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31. August 2017
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Schnaubend – vor Wonne, vor Freude – riss ich ihr das rote Haarband vom Kopf, zog ihr die silbernen Ohrringe ab, hätte am liebsten ihr Kleid in Fetzen gerissen, sie von diesem ganzen Firlefanz der Konvention, der Artigkeit und guten Erziehung, der Unechtheit entblößt.

Es war grausam, es tat weh.
Es war echt.
Wir erbeuteten einander.
Keine vier Monate später habe ich sie geheiratet.

Ich hätte wissen müssen, dass eine Frau, die beißt, statt zu küssen, den, den sie liebt, auch bekämpft. Und ich hätte wissen müssen, dass ich mit dem Schmuck nur den äußeren Putz abgerissen und als Trophäe an mich genommen hatte. Wer eine Liebe so beginnt, sollte wissen, dass sich im Herzen dieser Liebe Gewalt und Zerstörung verbergen. Bis auf den Tod. Von Anfang an war es um einen von uns geschehen.

Es hieß, sie oder ich.
In der Urgewalt namens Liebe hatte ich eine Ebenbürtige gefunden.

Ich liebte sie, ich habe nie aufgehört, sie zu lieben. Wenn ihr Selbstmord die Falle war, in der sie mich fangen wollte, um mich zu verschlingen, in sich aufzunehmen, zu einem Körper zu werden, ist ihr das gelungen. Ein Bräutigam, der Geisel des Todes ist, in einer posthumen Ehe auf ewig mit seiner Braut verbunden, so unzertrennlich von ihr, wie sie es wollte.

Ihr Name ist mein Name.
Ihr Tod ist mein Tod.

Ich glaube an so etwas wie ein echtes Selbst, und ich weiß, wie selten es ist, so ein Selbst sprechen zu hören, zu sehen, wie es sich aus dem Kokon von Falschheit und des Nichtssagenden herausschält, aus den Scheingestalten, die wir anderen präsentieren, um ihnen zu gefallen, sie irrezuführen. Je gefährlicher das echte Selbst, desto raffinierter die Masken. Je ätzender das Gift, das wir am liebsten über andere ausspeien würden – um sie zu lähmen, zu töten -, desto süßer der Nektar, mit dem wir sie locken, zu uns zu kommen, in unserer Nähe zu sein, uns zu lieben.

Sie war ein süß duftendes Gefäß voll Gift.
Ich war nie zuvor jemandem begegnet, bei dem Lieben und Hassen so nah beinander lagen, dass es fast keinen Unterschied gab. Sie wollte nichts lieber, als jemanden lieben, aber sie hasste es, wenn sie es tatsächlich tat. Sie wollte nichts lieber, als geliebt werden, aber sie hat jeden, der sie je geliebt hat, gnadenlos für diese Liebe bestraft.

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