internet & identität

Teilzeitarbeit: Meine Alternative zur Vollzeitfalle – und was ich mir schon alles anhören musste

9. Juli 2017

Ganz ehrlich? So sehr ich mich auch bemühte, nach Thomas‘ Wortmeldung zu meinem vorherigen Text – „So etwas schreiben nur Pussys und faule Säcke, du wirst es zu nichts in deinem Leben bringen, ich arbeite 100 Stunden die Woche“ – beleidigt zu sein. Es funktionierte nicht. Ich kann niemandem böse sein, der zum Glück nichts weiter braucht, als den unumstößlichen Glauben an den Spätkapitalismus und einen ausbeuterischen Arbeitsvertrag. Selbst wenn er dabei nach einer 14-Stunden-Schicht wütende Kommentare schreibt.

Im Grunde sind wir doch alle wie Thomas mit einer ähnlichen Vorstellung von Zukunft aufgewachsen – und wenn dabei der kleinste gemeinsame Nenner Vollzeitstelle heißt. Nach dem Abitur ist vor dem Abitur, das fleißige Punktesammeln wird von leistungsorientierten Netzwerktreffen abgelöst, bei denen einem Vorstandsmitglieder Visitenkarten zustecken, ohne jemals zum Gespräch zu laden. Wie die Pferde im Stall buhlen wir um die Jobs mit den längsten Arbeitszeiten – und wozu das alles? Damit die Nachbar*innen später nicht fragen, warum man freitagvormittags ihre DHL-Pakete annehmen kann?

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4 Comments

  • Reply Julia 19. August 2017 at 7:29

    Am Ende kamen mir die Tränen.. Sehr gute, traurige Beobachtung.

    • Reply Julia 19. August 2017 at 7:31

      PS: Der Kommentar bezog sich auf den Text mit den Großeltern ;)

    • Reply groschenphilosophin 19. August 2017 at 11:06

      Weißt du Julia, soetwas ist das Schönste, das man als Autorin lesen darf. Danke dir dafür <3

  • Reply Tatjana 15. September 2017 at 9:34

    Ein sehr schön geschriebener Text und mein Kopf kam während des Lesens gar nicht aus dem Nicken raus. Ich kann so vieles daraus nachvollziehen – was mich freudig und traurig zugleich stimmt. Nachdem ich meinen Vollzeitjob bei einer Tageszeitung zur Ruhe gelegt hatte (weil ich durch den – größtenteils selbst auferlegten – Druck krank geworden war), jobbe ich aktuell mit einer halben Stelle in Gastro/ Verkauf. Klar bin ich krass unterfordert und will so, so gern wieder zurück zum Schreiben. Es fehlt mir so sehr! Gleichzeitig will ich mich aber nicht mehr zum Mindestlohn durch eine Vollzeitstelle quälen, für die 40h/ Woche ohnehin nie ausreichen und die auch noch mindestens 45 min Pendeln pro Richtung auf die Stundenzahl daraufhaut. Dafür bin ich mir (endlich!) viel zu wichtig. Bloß kommt es mir aktuell so vor, als sei eine halbe, oder zumindest 2/3-Stelle im Journalismus nur ein schlechter Witz; zumindest wenn man fest angestellt sein möchte.

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