pro Tag über deinen wahnsinnig unspannenden Alltag und ich muss ständig auf X drücken, um weiterzukommen

Ja, wir alle sind froh über eine weitere Option dank derer es leichter fällt, unser unfassbar spannendes Leben ins Internet hinauszuposaunen und ja, ich habe mich auch schon selbst für mich geschämt. Es sei dir in dem Sinne verziehen – aber bitte sei mir nicht böse, wenn ich nicht mehr hinsehen will. Die komische Schnute macht’s übrigens noch schlimmer. Das sag nicht nur ich, habe mich umgehört!

1 weiterer Grund: Ich habe schon über dich geschrieben und mir danach noch weitere 100 Tage deine stilistisch sicherlich einwandfreien Fotos angesehen

Aber irgendwann war es halt eben auch: dasselbe. Siehe Punkt 1. Es hat wirklich nichts mit dir zu tun. Ich habe leider genauso niedere Instinkte wie herkömmliche Promi-Magazine und sehne mich immer wieder nach neuen, freshen Gesichtern.

1 sehr dummer Grund: Du wohnst in Hamburg

Damit will ich nix zu tun haben!

1 noch dümmerer Grund: Du wohnst in Wien und hängst dort ab, wo ich sonst auch abhängen würde, wäre nicht zumindest 1/2 meines Lebens jetzt in Berlin 

Ja, was soll man dazu noch sagen. Gefühle sind irrational – nicht nur für Außenstehende.

1 weiterer Grund: Ich finde dein Profil – wie sagt man das, ohne beleidigend zu werden – unauthentisch 

Du bist die immerglückliche Travelbloggerin (#livingthemoment #happygirl #positivevibes) in Südostasien und finanzierst deinen Selbstfindungstrip entweder mit den Ersparnissen deiner letzten fünf Lebensjahre als Bankkauffrau oder mittels großzügiger Eltern, und hast leider nicht so gaaaaanz meinen Literaturgeschmack. Wobei man über diesen sicherlich streiten kann!

Ich folge einer einzigen – wie soll man diesen Typus nennen, ohne gemein zu klingen – Basic-Bloggerin, und das ist eine sehr gute Freundin von früher. A. und ich sind nebeneinander aufgewachsen. Du und ich? Ziemlich wahrscheinlich nicht.

PS: Wer sogar noch 2017 auf Fotos springt, soll sich bitte löschen.

1 hässlicher Grund: Dein Leben ist zu gut, um erreichbar zu sein

Du hast einen relativ normalen Day-Job – und trotzdem sitzt du aus unerklärlichen Gründen den ganzen Tag auf einem Surfbrett in Florida und isst abends in den teuersten Restaurants der Welt, ohne einen Hehl daraus zu machen. Sobald dein Profil aussieht wie von jedem x-beliebigen US-Promi, bin ich wahrscheinlich raus. Es sei denn, ich kann etwas von dir lernen – soetwas wie Finanzmanagement wäre aktuell ganz praktisch. Oder progressiven gesellschaftlichen Aufstieg, ohne dafür einen Medienmogul heiraten zu müssen.

SHARE YOUR KNOWLEDGE, GODDAMMIT! Sonst bin ich weg.

Noch 1 Grund: Dein Profil ist einfach (genauso) todeslangweilig (wie meines)

Es gibt Content, der mich persönlich abturnt. Dazu gehören: Kaffeebecher auf Oberschenkeln. Weiße Bettlaken, auf die das Licht einen Tick zu heftig fällt, um irdisch zu sein. Urban-Graffitis und dergleichen. Selfies, nach denen sie dich eigentlich bei einer Modelagentur aufnehmen müssten und Tattoos, die gesamt mehr als 3000 Euro gekostet haben müssen. Es sind Profile der typischen Mittzwanzigerin, die mich schon um 14 Uhr laut laut im Office gähnen lassen. Wahrscheinlich, weil sie mich an mein eigenes Profil erinnern. Haha! Nur in besser. Und ohne die Kaffeetassen. Ich hasse Kaffee. Ihr könnt mir an dieser Stelle also ruhig entfolgen.

Mein Verständnis habt ihr!
Cheers.

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