Das Internet und der Journalismus

„Dont feed the trolls?“ Warum genau das in feministischen Foren so schwer fällt

21. Januar 2016

„Zensur!!!!!“ wird vor allem gerne dann geschrien, wenn Beiträge gelöscht werden, die Autorinnen im unsafe space Internet als widerwärtige Fotzen und Dummschwätzerinnen bezeichnen. Total unfair! Auch den Beitrag zum brennenden Flüchtlingsheim hätte man lieber genau so in den Facebook-Spalten stehen lassen. „Nicht kommentieren, nicht darauf eingehen, löschen“ – lautet die allgemeingültige Regel der Netzgemeinde.

Herring et. al. nennen einen ideologischen Konflikt als einen zentralen Grund dafür, weshalb das Unterbinden von Trollbeiträgen speziell in einem feministischen Forum schwer fällt. Sie beschreiben ein „liberal-libertäres Ethos“ von Internet-Foren, das die freie Meinungsäußerung als höchstes Gut setzt und Konflikte innerhalb der Diskussionsgruppe lösen will. Dieses Ethos stehe in einem widersprüchlichen Verhältnis zum feministischen Anspruch, einen geschützten Raum anzubieten, in dem alle das Wort ergreifen könnten, ohne dafür aufgrund ihres Geschlechts persönlich angegriffen zu werden. Troller seien nun häufig die Gewinner, indem sie diese Spannung ausnutzten, sei es, weil die Vertreterinnen einer offenen Debatte sich durchsetzen, wodurch die Troller in ihrem Tun fortfahren könnten, oder sei es durch die Denunziation von Sperrungen bestimmter Nutzer als Zensur, wodurch ein beliebter Generalvorwurf „Feministinnen sind intolerant“ – bestätigt würde.

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Als wirkungsvolle Strategie erweist sich vor allem ein pluri-mediales Vorgehen: Bloggerinnen berichten auf Podiumsdiskussionen, im Hörfunk und in den Medien über das Thema „Sexismus im Netz“ und erreichten auf diese Weise auch ein Publikum außerhalb der Blogosphäre. Verschoben wird durch die feministische Strategie auch die oberste Maxime des Ignorierens von provokativen und störenden Beiträgen und in den Blick kommt Sexismus als alltägliches Phänomen, wie es in zahlreichen Artikeln und Kommentaren innerhalb und außerhalb des Netzes bestätigt wurde.

Pritsch, Sylvia (2011): Verletzbarkeit im Netz – zur sexistischen Rhetorik des Trollens. Feministische Studien: Zeitschrift für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung. Vol. 29 (2) pp. 232-24

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