No comments
19. September 2014
Share:

Wer morgens ins Bad geht und einen Zettel mit der Aufschrift „What the fuck, clean it please“ vorfindet, weiß vermutlich, wo er sich gerade befindet. Das Leben zu fünft birgt einige Nebenwirkungen und Risiken, auf die ich weniger vorbereitet war, als erwartet. Nach meiner zehntägigen Reise in den Niederlanden kam ich Freitag wieder zurück in die WG. Vorgefunden habe ich nicht rausgetragene Müllsäcke („It was her Job!“), unzählige herumstehende Bierflaschen, Toiletten ohne Klopapier („Yeah, I realized some days ago that we run out of stock…“) und eine volle Spüle („I did not cook yesterday“). So bleibt das Betreten der Wohnung eine spannende Angelegenheit. Man weiß nie, wer (mit wem) im Wohnzimmer sitzt, ob die Küche frei ist oder ob plötzlich das Waschmittel, die Seife, das Salz aus ist und man im Falle des Falles der Idiot ist, der dann am nächsten Morgen zum Supermarkt rennt. Wochen später ist das Geld, das man dafür ausgegeben hat, zwar immer noch nicht durch fünf geteilt worden, macht aber nichts. Irgendwann wird nämlich jemand anderes auf der Toilette sitzen und merken, dass das Klopapier alle ist.

Abgesehen davon und meiner wiedergekehrten Verkühlung nach einer Joggingrunde im Stadtpark genieße ich das Leben hier, so gut es eben geht. Heute war ich beispielsweise beim Arzt. Nach einer fünfminütigen Behandlung wurde ich für das Abklopfen und Rachenanschauen mit einer Rechnung von 24 Euro überrascht. Das belgische Gesundheitssystem unterscheidet sich vom österreichischen dadurch, dass der Versicherte pro Jahr nur rund 100 Euro zahlt. Es gilt das Kostenerstattungsprinzip, bei dem die Patienten für alle Untersuchungen im Voraus zur Kasse gebeten werden. Es gibt hier ebenfalls Vertrags- beziehungsweise Krankenkassenärzte und freie Ärzte. Die Vertragsärzte rechnen die Untersuchungen nach den Vorgaben der Krankenkassen ab und sind damit deutlich günstiger, während die freien Ärzte die Preise prinzipiell selbst bestimmen können. Meine Rechnung werde ich nun bei der österreichischen Krankenkasse einreichen und auf den Kostenersatz warten. Maximal 80 Prozent der Kosten werden mir, hoffentlich, zurückerstattet. Die Höhe der Rückerstattung liegt auch damit zusammen, bei welcher Kasse man versichert ist und ob eine Zusatzversicherung abgeschlossen wurde. Der Wartesaal meiner Hausarztgemeinschaft war überraschend leer. Es scheint, als ob die Patienten sich genau überlegen würden, was sie brauchen und ob sie dafür einen Arztbesuch in Kauf nehmen.

Heute Abend kocht der Herr des Hauses für uns. Danach werden wir einen neuen Putzplan aufstellen und den angestauten Frust aufarbeiten. Am Donnerstag beginnt die Universität, und ich habe bislang weder Studiausweis noch Stundenplan. Die Anmeldephase für die Kurse beginnt dann wohl Freitag und muss nach meiner Rechnung Sonntagabend abgeschlossen sein. Ich freue mich bereits darauf, mein learning agreement abzuändern und mit diversen bürokratischen Amtssiegeln zu versehen. Das wird ein Spaß!

You Might Also Like

by

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close