Wie ich letztens nachlesen konnte, gibt es einen Unterschied zwischen „Glück“ und „Zufriedenheit“. Glück ist ein Gemütszustand, den wir empfinden, wenn wir den Moment genießen, während sich Zufriedenheit daraus ergibt, wenn wir etwas erreicht haben, das mit Norm- und Wertvorstellungen zu tun hat.

Zilla Leutenegger. Office. Pinakothek der Moderne, München
Zilla Leutenegger. Office. Pinakothek der Moderne, München

Dieses „Etwas erreichen“ geht einher mit dem Überwinden von Schreibblockaden, Ideenmangel, mit Konflikten, Hürden und Problemen. Man setzt sich Ziele, die bis dann und wann erfüllt sein sollen und setzt deren Eintreten mit Zufriedenheit gleich. Wie lange diese anhält, lässt sich immer besonders gut beobachten, wenn eine Note im univis (Anm.: universitäres Online-Notenverzeichnis) eingetragen wurde. Der Aufwand, bis dies tatsächlich geschah, war natürlich unterschiedlich. Und doch handelte es sich zeitweise um Arbeiten von Monaten, deren Resultat einzig und allein durch einen lächerlichen Mausklick sichtbar gemacht wurde.

Man freut sich drei Sekunden, erkennt die eigene Leistung erneut an – jetzt, wo sie durch einen externen “Prüfer” tatsächlich für gut befunden wurde und kann sich dann für die nächsten 2, 3 Tage diesem Ding widmen, das man Glück nennt. Denn jetzt, wo erstmal Zufriedenheit als Zustand hergestellt wurde, darf das auch mal sein!

Nichtstun. Das Buch in die Hand nehmen, das man Weihnachten 2013 geschenkt bekommen hat. Auf Segeltour gehen. Genau, das hat man sich wohlverdient. Es geht dann so lange gut, dieses Glück, bis das gesellschaftlich optimierte und an berufliche Widrigkeiten angepasste schlechte Gewissen wieder anklopft und dir signalisiert: Genug Nichts-getan, du hattest deine Zeitspanne zum Glücklichsein, Museen besichtigen, Knutschen im Wasser. Jetzt reiß dich mal wieder zusammen, konzentriere dich auf das nächste Projekt, bei dem du genügend Zufriedenheitspunkte sammeln kannst, um zwei Wochen am Stück Urlaub zu machen.

Und wehe dir, wenn nicht.